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Göttingen Gegenwind aus der Politik für Pilotprojekt
Die Region Göttingen Gegenwind aus der Politik für Pilotprojekt
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00:19 25.09.2017
Planungen der Stadtwerke: Pilotprojekt eines Biowärmezentrum. Quelle: Stadtwerke
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Göttingen

Das Pilotprojekt eines Biowärmezentrum, das die Stadtwerke Göttingen planen, bekommt Gegenwind aus der Politik. Vor allem die CDU und FDP haben Zweifel am ökologischen Nutzen der Anlage. Die Piraten bemängeln das intransparente Verfahren.

Als „bundesweit einzigartig“, „innovativ“, „effizient“ und „ökologisch“ hat Gerd Rappenecker, Technischer Vorstand der Stadtwerke, das Vorhaben im Bauausschuss des Rates vorgestellt. Die Stadtwerke planen mit der Boson Energy SA aus Luxemburg ein Biowärmezentrum mit einem europaweiten Forschungs- und Pilotprojekt im Maschmühlenweg an der Ecke Hildebrandstraße. Ein bereits geschlossenes Kooperationsabkommen beinhaltet den Bau des Zentrums.

„Kein finanzielles Risiko“ für die Stadtwerke

Das neue Heizkraftwerk für die Nahwärmeversorgung soll aus einem Holzhackschnitzelkessel bestehen. Für eine Testphase von zwei Jahren ist zudem die Installation einer Holzvergaseranlage (Pyrolyse) geplant, für die Holz und Altholz in Südniedersachsen genutzt werden können. Der Spatenstich sei für das Frühjahr 2018 geplant, das Biowärmezentrum solle Anfang 2019 seinen Testbetrieb aufnehmen. Für die Stadtwerke bestünde kein finanzielles Risiko, so Rappenecker. Die komplette Finanzierung der Pyrolyse-Anlage übernehme Boson Energy gemeinsam mit dem luxemburgischen Wirtschaftsministerium.

Blick vom Maschmühlenweg auf das Grundstück, auf dem das Biowärmezentrum entstehen soll. Quelle: Beckenbach

Hans-Georg Scherer (CDU) bezeichnete die Folgen der Anlage für die Umwelt als „ökologisches Desaster“. Der große Bedarf der Anlag an hochwertigen Holz führe zu einer Verschiebung, an deren Ende große Spanplattenhersteller ihr Holz künftig nicht mehr aus heimischen Wäldern beziehen könnten, sondern möglicherweise aus dem auch weit entfernten Ausland. „Der Krieg um die Holzhackschnitzel“ inklusive Kahlschlag in den Wäldern habe längst begonnen, sagte Scherer. Auch seien bei einem Pilotprojekt mit kaum erprobter Technologie Störfälle möglich, warnte er. Das finanzielle Risiko liege zwar bei Boson Energy, die anderen Risiken lägen aber bei den Göttinger Bürgern. Wie etwa der Ausstoß von Dioxin, warfen Felicitas Oldenburg (FDP) und Harald Wiedemann (Grüne) ein. Dieses könne bei der Pyrolyse entstehen.

„Das sind keine Hasardeure.“

Rappenecker verwies darauf, dass Dioxin etwa in dem Hochtemperaturbereich ab 1000 Grad Celsius, in dem die Anlage arbeiten soll, sauber verbrannt würde. Das Risiko technischer Pannen schätzte Rappenecker als „überschaubar“ ein. Die Wissenschaftler, die an dem Projekt arbeiteten hätten „praktische Erfahrung“ mit einer ähnlichen, aber kleineren Anlage in Schweden. „Das sind keine Hasardeure.“

Francisco Welter-Schultes (Piraten) bemängelte das intransparente Verfahren. Die Politik sei von den Stadtwerken viel zu spät informiert worden. Wohl hätte der nicht-öffentlich tagende Stadtwerke-Aufsichtsrat davon gewusst. Aber nicht alle Ratsparteien hätten Vertreter in diesem Gremium. Auch hätten die Stadtwerke vorab nur die Fraktionen von SPD, CDU und Grüne informiert. „Im Rat gibt es aber insgesamt neun Parteien“, sagte Welter-Schultes. Rappenecker hielt dagegen: Die Stadtwerke hätten alle Parteien angeschrieben und ein Informationsgespräch angeboten. „Wir kommen in jede Fraktion“, bot er der Ratspolitik am Donnerstag an. Denn eines sei klar: „Ohne die politische Zustimmung für das Projekt machen wir es nicht.“

Grundstücksverkauf „ganz in Ruhe klären“

Ulrich Holefleisch (Grüne) forderte, den nötigen Verkauf des von den Stadtwerken ausgesuchten Grundstücks für das Biowärmezentrum „ganz in Ruhe zu klären“. Dieses befinde sich nämlich im Besitz der Stadt. Scherer regte an, zu dem Thema eine Podiumsdiskussion „mit externen Experten“ zu veranstalten, bei der das Für und Wider eines solchen Pilotprojektes erörtert werden können.

Stadtbaurat Thomas Dienberg klagte, dass bislang zu wenig über die „Chancen“ des Projektes gesprochen wurde. Er sei überzeugt, dass die Stadt sich mit diesem Thema für die Zukunft richtig aufstelle.

Hintergrund für die Planungen für das Pilotprojekt ist das alte Heizkraftwerk in der Godehardstraße. Das ist in die Jahre gekommen und muss bis 2020 ersetzt werden. Es beliefert derzeit etwa 200 Gebäude in der Innenstadt ganzjährig mit Wärme.

Von Michael Brakemeier

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