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Göttingen Gericht verurteilt Ex-„Hells Angels“-Anführer zu Bewährungsstrafe
Die Region Göttingen Gericht verurteilt Ex-„Hells Angels“-Anführer zu Bewährungsstrafe
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18:37 08.02.2018
Quelle: dpa
Northeim/Göttingen/Kassel

Die Staatsanwaltschaft hatte den heute 51-Jährigen Trockeneismonteur angeklagt, in Northeim gemeinsam mit einem Kumpanen einen 48-jährigen Mann aus Friedland durch Schläge und Tritte erheblich verletzt zu haben. Die Tat hatte sich bereits im Juli 2013 ereignet, wurde aber erst jetzt vor dem Amtsgericht Northeim verhandelt. Warum das Verfahren mehr als viereinhalb Jahre lang „geschmort“ hat, blieb unklar.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für den Prozess

Das Gericht hatte für den Prozess, zu dem unter anderem mehrere betont breitschultrig auftretende Männer als Zeugen geladen waren, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Da der angeklagte Vorfall lange zurückliegt, gestaltete sich die Beweisaufnahme mühselig. Am Ende der mehrstündigen Verhandlung sah es das Gericht als erwiesen an, dass sich der Ex-Rockerchef der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Da der 51-Jährige zwischenzeitlich vom Amtsgericht Kassel wegen versuchter Erpressung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden war, bildete das Gericht unter Einbeziehung des vorherigen Urteils eine Gesamtfreiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Diese wurde ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung bezeichnete eine solche Strafe als „in Ordnung“. Der Angeklagte meinte dagegen, dass er „so gerne einen Freispruch“ gehabt hätte.

Vorfall hat sich in einer Lagerhalle in Northeim abgespielt

Zuvor hatte das Gericht versucht, sich anhand der Zeugenaussagen ein Bild von den damaligen Geschehnissen zu machen. Der Vorfall hatte sich in einer Lagerhalle in Northeim abgespielt. Ein Kaufmann aus dem Landkreis Göttingen, der dort seine Oldtimer deponierte, hatte dem 48-jährigen Mann aus Friedland und einem damaligen Freund des Mannes erlaubt, dort Autos zu reparieren. Nachdem sich später beide zerstritten hatten, habe er sie aufgefordert, die Halle zu räumen und ihre Werkzeuge mitzunehmen, sagte der Kaufmann.

Als der 48-Jährige morgens zu dem vereinbarten Termin an der Halle ankam, waren dort neben dem einstigen Freund (dieser trat 2016 bei der Kommunalwahl als NPD-Kandidat für den Göttinger Kreistag in Erscheinung) auch mehrere andere Personen vor Ort, unter anderem der Angeklagte. Dieser habe zu einem Kumpanen gesagt: „Hau ihm auf die Schnauze“, berichtete der 48-Jährige. Der Komplize habe ihm dann ins Gesicht geschlagen. Er habe sich jedoch gewehrt und diesen zu Boden gebracht. Laut Anklage soll der 51-jährige Ex-Rockerchef dem 48-Jährigen dann zwei Fußtritte ins Gesicht und einen Tritt in den Rücken versetzt haben. Erst als die Freundin des 48-Jährigen dazwischen ging und auch noch der Kaufmann mit einem Mitarbeiter dazu kam und ihnen Hausverbot erteilte, entfernten sich die Angreifer. Der 48-Jährige erlitt durch die Attacken unter anderem ein Schädelhirntrauma sowie diverse Prell- und Schürfwunden und Zahnfrakturen und wurde zwei Tage im Krankenhaus behandelt.

Mutmaßlicher Mittäter bislang nicht ermittelt

Den mutmaßlichen Mittäter hat die Staatsanwaltschaft bislang nicht ermittelt. Mehrere Zeugen sagten allerdings aus, einen ebenfalls als Zeugen geladenen 30-jährigen Mann aus Adelebsen als Mittäter identifiziert zu haben. Der 30-Jährige, der im Nacken eine markante „Stinkefinger“-Tätowierung hat, machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Auch er ist kein unbeschriebenes Blatt: Der 30-Jährige war ein Jahr nach dem Vorfall als Probemitglied der „Hells Angels“ an der versuchten Erpressung eines 60-jährigen Mannes aus dem Landkreis Kassel beteiligt. Der 51-jährige Angeklagte hatte damals als „Hells Angels“-Anführer von dem Mann 100.000 Euro zu erpressen versucht. Diesen Vorfall nahm das Innenministerium zum Anlass, den Göttinger Rockerclub zu verbieten.

Von Heidi Niemann

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