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Göttingen Ein Blick zurück: Die Geschichte der Göttinger Lokhalle
Die Region Göttingen Ein Blick zurück: Die Geschichte der Göttinger Lokhalle
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21:20 09.12.2018
Bis 1976 wurden in der Lokhalle Eisenbahnen repariert. Seit mittlerweile 20 Jahren dient die Halle anderen Zwecken. Quelle: Foto: R/Hinzmann/Richter/Archiv
Göttingen

Die Lokhalle feiert 20-jähriges Bestehen. Am 17. Dezember 1998 ist nach mehr als 20 Jahren Leerstand erstmals in der sanierten Halle wieder ein Fußballspiel ausgetragen worden. Zur offiziellen Eröffnung im Februar 1999 kamen 20 000 Göttinger.

Die Geschichte der Lokhalle und ihres Umbaus in Bildern.

Der Weg zur modernen Veranstaltungshalle war lang. Bis 1976 diente das 180 mal 90 Meter große Gebäude noch als Ausbesserungswerk für die Bahn. Nach der Schließung fiel sie mehr als 20 Jahre lang in einen Dornröschenschlaf und verfiel. Dann begann ein jahrelanges Ringen um die Zukunft der Lokhalle. Schon 1978 nimmt die Stadt Verhandlungen mit der Bahn auf, um das 85 000 Quadratmeter große Gelände zu kaufen. Kostenpunkt: neun Millionen Mark. Der erste Plan für den Bereich: eine Schnellstraße. Daraus wird nichts, der Göttinger Architekt Jochen Brandi kommt ins Spiel und legt 1979 ein Konzept für ein multifunktionales Kulturzentrum vor. „Brandi hat das Gelände neu entdeckt”, sagt Klaus Hoffmann, damals Hochbauamtsleiter der Stadt und später langjähriger Chef der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Göttingen (GWG).

Hoffmann (l.) mit Jürgen Trittin in der noch nicht sanierten Lokhalle. Hinzmann

Hoffmann erinnert sich, dass die Idee, hinter dem Bahnhof ein Veranstaltungszentrum zu bauen, damals bei vielen Göttingern auf Skepsis stieß. „Das war damals die falsche Seite der Stadt”, sagt Hoffmann. Hinter den Bahnhof ging man nicht. Dennoch gewinnt die Idee immer mehr Anhänger. Auch Hermann Schierwater, späterer Stadtdirektor, spricht sich für ein Veranstaltungszentrum aus. Jahrelang beschäftigen sich Rat und Verwaltung mit der Halle, auch eine Bürgerbewegung macht sich jetzt für die Erhaltung stark. Nur: Die Kosten sind immer wieder das Problem. „Brandi sprach damals von zwei, ich von 20 Millionen Mark”, sagt Hoffmann heute lachend. Es wurden am Ende etwa 25 Millionen.

Sting, Die Ärzte, Ina Müller oder die Toten Hosen – im Laufe ihrer Geschichte als Veranstaltungslocation hat die Lokhalle viel erlebt. Eine Auswahl der Veranstaltungen.

Viele hatten sich für die Halle interessiert. Hoffmann erinnert sich an den Künstler Anselm Kiefer, der ein Atelier aus ihr machen wollte. Immer aber hing das Damokles-Schwert des Abrisses über der Halle. „Wir hatten unzählige Nutzungsvorschläge auf dem Tisch”, sagt Hoffmann. „Ein riesiger Katalog jenseits der wirtschaftlichen Machbarkeit.” Hoffmann wird Chef der GWG und damit ab 1992 verantwortlich für die Planung.

1983 kauft der Göttinger Bauunternehmer Hans-Jürgen Ebel das Gelände samt Halle von der Bahn. 1985 ist der Bebauungsplan für die Bahnhofswestseite rechtskräftig. 1986 beantragt Ebel den Abriss der Halle wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit. Die Stadt kauft das Gelände zurück, Ebel baut das Arbeitsamt. Weitere Nutzungen werden in den nächsten Jahren diskutiert, vom Archivlager bis hin zum Zirkus-Winterlager. Unterdessen haben feierfreudige junge Göttinger die Halle illegalerweise für sich entdeckt. Verbotene Techno-Partys mit mehr als 1000 Besuchern im baufälligen Industriedenkmal waren bis 1993 nur eine kurze Episode.

Das Cinemaxx wird 1996 gebaut. Quelle: r

1996 dann kommt Rettung – in Gestalt des Kino-Königs Hans-Joachim Flebbe. Er will ein Kino an der Lokhalle bauen. Das Göttinger Cinemaxx ist eines der ersten fünf Großkinos bundesweit. „Das war der Durchbruch”, sagt Hoffmann. In dem Jahr, als das Kino eröffnete, kamen knapp 700 000 Besucher – auch, um den neuen Film „Titanic“ auf großer Leinwand zu sehen. Flebbes Vorstoß führt dazu, dass die Verwaltung von ihren Abrissplänen Abstand nimmt und mithilfe eines kalifornischen Architektenbüros ein neues Nutzungskonzept erarbeitet. 1998 dann fasst der Rat den endgültigen Beschluss, die Halle zu sanieren. Am 17. Dezember findet die erste Veranstaltung statt. Hoffmann erinnert sich, dass sich die Verantwortlichen, als der Rohbau stand, fragten, ob solch eine große Halle überhaupt mit Besuchern voll zu bekommen ist. Die Frage hat sich schnell erübrigt. Schon zum Eröffnungsfest 1999 kommen rund 20 000 Göttinger.

Von Britta Bielefeld

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