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Göttingen Geschichtsverein legt mittelalterliche Wüstungskirche in Asche frei
Die Region Göttingen Geschichtsverein legt mittelalterliche Wüstungskirche in Asche frei
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20:18 26.06.2015
Quelle: Heller
Asche

Kniehoch ragt Mauerwerk aus dem Boden. Der Grundriss der Kirche lässt sich bereits erahnen. Eine „schicke Anlage“, meint Geologe Frank Wiese, Initiator des Projektes. Weil das Mauerwerk zum Westen hin dicker ist, sei dort wohl der Kirchturm gewesen, vermuten er und Frank Wedekind von der Göttinger Grabungsfirma Streichardt und Wedekind Archäologie. Sie hat die Betreuung der Grabung übernommen. Die weiteren Mauern weisen auf ein Schiff und einen abgetrennten Chorraum hin. Stolz zeigt Wiese die großen Steine, die seiner Meinung nach zum Torbogen gehörten. „Von innen war alles schön weiß verputzt“, sagt er und zeigt auf einen „ergrauten“ Putzrest.

Vor vier Jahren zog Wiese nach Asche. Bei der Erkundung seiner neuen Umgebung stieß der Geologe auf den Ascher Kirchberg. „Wo Kirche draufsteht, muss auch Kirche drin sein“, dachte er und begann zu forschen. Den Ort hatte er bald lokalisiert. Seine Idee, die Kirche freizulegen, stimmte er mit der Kreisarchäologie ab. Wiese gründete den Geschichtsverein unter anderem für die Finanzierung. In den kommenden fünf bis sechs Jahren rechnet er mit einer fünfstelligen Summe, die die Ascher nicht allein aufbringen können. Im Mai ging es mit der Arbeit los. Auch die Forstgenossenschaft als Eigentümer des betroffenen Waldstücks ist mit im Boot bei dem Vorhaben.

Dass die Ascher hinter dem Projekt stehen, zeigt ihr Einsatz bei der Grabung. Zum vierten Termin hat sich der Geschichtsverein an diesem Wochenende getroffen. An den Sonnabenden seien bis zu 25 freiwillige Mitarbeiter gekommen, erzählt Wiese. „Ich habe schon immer Lust dazu gehabt“, sagt Helfer Norbert Helbig. Nun habe er sich den Wunsch erfüllen können. Mit Burkhard Sperschneider ist er dabei, den vermeintlichen Eingang freizulegen. „Burkhard, Du bist ja ein Trüffelschwein“, sagt Wiese, als der wieder eine Scherbe findet. Eine Art der Meditation findet Sandra Schubutz bei der Arbeit. Außerdem setze sie sich gern mit der Geschichte auseinander. 

Und davon gibt es viel. Denn die Kirche stand nicht allein. Die Geländeform des Waldes mit Einebnungen für Häuser und langen Hügeln als Hinweise auf Wölbäcker lässt laut Wiese auf eine Siedlung schließen. So will Wedekind dort weitere Grabungsschnitte setzen. Auch mit Metallsonden werde das Gelände untersucht. Ein 3-D-Modell will ein Geographiestudent aus Asche mit einem Laserscan für seine Bachelor-Arbeit erstellen.

Nicht nur im Modell, sondern auch im Wald soll die Kirche nach der Grabung erkennbar bleiben. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz wünscht sich Wiese, dass die Ascher die Wüstungskirche für besondere Gottesdienste nutzen können.

Von Ute Lawrenz

Infos zu dem Projekt gibt Wiese per E-Mail an frwiese@snafu.de. Eine öffentliche Begehung der Grabung wird am Sonntag, 2. August, in der Zeit von 11 bis 15 Uhr angeboten.

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