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Göttingen 50-jähriges Bestehen gefeiert
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15:33 07.10.2018
Tilman Zülch, Gründer der Gesellschaft für bedrohte Völker, im Gespräch mit Moderator Yared Terfa Dibaba Quelle: Garben
Göttingen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Sonnabend mit einem Festakt in der Aula am Wilhelmsplatz ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Unter den Gästen war auch Klaus Guercke, der die GfbV 1968 gemeinsam mit Tilman Zülch gegründet hatte. Durch das Programm führte der bekannte TV-Moderator Yared Terfa Dibaba.

Der Abend war vor allem eins – eine Würdigung des Lebenswerks von Gründer Tilman Zülch.

Unterstützer, ehemalige Weggefährten und Freunde erinnerten in ihren Reden an wichtige gemeinsame Stationen und betonten den Einfluss, den der 79-Jährige auf sie persönlich und den Kampf für Menschenrechte hatte.

„Die Unterstützung der GfbV war ein wichtiger Faktor für unseren Erfolg“, sagte Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. Damals hätte die Minderheit keinerlei politische Lobby gehabt und es sei Tilman Zülch gewesen, der ihn dazu gebracht habe, 1978 „aus der Anonymität herauszutreten“ und seine Bürgerrechtsarbeit für die Sinti und Roma aufzunehmen. Die GfbV vertrete das Ideal, „dass alle Menschen die gleiche Würde haben“. Doch er beobachte, dass es in Deutschland und Europa eine neue Form des Nationalismus gebe, einen überheblichen Nationalismus, wie Rose ihn nannte. Die Arbeit für Minderheiten sei deshalb so entscheidend, weil sie einen lebenswichtigen Beitrag für die Demokratie leiste.

Diesen Gedanken ergänzte Michael Brand, menschenrechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion in seiner Ansprache: „Der Einsatz für andere ist der Einsatz für unsere eigenen Menschenrechte.“ Ohne die Arbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker hätte sich „vieles nicht zum Besseren“ gewandelt. Für Brand, der 1998 ein Praktikum bei der GfbV in Sarajewo gemacht hatte, sei dies „die erste Begegnung mit Menschen, die sich nicht weggeduckt haben und den Opfern eine Stimme gegeben haben“, gewesen, nahm er Bezug auf die Kriege im damaligen Jugoslawien.

Auch Mehmet Tanrıverdi, stellvertretender Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, betonte die Vorreiterrolle der Organisation. Seit fünf Jahrzehnten engagiere sich die Gesellschaft „beharrlich und entschieden“ für die Kurden und sei damit eine der ersten deutschen Initiativen gewesen, die „ein Bewusstsein für die Menschenrechtsverletzungen, die die Kurden erfahren haben“, geschaffen und dabei auf ihr „Recht auf kulturelle und politische Selbstbestimmung“ hingewiesen habe. Bei dem Giftgasangriff auf die nordirakische Stadt Halabdscha 1988, bei dem innerhalb weniger Stunden 5000 Menschen qualvoll erstickt waren, habe die Gesellschaft die Kurden nicht allein gelassen. „Das haben wir nicht vergessen“, betonte Tanrıverdi.

Wie viele andere Gäste an diesem Abend sei sie „ein Kind der Gesellschaft für bedrohte Völker“, sagte die deutsch-jesidische Journalistin Düzen Tekkal. Als sie 2014 in den Irak gefahren ist, um den von der Terrormiliz Islamischer Staat verübten Völkermord an den Jesiden zu dokumentieren, sei die „DNA, die uns hier mitgegeben wurde“ stärker gewesen als die Angst.

Von Nora Garben

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