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Göttingen Gift aus den Turbinen
Die Region Göttingen Gift aus den Turbinen
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00:17 21.01.2017
Kabinenluft kann krank machen. foto: dpa Quelle: Peer Grimm
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Göttingen

Die Symptome des sogenannten aerotoxischen Syndroms: Patienten fühlen sich benommen und haben grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Wegen teils schwerer gesundheitlicher Probleme suchten allein 2016 viele hundert betroffene Crewmitglieder und Passagiere das Forscherteam um die Göttinger Privatdozentin Astrid Heutelbeck im Klinikum auf.

Ätzend und giftig für das Nervensystem

Fume Event“-Vorfälle können entstehen, weil „die Kabinenluft in Verkehrflugzeugen aus den Kompressorbereichen der Triebwerke gespeist wird. Wenn die Turbine nicht absolut sauber arbeitet, werden Turbinenöl, Frostschutz, Hydrauliköl und andere teils giftige Substanzen gleich mitgeliefert. Turbinenöl beispielsweise enthält Substanzen, die giftig auf das Nervensystem wirken, Hydrauliköl wirkt ätzend, besonders auf die Augen. Die Luftfahrtindustrie hingegen steht auf dem Standpunkt, dass es keine schlüssigen Beweise dafür gibt, das Turbinenöl ausreichende Mengen für langfristige gesundheitsschädliche Schädigungen enthält. In Deutschland wurden der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zwischen 2006 und 2013 insgesamt 663 Vorfälle gemeldet, die auf entsprechende Probleme in der Kabinenluft zurückzuführen waren. hein

Die Petenten, die sich auf der Plattform change.org zusammengefunden haben, kritisieren, dass es seit Mitte 2016 gleichzeitig zu steigenden Patientenzahlen einen unerwarteten Personalabbau gegeben habe. Derzeit sei die „Fume Event“-Sprechstunde mit nur einer Oberärztin und deren Forschungsassistenz besetzt.

Seit Mitte Dezember könne die Betreuung ausschließlich für die bisher angenommenen Patienten garantiert werden. Weil die „Fume Event“-Sprechstunde die einzige Anlaufstelle in ganz Deutschland ist, könnten keine neuen Opfer betreut werden. Bei Nichtbehandlung drohe „Verlust der Arbeitsfähigkeit durch anhaltende bis chronische Schädigung des zentralen Nervensystems sowie einer schweren Reduktion der Lungenfunktion“, heißt es in der Petition.

Das Universitätsklinikum räumt Probleme mit der Forschungsstelle ein, weist aber den Vorwurf einer Personalkürzung zurück: „Zu keinem Zeitpunkt hat es im klinischen und ärztlichen Bereich eine Stellenkürzung gegeben“, erklärt Klinikumssprecher Stefan Weller. „Vielmehr hat der Vorstand der Universitätsklinikums auf den drängenden und wachsenden Bedarf reagiert und der Einrichtung vorerst übergangsweise administrative Stellen zugeordnet.“

Allerdings sei die Arbeits- und Umweltmedizinische Ambulanz bisher auf die stetig wachsende Nachfrage nach der Expertise Heutelbecks und ihres Forschungsteams „nicht ausgerichtet“, sagt Weller. Daher würden in der Tat bis Ende April neue Patienten nicht mehr angenommen. Es werde aber „auf alternative Betreuungswege aufmerksam gemacht“. Generell müssten andere Lösungen außerhalb des Uniklinikums gefunden werden.hein

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