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Göttingen Pflanzenschutz oder Vernichtung?
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00:19 03.12.2017
Die Pflanzenbehandlung mit Glyphosat ist höchst umstritten. Quelle: epd
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Göttingen

Glyphosat ist ein Unkrautbekämpfungsmittel, das seit 1975 zum Einsatz kommt. Weltweit wird es in der Landwirtschaft, der Gartenbaubranche, der Industrie und in privaten Haushalten eingesetzt. Der Einsatz von Glyphosat ist jedoch seit mehreren Jahren umstritten, weil das Pestizid ausnahmslos alle Pflanzen vernichtet, mit denen es in Berührung kommt. Das heißt: Es werden nicht nur unerwünschte Pflanzen für den Ackerbau getötet, sondern auch viele Wildpflanzen, womit ein Rückgang des Lebensraums vieler Tiere einhergeht. Zudem wurde es von Wissenschaftlern als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Achim Hübner, Vorsitzender des Landvolks Göttingen, findet die politische Entscheidung und den Alleingang von Schmidt unaufrichtig und falsch. Das Thema Glyphosat sehe er jedoch nicht so dramatisch: Ein Grundrisiko beim Spritzen von Pflanzen bestehe immer, aber er verlasse sich auf die Aussagen und Studien der Behörden. Diese seien der Meinung, dass Glyphosat sicher sei und dass man nicht genau sagen könne, ob eine eindeutige Gefährdung von dem Pestizid ausgehe. Solange nicht genau klar sei, dass Glyphosat wirklich unsicher oder gefährlich ist, sieht Hübner keinen Grund, das Pflanzenschutzmittel vom Markt zu nehmen. „Glyphosat wird genutzt, um Pflanzen möglichst isoliert wachsen zu lassen und findet beispielsweise nach der Rapsernte seinen Einsatz. Diese einmalige Verwendung erspart das Pflügen und somit die flächendeckende Vernichtung des Bodens, die nicht weniger schädlich als das Nutzen von Glyphosat ist.“ Zudem werde Glyphosat unter genauen Vorschriften verwendet, und das Risiko sei kalkulierbar. Die Landwirtschaft habe im Allgemeinen einen Einfluss auf die Tier- und Umwelt, aber dies habe nichts mit Glyphosat zu tun. Durch die Industrie würden ebenso Tiere wie auch Pflanzen gefährdet. Glyphosat in erster Linie verantwortlich zu machen, sei der falsche Weg.

Die Grünen sehen den Beschluss der Bundesregierung ebenso als Skandal. Schmidt habe kein Mandat gehabt und hätte nicht für die weitere Zulassung des Glyphosat stimmen dürfen. Zudem sei die Regierung nicht bereit, Stellung für den Entscheid zu beziehen: Fritz Güntzler, Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneter, habe Göttinger Bürgern ein Gesprächstermin bezüglich der Glyphosat-Entscheidung verwehrt. Die Grünen befürchten auch eine Politikverdrossenheit, weil es eine klare Ablehnung in der Bevölkerung gebe.

Die Ratsfraktion der Göttinger Linken sieht in der politischen Entscheidung neben der Vertrauensfrage zwischen der SPD und der CDU ein größeres Problem für die Umwelt und eine Gefährdung der Gesundheit von Mensch und Tier. Auch die Piraten sprechen sich für ein Verbot des Pestizides aus.

Carsten Sawosch, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland, erklärt: „Die mögliche direkte Schädigung der menschlichen Gesundheit ist hier nur ein Einzelpunkt, wesentlich sind auch die indirekt beeinflussenden Merkmale wie die Vernichtung von Nahrungsquellen für Insekten, die ihrerseits wiederum Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Vogelarten sind. Wir müssen daher dringend die Aufmerksamkeit auf diese sekundären Auswirkungen lenken, da diese elementar den Fortbestand der heimischen Flora und Fauna bedrohen.“ Glyphosat sei kein Pflanzenschutzmittel, sondern vielmehr ein Pflanzenvernichter, der alle natürlichen grünen Pflanzen zerstört. Zudem sei es unverhältnismäßig, dass Länder, die bereits ein Verbot für Glyphosat durchgesetzt haben, als nicht konkurrenzfähig abgestempelt werden. „Statt vorwiegend auf Profit durch den Absatz von Pharmaerzeugnissen und stets wachsende Großbetrieben zu setzen, muss endlich der gemeinsame Wille im Vordergrund stehen, in der großen Breite nachhaltig zu produzieren“, sagt Anja Hirschel, Sprecherin der Piratenpartei für Digitalisierung. Diese Meinung vertreten auch die Grünen und Hartmut Teichmann, Vorstandsmitglied der Mündener Grünen, macht deutlich: „Einer zunehmenden Vergiftung unseres Lebensraumes allein zu Gunsten eines Konzerns können und wollen wir nicht tatenlos zusehen.“ „Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat auf ganzer Linie versagt“, betont Sawosch.

Von Fionn Klawunn

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