Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Die Toten vom Wilhelmsplatz
Die Region Göttingen Die Toten vom Wilhelmsplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 25.12.2016
Die Skelette seien willkommenes Untersuchungsmaterial für die Studierenden, sagt Birgit Großkopf Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Ein kurzer prüfender Blick genügt Birgit Großkopf, dann weiß die promovierte Anthropologin von der Uni Göttingen: Der Schädel in ihrer Hand gehörte einem etwas über 30 Jahre alten Mann. Stark ausgeprägte Kinn- und Kieferpartien sowie Überaugenwülste und die dickwandige obere Augenwand verraten ihr das Geschlecht. Die Schädelnähte, die begonnen haben, sich zu schließen, geben Hinweise auf das Alter.

Der Schädel gehört zu den bislang letzten Fundstücken, die die Archäologen bei Grabungen auf dem Gelände der Alten Mensa am Wilhelmsplatz gefunden haben. Die letzte Lieferung erreichte die Anthropologie in sechs Kartons in der vergangenen Woche. Gewaschene Schädel- und Kieferstücke, Wirbel und Oberschenkel, unzählige Knochenstücke liegen in großen Plastiktüten darin.

Für die Universität sind die Grabungen an der Alten Mensa inzwischen abgeschlossen, sagt Uni-Sprecher Romas Bielke. Weit mehr als 100 Fundstellen von Skeletten in verschiedenen Grabungsschichten haben die Archäologen seit dem Herbst 2015 ausgegraben. Bei den wenigsten Funden handelt es sich um vollständige Skelette, nur elf gelten als gut erhalten.

Nach den ersten Funden lag die Vermutung der Archäologen nahe, dass es sich bei den Toten um Mönche des mittelalterlichen Franziskanerkloster handelt, das an der Stelle bis 1522 bestand. Doch Großkopfs Untersuchungen weiterer Funde zeigten, dass ein großer Teil der menschlichen Überreste von Frauen stammt. "Wenn es ein Mönchsfriedhof war, warum wurden dann Frauen dort bestattet", fragt Großkopf. Dass die Frauenskelette von Nonnen eines Franziskanerinnenkloster, das sich ab 1508 sich in der Nähe der Fundstelle befand, stammen, ist die eine Theorie. Dass es sich um einen öffentlichen Friedhof gehandelt haben könnte, eine andere. "Dafür fehlen aber Skelette von Kindern", sagt Großkopf. Wurden sie an anderer Stelle bestattet? Das Problem: "Für die Grabungen stand nur ein kleiner Ausschnitt eines eigentlich großen Areals zur Verfügung", sagt Großkopf.

Mehr Licht in die Geheimnisse der Toten vom Wilhemsplatz soll nun eine zweite Bachelorarbeit zu den Grabungsfunden bringen, die von Großkopf betreut wird. Dabei sollen die in der vergangenen Woche angelieferten Skelette von einer Studentin untersucht werden. Die Skelette seien willkommenes Untersuchungsmaterial für die Studierenden, sagt Großkopf.

Nach ihren Angaben sei das Anthropologische Institut in Göttingen eines der wenigen bundesweit die noch "osteologisch", also direkt mit den Knochen, arbeiteten und Studierende dahingehend ausbildeten. Andere Institute würden Alters- und Geschlechtsbestimmung nur noch per DNA-Tests vornehmen. Im Vergleich mit dem kurzen prüfenden Blick eines erfahrenen Anthropologin ein teures und langwieriges Verfahren.

Klöster, Kirche, Mensa

Nach Angaben von Stadtarchäologin Betty Arndt ist am heutigen Wilhelmsplatz 1268 mit dem Bau eines Franziskanerklosters begonnen worden. In der Reformation seien die Mönche 1533 vertrieben, die Kirche danach bis zu ihrem Abriss 1820 stets zweckentfremdet worden. Ab 1508 gab es auch ein Kloster für Franziskanerinnen. Erst ab 1820 errichtete Christian Friedrich Andreas Rohns auf dem Gelände das Gebäude, das bis vor wenigen Jahren als Uni-Mensa genutzt worden ist. Über die Nachnutzung des Areals nach dem Ende des Klosters ist bislang nur wenig bekannt. Auch hier soll die aktuelle Ausgrabung neue Erkenntnisse bringen: Mauerreste aus der Zeit nach dem Kloster haben die Archäologen ebenfalls gefunden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Michael Laugsch ist neuer Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr in Grone. Einstimmig hat der Rat der Stadt Göttingen ihn für sechs Jahre ins Amt berufen. Laugsch wurde zuvor von den aktiven stimmberechtigten Mitgliedern der Ortsfeuerwehr Grone in der Mitgliederversammlung im August vorgeschlagen.

22.12.2016
Göttingen Sanierungsarbeiten liegen im Winter auf Eis - Sperrung des Maschmühlenwegs aufgehoben

Der Verkehr rollt wieder reibungslos auf dem Maschmühlenweg. Am Donnnerstag wurde die Sperrung einer der Hauptverkehrsstraßen in Göttingen aufgehoben. Grund: Die Sanierungsarbeiten werden im Winter ausgesetzt.

25.12.2016

Zwar steht das Weihnachtsfest vor der Tür, doch trotzdem bietet das verlängerte Wochenende einiges an Möglichkeiten. Eine Zusammenstellung der Veranstaltungen in Südniedersachsen.

24.12.2016
Anzeige