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Göttingen "Effekthascherei" oder "Rumeiern"
Die Region Göttingen "Effekthascherei" oder "Rumeiern"
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17:01 02.05.2017
Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Schock war groß, als vor zehn Jahren bekannt wurde, wie marode Gebäudeteile des Museumskomplexes sind. Seitdem ist viel passiert: Teile wurden saniert, weitere sollen folgen. Das Land Niedersachsen hat dafür etwa 3,75 Millionen Euro Fördermittel zugesagt, von denen bisher etwa die Hälfte abgerufen wurde. Jetzt dränge die Zeit, mahnt die CDU. Über einen Dringlichkeitsantrag hatte ihre Fraktion Anfang April im Bauausschuss des Rates darum „ein Bekenntnis zum Museumskomplex am Ritterplan“ gefordert.

Das blieb zunächst aber aus, der Ausschuss vertagte eine Entscheidung. Zuvor hatte Stadtbaurat Thomas Dienberg erklärt, „dass der Stadt in jedem Fall ein besonderes Maß an Verantwortung für den Erhalt dieses Gebäudekomplexes zukommt“. Zugleich sehe die Bauverwaltung den jetzigen Standort für das städtische Museum als richtig an. Dienberg bestätigte aber auch, dass die Fördermittelgeber weitere Zuschüsse nur auszahlen wollten, wenn die Stadt ein Nutzungskonzept für den Komplex vorlegt. Ein schlichter Verweis auf eine „öffentliche Nutzung“ werde keinesfalls ausreichen.

Das sagen die Parteien:

Die SPD hält eine Festlegung auf die Gebäude am Ritterplan für nicht vernünftig und bezeichnet den Dringlichkeitsantrag der CDU als "aufziehenden Wahlkampf und Effekthascherei". In die Bausubstanz am Ritterplan seien bereits zirka drei Millionen Euro investiert worden, elf weitere Millionen seien erforderlich, um die Gebäude Instand zu setzen. Aber auch dann böte die Immobilie keinen Raum für innovative Museumskonzepte. Zudem werde man keinem Museum zustimmen, das behinderte Mitmenschen ausschließt.

Die CDU fordert von allen Ratsfraktionen ein klares Bekenntnis. Die städtische Sammlung solle wieder einen würdigen Rahmen erhalten, betonte Hans-Otto Arnold im Bauausschuss. Insbesondere aber müsse sichergestellt werden, dass die vom Land in Aussicht gestellten Fördermittel nicht verloren gingen. Seine Partei habe den Antrag gestellt, weil in den Haushaltsberatungen Formulierungen, die sich auf das Museum am bisherigen Standort bezogen hätten, gestrichen worden seien.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bekennt sich zum Museumsstandort am Ritterplan. Man solle diesen weiter entwickeln, soweit die finanziellen Mittel dieses zulassen. "Wir sind uns bewusst, dass das bedeutet, die Gebäudeteile Hardenberger Hof, Remise und Kapelle nur nach und nach einer Nutzung zuführen zu können", erklärt Katharina Jacobi. Grundvoraussetzung sei eine barrierefreie Erschließung. 

Die FDP-Fraktion unterstützt den Erhalt des jetzigen Museumsstandorts. Es könne nicht sein, dass die Prioritäten der Stadt auf einem Kunstquartier liegen und gleichzeitig die Museumslandschaft vernachlässigt würde. Das städtische Museum brauche einen würdigen Standort. "Die Nutzung des Standortes Ritterplan ist dafür genau richtig", betont Torben Siepmann. Auch die FDP mahnt, die Fördermittel nicht druch Untätigkeit zu riskieren.

Man habe sich schon für das Ensemble Ritterplan eingesetzt, als der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) plötzlich die ehemalige Voigtschule ins Gespräch brachte, konstatiert Gerd Nier für die Fraktion der Göttinger Linken. "Und nun sind wir wieder verwundert, wie die SPD rumeiert, ohne eine Alternative zu benennen." Diese Haltung sei für die Mitarbeiter kaum mehr erträglich.

Nach Ansicht der Gruppe Piraten/Die Partei übernimmt das Städtische Museum eine wichtige Funktion in Göttingen. Aus der Gruppe käme ein klares Votum für das jetzigen Ensemble bestehend aus Posthalterei, Remise und Hardenberger Hof inklusive dem Kapellenanbau, sagt Francisco Weiter-Schultes. Er spricht sich klar gegen Versuche aus, "für teures Geld" neue Standorte zu suchen.

Die Fraktionen von AntifaLinke und Liberal-Konservative Reformer haben bisher auf die Anfrage des Tageblatts nicht reagiert. us/mib/ms

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