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Göttingen Sturmschaden mit Ansage
Die Region Göttingen Sturmschaden mit Ansage
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00:16 17.04.2017
Manfried Dörries hat Probleme mit riesigen Fichten am Gustav-Freytag-Weg, von denen eine bereits auf sein Haus gestürzt ist. Quelle: CM
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Göttingen

Bei dem Umstürzen des Baumes auf sein Haus in der Nacht zum 28. Februar wurde das Dach von Dörries' Haus an der Ecke Geismarlandstraße/Gustav-Freytag-Weg erheblich beschädigt. Die Bewohner des Dachgeschosses kamen mit dem Schrecken davon. Am Baumstumpf an der Südseite des Gustav-Freytag-Weges zeigte sich, dass der Stamm total morsch und durchgefault war.

Jetzt befürchtet der ehemalige Bauingenieur, dass die sechs zur gleichen Zeit gepflanzten, ebenso hohen Fichten daneben dem nächsten Sturm ebenfalls nicht standhalten könnten. Nicht nur sein Haus, sondern auch die Benutzer des Gustav-Freytag-Weges seien gefährdet, weil dort ein Kindergarten liege und der Weg von vielen Schülern benutzt werde.

Entsprechende Befürchtungen, sagt Dörries, hege er bereits seit Jahrzehnten. Zunächst mündlich, etwa seit Mitte der 1990er-Jahre, habe er den Besitzer des Fichten-Grundstückes, einen Privatmann aus Neu-Eichenberg, auf die im Wortsinne wachsende Gefahr aufmerksam gemacht und ihn gebeten, die Bäume zumindest zurückzuschneiden. Weil sich nichts rührte, forderte Dörries den Grundstücksnachbar ab Anfang 2008 immer wieder schriftlich auf, die Gefahr zu beseitigen. Allerdings auch weiterhin ohne Erfolg – bis einer der Bäume in der Nacht zum 28. Februar 2017 tatsächlich auf sein Haus stürzte.

Nachbarschaftsstreit um Fichte

Weil mit den restlichen Bäumen trotz Aufforderung auch weiterhin nichts geschah, erstattete Dörries Anzeige gegen den Baumbesitzer, informierte die Stadtverwaltung und setzte ein Schiedsverfahren in Gang, mit dem der Besitzer des Nachbargrundstückes zum Handeln gebracht werden soll. Wenig erfreut zeigt sich Dörries darüber, dass ihm das Beschwerdemanagement der Stadt bedeutet habe, er solle sich keine Sorgen machen: Von den Bäumen gehe keine Gefahr aus.

Die Stadtverwaltung weist Dörries Vermutung zurück, auch die Stadt tue nichts. Ein "fachkundiger Kollege“ habe sich die Fichten angesehen, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Zwar machten die restlichen Bäume „einen gesunden Eindruck“, weil jedoch einer der Bäume umgestürzt sei, habe die Stadt den Grundstückseigentümer „aufgefordert, eine Fachfirma mit der Begutachtung zu beauftragen“. Das aber ist bislang nicht geschehen.

Am Mittwoch dieser Woche ging Dörries noch ein Gutachten zu. „Durch regelmäßige Kontrollen“, erklärte ein Sachverständiger der Volksheimstätte nach einer Besichtigung des umgestürzten Baumes, „hätte auch ein Laie erkennen können, dass die Fichte abgängig ist.“ Und: „Bei den anderen Fichten ist ein Rückschnitt zu empfehlen, da sie schon eine Höhe von über 25 Metern haben.“

Mittlerweile zeigt sich der Besitzer der Fichten einsichtig: „Ich bin so weit“, erklärte der Privatmann aus Neu-Eichenberg, „dass ich die Fichten entfernen werde. Es muss was passieren – auch, damit ich meine Ruhe habe.“

Gefahr für die Öffentlichkeit

Zwar sind grundsätzlich die Grundstückseigentümer für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson, aber: „Wenn von dem Grundstück eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht oder ausgehen könnte, sind wir natürlich gefragt und zuständig.“ Zunächst erstelle die Verwaltung eine Gefahrenprognose, aus der sich gegebenenfalls weitere Schritte ableiten. Zu solchen Schritten kann auch die Fällung von Bäumen führen, die eigentlich der städtischen Baumschutzsatzung unterliegen.

Der Schutz entfällt beispielsweise, „wenn ein Baum krank oder beschädigt ist“ oder „die Bäume die Einwirkung von Licht und Sonne auf Fenster unzumutbar beeinträchtigen“, sodass Wohnräume tagsüber künstlich beleuchtet werden müssen. Auch das sei bei ihm der Fall, sagt Hausbesitzer Dörries.

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