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Göttingen Göttingen: Warnung vor Geflecktem Schierling (Conium maculatum)
Die Region Göttingen Göttingen: Warnung vor Geflecktem Schierling (Conium maculatum)
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10:48 06.08.2014
Der harmlosen Schafgarbe zum Verwechseln ähnlich: der giftige Gefleckte Schierling. Quelle: Schwerdtfeger
Göttingen/Beverungen

Der Göttinger war mit seiner Tochter am Dienstag vergangener Woche zum Angeln nach Beverungen gefahren, zum Osterfeldsee.

Während Hendrichs angelte, besah sich die Fünfjährige die Pflanzen am Ufer. Ein hübsches Gewächs, das aussah wie Schafgarbe, fiel ihr auf. Sie pflückte einige Samen und knickte eine Blüte ab, um sie mit nach Hause zu nehmen: Lisabeth liebt Pflanzen.

Wieder zu Hause, sah ihre Hand abends ein wenig nach Sonnenbrand aus. Am Donnerstag waren schon zwei kleine Bläschen zu sehen. In der Nacht wurde Vater Laurenz wach, weil seine Tochter vor Schmerzen schrie. Am Tag später waren die Hände mit großen, stark schmerzenden Blasen übersät: Lisabeth musste zum Arzt.

Bei reinem Hautkontakt hochgiftig

Der Grund: Die Schafgarbe vom Osterfeldsee war gar keine. Lisabeth hatte mit einem Exemplar des gefleckten Schierlings (Conium maculatum) gespielt, wie Vater Laurenz und der Kinderarzt der Familie schnell herausfanden. Und der ist hochgiftig, auch schon bei reinem Hautkontakt. Was die Fünfjährige am eigenen Leib äußerst schmerzhaft erfuhr, ist eine phototoxische Reaktion der Haut – eine Reaktion der giftigen Chemikalie mit Sonnenlicht.

Anders als beispielsweise bei Brandblasen empfohlen, musste bei Lisabeth die Blasenhaut operativ entfernt werden. Seitdem sind Lisabeths Hände verbunden. Sie darf nicht nach draußen zum Spielen, mehrmals täglich müssen die betroffenen Hautpartien desinfiziert und der Verband gewechselt werden. Weil sie nicht selbst essen kann, muss sie gefüttert werden.

Vater Laurenz Hendrichs schaudert es bei dem Gedanken, was geschehen wäre, wenn sich Lisabeth einen oder gar mehrere der hochgiftigen Samen in den Mund gelegt hätte: „Darüber will ich gar nicht nachdenken.“ Auch deshalb versucht Hendrichs, mit seiner Warnung so viele Menschen wie möglich zu erreichen, „damit es anderen nicht so ergeht wie Lisabeth“.

Selten, aber hochgefährlich

Berühmt-berüchtigt ist der Gefleckte Schierling wegen des Schierlingsbechers, mit dem Sokrates im Jahr 399 vor der Zeitrechnung hingerichtet wurde: Der Saft der Pflanze ist tödlich, weil das darin enthaltene Gift Coniin zum Tod durch Atemlähmung führt.

Äußerlich führt das Gift zu schweren, verbrennungsähnlichen Hautreizungen. In Panik wegen vermeintlich überall wachsender Schierlingspflanzen müsse aber niemand sein, sagt Michael Schwerdtfeger, Kustos des Alten Botanischen Gartens Göttingen.

Die Pflanze ist anderen Vertretern der Familie der Doldenblütler wie Kerbelkraut, Kümmel, Anis, Petersilienwurzeln oder der weitverbreiteten Schafgarbe zum Verwechseln ähnlich.

In Göttingen komme der echte Schierling seiner Kenntnis nach nur an zwei Stellen vor: hinter der Lokhalle und an einer Stelle zwischen Herberhausen und dem Kerstlingeröder Feld.

Beim Göttinger Giftinformationszentrum, sagt dessen Vize-Chef Andreas Schaper, habe es in zehn Jahren 20 Schierlings-Anfragen gegeben. Viel häufiger sei Bärenklau Thema – ebenfalls ein Doldenblütler, der schwere Hautreizungen auslöst. Jährlich gehen im GIZ 35 000 Anfragen dazu ein.

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