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14:45 13.04.2018
Mitarbeiter des Bauhofes räumen Fahrräder an Bahnhof in Göttingen ab. Sie kommen in den Schrott. Quelle: Ulrich Schubert
Göttingen

Die Männer vom Bauhof der Stadt Göttingen haben schon Erfahrung: Routiniert trennen sie mit einer Flex Schlösser auf, ziehen die oft verbogenen Fahrräder aus den Ständern und bringen sie mit einem Anhänger zum bereitstehenden Container am Rand der großen Vorplatzes. Der Zustand der Gefährte ist desolat: verrostete Ketten, fehlende Räder und Sättel, verbogene Lenker und Rahmen – und ganz viel Rost.

Wiederholt hat die Stadt Göttingen schrottreife Fahrräder vor dem Bahnhof geräumt.

“An denen ist wirklich nichts mehr zu gebrauchen“, versichert Stefan Pfitzenreuter vom städtischen Bauhof. „Absoluter Schrott“, ergänzt sein Kollege Heiko Diedrich. Welche Fahrräder schrottreif sind, hat ihr Vorarbeiter zuvor festgestellt und sie mit roter Sprühfarbe markiert.

Mitarbeiter des Bauhofes räumen Fahrräder an Bahnhof in Göttingen ab. Sie kommen in den Schrott. Quelle: Ulrich Schubert

Und das sind nicht wenige: Drei voll beladene Container fahren die Männer vom Bauhof ab – etwa 300 Stück. „Und das jedes Mal“, erklärt Bauhofsleiter Volker Hempfing. „Jedes Mal“ heißt: „mindestens dreimal im Jahr“. Seit 2012 sorgt die Stadtverwaltung auf diese Weise für Ordnung im Fahrradchaos an der Ostseite des Bahnhofes. Und immer wieder beschwerten sich Göttinger wie Reisende, wenn dieses Chaos „wieder Überhand nimmt“.

Geräumt und weggeworfen werde aber nur „was offensichtlich schrottreif und nicht mehr fahrbereit ist“, erklärt der Bauhof-Chef weiter. Erkennbar sei das unter anderem an völlig verrosteten Ketten und verbogenen wie fehlenden wichtigen Teilen.

Warum immer wieder alte Fahrräder am Bahnhof abgestellt und nicht wieder abgeholt oder wieder genutzt werden, kann er nur vermuten: „Offenbar gibt es viele Studenten, die ihr altes Fahrrad so entsorgen – vielleicht bei ihrer endgültigen Abreise und letzten Tour zum Bahnhof.“

Verbogen, verdreht, oft unbrauchbar: Cahos an den Abstellplätze für Fahrräder am Göttinger Bahnhof. Quelle: Ulrich Schubert

2012 hatte die Stadt mit einem neuen System an der Ostseite des Bahnhofes zwischen Vorplatz und Busbahnhof Abstellplätze für etwa 1500 Fahrräder geschaffen. Sie können an dem besonderen Gestell angeschlossen werden. Seitdem wird regelmäßig auch abgeräumt, wenn offensichtlich verwaiste Fahrräder die Stellplätze blockieren. Insgesamt gibt es im Bahnhofsumfeld (einschließlich Westseite) nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 2400 legale Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Abgeräumt haben die Mitarbeiter des Bauhofes am Freitag aber auch Fahrräder, die „wild“ abgestellt wurden, erklärt Pfitzenräuter: zum Baispiel auf Gehwegen, an Sitzbänken und im Bereich der Pergola. Sind sie in Ordnung, landen sie allerdings nicht auf dem Schrott. Die Arbeiter tragen sie zu freuen Stellplätzen am südlichen Ende der großen Anlage.

Mitarbeiter des Bauhofes räumen Fahrräder an Bahnhof in Göttingen ab. Sie kommen in den Schrott. Quelle: Ulrich Schubert

„Das geht natürlich nur mit Fahrrädern, die nicht angeschlossen sind“, ergänzt Hempfing. Funktionsfähige Räder, die an unerlaubter Stelle zum Beispiel an einen Laternenpfahl angeschlossen sind, „dürfen wir nicht abtrennen – das wäre Sachbeschädigung“.

Die Meinungen über die Aktion sind unterschiedlich: „Das wurde aber auch mal wieder Zeit“, kommentierte Frank Rangun am Freitag auf seinem Weg zum Zug die Arbeit des Bauhofes. „Das Chaos hier ist doch wirklich kein Aushängeschild für Göttingen“, fügte er an. Ein vorbei kommender Bundespolizist hingegen sieht es skeptischer: „Das finde ich nicht gut. Vielleicht hat ein Student sein Fahrrad nur während der langen Semesterferien hier abgestellt und will es nach seiner Rückkehr wieder nutzen.“ us

Von Ulrich Schubert

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