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Göttingen Göttingen hat "Bahnhof des Jahres 2013" - Das sagt die Jury
Die Region Göttingen Göttingen hat "Bahnhof des Jahres 2013" - Das sagt die Jury
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13:53 27.03.2014
Quelle: Hinzmann
Göttingen/Berlin

Er ist „voll und ganz auf Fußgänger, Radfahrer und Flaneure eingestellt“ und hat als einziger in Deutschland ein Fahrradparkhaus mit Waschanlage. Sein denkmalgeschütztes Sandsteingebäude „ist allemal ein Hingucker“. Der Vorplatz mit Wasserspielen und Palmen lädt zum Verweilen ein. Und sogar die Rückseite ist „so ansprechend, dass manche Stadt für ihren Vorplatz von solchen Verhältnissen träumen könnte“. Sie sind voll des Lobes, und das Fazit der Juroren über den schönsten und besten Großstadtbahnhof Deutschlands ist durchaus bewusst sinnbildlich gemeint: „In Göttingen scheint auf beiden Seiten die Sonne.“

Am Donnerstag hat die „Allianz pro Schiene“ in Berlin den Göttinger Haltepunkt offiziell als „Bahnhof des Jahres 2013“ ausgezeichnet. Oberursel ist der beste Kleinstadtbahnhof des Jahres.

2200 Vorschläge von Bahn-Fans

Zum zehnten Mal hat die „Allianz pro Schiene“ diese Auszeichnung vergeben. Zuvor hatten mehr als 2200 Bahn-Fans Vorschläge eingereicht und Göttingen in die Spitzengruppe gebracht. Anschließend hatte eine Jury 20 Favoriten inspiziert. Laut Wettbewerbsausschreibung wurden Bahnhöfe, deren Service, Übersichtlichkeit, Anbindung an den öffentlichen Personenverkehr und Ambiente vorbildlich ist, gesucht. In Göttingen loben die Experten besonders das angeschlossene Fahrradparkhaus – und die neuen Fahrradständer: „Seit die Stadt ihren Vorplatz resolut aus der Umklammerung teils schrottreifer Fahrräder befreit hat, ist vor der schönen Fassade ein harmonisch orchestrierter Platz entstanden.“ Aber auch der „elegante und fußgängerfreundliche Hintereingang sei keine Schmuddelecke“ wie in vielen anderen Bahnhöfen.

„Ich bin begeistert“, kommentierte Bahnhofsmanager Detlef Krusche am Donnerstag die Auszeichnung. Das sei zum einen der Stadt zu verdanken, zum anderen habe es sein Team „mit großem Engagement geschafft, unseren Bahnhof bei den Fahrgästen in den Fordergrund zu rücken“. Und das sind nicht wenige: Nach Krusches Angaben steigen hier täglich 27 000 Reisende ein und aus. Auf acht Gleisen stoppen pro Tag etwa 370 Züge, davon 180 im Fern- und 190 im Nahverkehr.

Betrieb weiter verbessern

„Hocherfreut“ äußerte sich auch der Göttinger Regionalvorsitzende von Pro Bahn, Gerd Aschoff. Er sieht in dem Titel aber auch „die Herausforderung an Bahn und Stadt, das Areal dauerhaft zu pflegen und den Betrieb weiter zu verbessern“. Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) wertete den Preis als Anerkennung für die gute Arbeit des Bahnhofsmanagements und seiner Mitarbeiter. Es sei aber auch eine Anerkennung für die Stadt, die Millionenbeträge in das Umfeld und in die Modernisierung des Gebäudes investiert habe.

► Zur Übergabe der Urkunde gibt es am Montag, 9. September, ab 11 Uhr vor dem Bahnhof ein Fest – neben anderen mit Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD).

Bilder vom Bahnhof in Göttingen - Der Göttinger Bahnhof ist in Berlin als „Bahnhof des Jahres 2013“ ausgezeichnet worden.

Die bisherigen Sieger

Die Jury

Zum zehnten Mal hat die  Allianz pro Schiene den Bahnhof des Jahres ausgezeichnet. In der Kategorie der Großstädte haben bisher gewonnen: Hannover (2004), Mannheim (2005), Hamburg (2006), Berlin (2007), Karlsruhe (2008), Erfurt (2009), Darmstadt (2010), Leipzig (2011) und Bremen (2012) und jetzt Göttingen. Die Sieger unter den Kleinstadt-Bahnhöfen: Lübben (2004), Weimar (2005), Oberstorf (2006), Landsberg (2007), Schwerin (2008), Uelzen (2009), Baden-Baden (2010), Halberstadt (2011), Aschaffenburg (2012) und jetzt Oberursel.

Eine Jury entscheidet, wer „Bahnhof des Jahres“ wird. Sie wertet Vorschläge von Bahnkunden aus und nimmt dann 20 Kandidaten inkognito unter die Lupe. In der Jury sind folgende Institutionen vertreten: Fahrgastverband Pro Bahn, Deutscher Bahnkunden-Verband, Verkehrsclub Deutschland, Autoclub Europa, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club und Allianz pro Schiene. Letztere bezeichnet sich als „Deutschlands unkonventionellstes Verkehrsbündnis“, in dem 20 Non-Profit-Verbände und über 100 Unternehmen der Eisenbahnbranche zur Förderung des Schienenverkehrs kooperieren.

►Kommentar: Verdienter Titel

So eine wunderbare Auszeichnung. Aber schon schreien wieder viele Göttinger protestierend auf: Bahnhof des Jahres? Kann nicht sein. Ein Fehlurteil. Unverdient. Ich finde, der Göttinger Bahnhof hat den Titel verdient. Es ist noch keine zehn oder 15 Jahre her, da wirkten die Fassaden trist, die Halle unübersichtlich, die Passage erdrückend dunkel und das Fahrrad-Chaos am Vorplatz unbeschreiblich. Das ist zwar noch nicht alles perfekt, aber der fast 160 Jahre alte Bahnhof hat sich in jüngster Zeit ganz schön gemausert.

Es liegt wohl in der Natur der Menschen, dass sie das Gute im eigenen Haus nicht erkennen. Wer aber viel reist, in anderen Bahnhöfen genau hinschaut und fair vergleicht, wird schnell erkennen, wie schön und komfortabel unser Bahnhof ist. Auswärtige schwärmen längst, jetzt auch die Experten der Wettbewerbsjury.

Ulrich Schubert
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