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Göttingen Göttingen will Lücken beim nahen Einkauf schließen
Die Region Göttingen Göttingen will Lücken beim nahen Einkauf schließen
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00:23 06.12.2018
Ein ehrgeiziger Plan: Im Idealfall sollen die Göttinger ihren nächsten Nahversorger in zehn Minuten zu Fuß erreichen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Große Supermärkte, viele Discounter und unzählige Bäcker: Eigentlich ist Göttingen mit Lebensmittelläden richtig gut versorgt. Aber es gibt Lücke, besonders in Randbereichen und Dörfern. Das will die Stadt jetzt ändern.

„Auf einen ersten Blick scheint in Göttingen alles super zu sein“, sagte Stadtbaurat Thomas Dienberg am Montag. Neben großen Supermärkten und Discountern gebe es unerwartet viele mittelgroße und kleine Geschäfte sowie Spezialisten. Setze man ihren Umsatz und die Kaufkraft der Göttinger Bewohner ins Verhältnis, liege der erstgenannte Wert mit acht Prozent deutlich über dem Durchschnitt.

Zentrumslage lockt Kunden

„Das klingt gut, hat aber auch etwas mit unserer Zentrumslage für das Umland zu tun“, ergänzte Dienberg. Viele Kunden kämen aus dem Landkreis. Im Detail hingegen gebe es in der Stadt Lücken und Schwachzonen: in den kleinen Dörfern am westlichen Stadtrand und in Wohnquartieren am Rand der Innenstadt. „Die sind zum Teil komplett ohne Nahversorger“.

Im Idealfall sollte jeder Göttinger das nächste Lebensmittelgeschäft von seinem Wohnort aus in zehn Minute zu Fuß erreichen können, erklärte Dienberg weiter. Das treffe allerdings nur auf die Innenstadt und gut versorgte Bereiche in Grone zu.

Wer viel Platz hat, lockt auch Autofahrer zum Einkauf an. An beengten Standorten haben es Lebensmittler schwer. Quelle: Christina Hinzmann

Um das zu ändern, wollen die Stadtplaner mit Geschäftsleuten und Ratspolitikern ein Nahversorgungskonzept erarbeiten. Entstehen soll damit ein Strategieplan, wie Lücken geschlossen und die Bürger flächendeckend besser versorgt werden können. Den Startpunkt markierte am Montag ein „Forum Nahversorgung“ im Neuen Rathaus mit Vertretern des Lebensmittel-Einzelhandels – darunter auch Vertreter großer Ketten und Discounter.

GMA erstellt Gutachten und moderiert

Organisiert wird das Verfahren von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung. Die GMA habe bereits eine Bestandsaufnahme gemacht (siehe Infokasten), sagte Monika Kollmar, Niederlassungsleiterin der Gesellschaft am Standort Köln. Darin seien neben klassischen Lebensmittelgeschäften und SB-Warenhäusern auch Bäcker, Tankstellen mit Lebensmittelverkauf, Drogerien, Blumengeschäfte und Metzger erfasst – alles Geschäfte mit Waren „für den täglichen Bedarf“. Und Projekte, die ungewöhnlich wie erfolgreich seien. Dazu zähle ein ehrenamtlich geführter Nachbarschaftsladen in Roringen und das „Auto-Kassen-Modell“ eines Lebensmittlers in Grone.

Wie sieht die Lage aus? Das Kurzinterview

... mit Monika Kollmar von der GMA

Dabei habe sich gezeigt, dass die Innenstadt und Grone ausgesprochen gut versorgt seien, schon im unmittelbaren Randbereichen aber werde es dünner. Es gebe in diesen Bereichen zwar neben noch viele Discounter, allerdings mit einer Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern. Das rechne sich immer weniger. Die Betreiber würden gerne erweitern, können es am Altstandort aber oft nicht. Die Folge seien weitere Schließungen.

Identitätsstiftend im Quartier

Auf der jetzt vorliegenden Basis solle ermittelt werden, wo Bedarf besteht – und wie er gedeckt werden kann, ergänzte Maik Lindemann, Leiter des Fachbereiches Planung. Dabei spielten viele Faktoren eine Rolle: Baurecht, Umweltverträglichkeit zum Beispiel durch Liefer-Lärm und Verkehr und die Frage, ob und wie pfiffige neue Ideen auch kleine Läden im Randquartieren eine Zukunft sichern können. Denn ein Laden vor Ort „hat auch etwas mit der Identität in Dörfern und Quartieren zu tun“, so Lindemann.

In Roringen haben es die Bürger geschafft, ihren Laden selbst in die Hand zu nehmen und zu erhalten. Quelle: Swen Pförtner

Aus den Ergebnissen des Forums und einer darüber hinaus geplanten Arbeitsgruppe will die Verwaltung das erste Göttinger Nahversorgungskonzept erstellen. Es soll auch als Weiterführung und Ergänzung eines Einzelhandelskonzeptes von 2013 dienen.

Und es soll eine Art Strategieleitfaden für weitere Entscheidungen des Rates sein, ergänzte Kristin Lorenz aus dem Planungs-Fachbereich.

Von Ulrich Schubert

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