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Göttingen Göttingen will neues Kompostwerk bauen
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00:20 08.09.2017
Ein Feuer zerstört im August vor einem Jahr die Göttinger Kompostanlage – jetzt gibt es Neubaupläne. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Es war ein verheerendes Feuer, das am 28. August vergangenen Jahres die Anliefer- und Sortierhalle sowie die Leitwarte des Göttinger Kompostwerkes zerstört hat. Fast 100 Feuerwehrmitglieder waren 48 Stunden im Einsatz, bis die Flammen endgültig gelöscht werden konnten. Die Brandursache ist bis heute unbekannt.

Einen Monat später wurde die Halle abgerissen. Andere Anlagenteile blieben zwar unbeschädigt, trotzdem ist die gesamte Anlage bis heute außer Betrieb. „Ohne Sortierhalle und Leitwarte läuft nichts“, erklärt die technische Geschäftsführerin der GEB, Maren Reimann. Kompostiert wird der Göttinger Bioabfall zurzeit in anderen Anlagen außerhalb des Landkreises.

In mehreren Gutachten haben die GEB inzwischen prüfen lassen, ob sie die alte Anlage wieder aufbauen oder eine neue Anlage errichten sollten - und welches Verfahren bei einem Neubau die beste Alternative ist. Die beauftragten Fachleute vom Witzenhausen-Institut sind inzwischen zu einem Ergebnis gekommen: „Unter wirtschaftlichen, ökologischen, betriebsorganisatorischen und sozialen Aspekten weist ein optimierter Wiederaufbau mit Tunnelrotte die meisten Vorteile auf.“ Dabei sei der gängige Begriff „Tunnelrotte“ irreführend, so Reimann. Tatsächlich verrotte der Biomüll unter kontrollierten Bedingungen in geschlossenen Boxen. Das Ergebnis sei eine „bestmögliche Kompostqualität“. Zugleich werde mehr Energie gewonnen als bisher. Und durch das komplett geschlossene System gebe es deutlich weniger Geruchsprobleme als bei anderen Verfahren. Diese Variante sei außerdem so flexibel, dass auch unterschiedliche Mengen zwischen 16 000 und 21 500 Tonnen Biomüll pro Jahr verarbeitet werden könnten, bilanzieren die Gutachter weiter. Bei Bedarf sei später auch eine Erweiterung problemlos möglich. Der Wiederaufbau der Altanlage wäre zwar mit einem Investitionsvolumen von 9,7 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer gegenüber 11,2 Millionen Euro für die ganz neue Anlage günstiger, aber die Nachteile überwiegen laut Gutachten: geringere Kompostqualität und Entsorgungssicherheit, weniger Immissionsschutz, zugleich eine nur durchschnittliche CO2-Bilanz. Müssen die Göttinger nach dieser Investition mit höheren Abfallgebühren rechnen? „Nein“, versichert Reimann. Die geplante hohe Auslastung und Qualität des fertigen Kompostes würden die Mehrkosten kompensieren.

So einschneidend das Feuer für die GEB und die Stadt auch gewesen sei, „wir wollten nicht einfach nur wieder aufbauen“, erklärt Reimann zu dem langwierigen Gutachterverfahren: „Wir wollten eine robuste, bewährte und zugleich optimierte Anlage, in der wir frühere technische Probleme sicher vermeiden.“

Und sie soll mehr Biomüll verarbeiten als die Göttinger alleine produzieren. „Wir haben schon vor dem Brand Gespräche mit dem Landkreis Göttingen geführt“, so Reimann. Über eine entsprechende Vereinbarung soll künftig auch Bioabfall aus dem Altkreis Osterode in Göttingen kompostiert werden. Nach der großen Fusion im vergangenen Jahr gehört Osterode zum Kreis Göttingen. Dort werden Küchen- und andere Bioabfälle bisher allerdings nicht getrennt gesammelt und verwertet, nur Grün- und Strauchschnitt. Ab 2019 will der Landkreis auch im Bereich Osterode eine getrennte Sammlung aufbauen, seine eigenen Kompostanlagen in Breitenberg und Dransfeld können die erwarteten Zusatzmengen aber nicht aufnehmen.

Einigen sich Stadt und Landkreis, sollen etwa 5000 Tonnen Bioabfall aus Osterode ab 2019 für zunächst zwölf Jahre im neuen Göttinger Werk zu wertvollem Kompost umgewandelt werden. Die Umweltpolitiker des Kreistages haben einem Grundsatzbeschluss dazu bereits einstimmig zugestimmt. Die für die GEB zuständigen Göttinger Ratspolitiker sollen während ihrer Sitzung am Dienstag, 12. September, entscheiden. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Neuen Rathaus.

Wenn alles gut läuft, „könnte wir im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen und 2019 die neue Anlage in Betrieb nehmen“, hofft Reimann.

Versicherungen „tun sich etwas schwer“

Durch das Feuer auf der Entsorgungsanlage der Stadt vor gut einem Jahr ist ein Schaden in Höhe von „mehreren Millionen Euro“ entstanden. Genauere Angaben gibt es bisher nicht. Und bis heute gebe es auch noch keine abschließende Beurteilung und Bewertung der Versicherungen, bestätigt die Geschäftsführerin der GEB für den technischen Bereich, Maren Reimann: „Das ist alles sehr kompliziert, und sie tun sich etwas schwer, auch wenn einiges schon bezahlt ist.“ Sie gehe aber davon aus, „dass wir gut versichert waren.“ Und sie sei optimistisch, dass die Versicherungen am Ende für den entstandenen Schaden aufkommen werden. Das werde natürlich nicht alle bevorstehenden Kosten decken, da die GEB jetzt eine neue und modernere Anlage bauen wollen.

Von Ulrich Schubert

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