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Göttingen Göttingens Oberförster Levin geht
Die Region Göttingen Göttingens Oberförster Levin geht
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17:57 30.08.2018
Nach 32 Dienstjahren geht der Förster der Stadt Göttingen, Martin Johannes Levin, in den Ruhestand. Quelle: Foto: Hinzmann
Göttingen

Der Göttinger Wald gehört den Göttingern. Der, der ihn in den vergangenen 33 Jahren zu dem Wald gemacht hat, der er ist, ist Martin Johannes Levin. Göttingens Oberförster geht in Rente.

Wie stellt man sich einen deutschen Förster vor? Genau so. Bart, wildes Haar, verschmitzter Blick, wettergegerbtes Gesicht. „Natur” ist ein Wort, das er häufig benutzt. Für Levin ist sein Wald kein Forst, der vor allem wirtschaftlich sein muss, für ihn ist es der Wald der Göttinger Bürger.

Der Herr über rund 2000 Hektar ist seit 1900 – so lange lässt sich die Geschichte zurückverfolgen – der Oberförster, der am längsten in diesem Dienst stand. Sein Vorgänger, Joachim Conrad war 29 Jahre dabei.

Levins Onkel gehörte die Saline

Levin kam einst zum Studium nach Göttingen – aus Trier. „Mein Name war den Göttingern ja bekannt”, erinnert er sich. Der Levinsche Park ist allerdings nicht nach dem Förster, sondern nach dem Tuchfabrikanten benannt. Levin hatte zudem Verwandte in der Stadt, seinem Onkel gehörte die Saline. Als Mann aus dem Süden, so erzählt er, sei er oft „viel pragmatischer” an viele Sachen herangegangen als die Göttinger. Heute fühlt er sich selbst als einer.

Nach Göttingen sei er eher zufällig gekommen . „Ich wollte damals möglichst weit zu Hause weg”, erinnert er sich. Er studiert auch in der Schweiz, schließt sein Studium in Göttingen ab und lernt seine Frau in Lübeck kennen. Nach drei Jahren als Förster eines Privatwaldes in Hamburg bewirbt er sich in Göttingen und wird - obwohl es einen fast schon gesetzten Bewerber gab - einstimmig eingestellt. „Ich hatte Glück”, sagt Levin.

Levin bleibt in Göttingen

Heute ist für ihn klar: „Ich bleibe hier”, so der 65-Jährige. „Wir haben doch eine tolle, bunte Mischung von Menschen hier, das macht doch den Esprit dieser Stadt aus.” Und: „Zuhause ist da, wo die Freunde sind.”

Als er 1985 den damals noch „schön ordentlichen” Wald übernimmt, muss er viele Fragen beantworten. „Plötzlich hatten die Göttinger einen unordentlichen Oberförster”, sagt Levin. „Da blieb schon mal ein Baum liegen und eine Krone wurde nicht ordentlich ausgeschnitten”, erinnert er sich. Naturnah, wie Levin es mag, ist damals noch ungewohnt. „Ich habe studiert, um Waldökologie zu lernen”, sagt der Mann, dem Urwälder näher als Kunstwälder sind.

Levin erinnert sich auch daran, dass seine Försterei den Bismarckturm übernimmt und - später dann - die Mackenröder Spitze. Dort ist in Zeiten der deutschen Teilung ein Horchposten der Bundeswehr untergebracht, der teuer verkauft werden soll. Netzwerker Levin nimmt kurzerhand an einem „Abenteuerspielchen” der Bundeswehr teil. „Ich lag mit Hartwig Fischer und dem Dienstältesten im Schlamm”, erinnert sich der Göttinger. Wenig später hat er zwei neue Freunde und den Turm gegen den Abschuss eines Damhirschs in seinem Gehege getauscht. „Ich habe sogar mein altes Horn vom Dachboden geholt und den Hirsch wie gewünscht verblasen”, so Levin.

Kerstlingeröder Feld größter Erfolg

Auch bei der Übernahme des Kerstlingeröder Feldes um 2000 nutzt der findige Förster seine Kontakte. Statt eines Golfplatzes will er dort die einzigartige Natur schützen. „Die Gebäude dort war schon als Clubheim im Gespräch”, erinnert sich Levin. Umweltverbände sind strikt dagegen. Levin fädelt ein, dass eine Bundeswehreinheit, die Möglichkeiten für Sprengübungen sucht, dort ihre Fertigkeiten testen kann. Sehr erfolgreich, wie Levin augenzwinkernd zugibt. Der Golfplatz ist Geschichte, auf dem Feld leben stattdessen alleine mehr als 350 Schmetterlingsarten. „Meine Frau meint, das Kerstlingeröder Feld sei das beste, was ich geschafft habe”, erzählt der Förster.

Das Interesse der Göttinger für ihren Wald freut den Fachmann. „Jede Generation macht es anders”, sagt er. Ob sportbegeistert, romantisch oder ursprünglich „die Waldnostalgie der Deutschen bleibt”, sagt Levin. Denn: „Ohne Wald geht es nicht”. Deshalb will er sich auch als Pensionär für seine Stadt einsetzen. Levin: „Ich kann nicht anders.“

Von Britta Bielefeld

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