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Göttingen Göttinger Aidshilfe bietet Workshops
Die Region Göttingen Göttinger Aidshilfe bietet Workshops
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02:15 01.05.2017
In vielen derjenigen Länder, aus denen in den vergangenen Jahren Flüchtlinge nach Deutschland kamen, ist das Thema Sexualität weitgehend tabuisiert. Mit dem Projekt „Wohlbefinden, Gesundheit und Schutz in der Zweisamkeit“ wollen die niedersächsischen Aidshilfe-Vereine jungen Geflüchteten das (Sexual-)Leben in der vergleichsweise libertären deutschen Gesellschaft erleichtern. Quelle: Mischke
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So auch bei der Göttinger Aidshilfe. Dort werden zusammen mit der Jugendhilfe Süd-Niedersachsen Workshops angeboten, in denen Flüchtlingen Basis-Informationen über einen verantwortungsvollen und freiheitlichen Umgang mit ihrer Sexualität und der Anderer erhalten.

Zum Beispiel am Donnerstagnachmittag. Eine kleine Gruppe junger Männer aus Syrien, Libyen, Ägypten und dem Irak trafen sich im Aidshilfe-Büro. Wichtige Info: Zwang beim Sex gilt in Deutschland als sexuelle Gewalt und ist daher verboten. Die weiteren Themen: Aids-Übertragungswege, Schutz vor Infektionen, Selbstbestimmung, Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit als Basis für gemeinsame Sexualität, sexuelle Rechte und Schutzalter, Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und die Auswirkungen von Alkohol und anderen Drogen.

Und der richtige Gebrauch von Kondomen. „Die Verpackung bloß nicht mit spitzen Gegenständen öffnen“, warnte Referentin Simone Kamin, Präventionsbeauftragte der Göttinger Aids-Hilfe. An Penismodellen aus Holz konnten die Teilnehmer das richtige Aufrollen üben. Probleme, das Thema Sex mit einer Frau zu besprechen, gab es dabei nicht. Nur manchmal ein bißchen Kichern, „aber das wäre mit deutschen Jugendlichen wohl auch kaum anders gewesen“, kommentiert Kamin.

"Wir wollen geflüchtete Menschen dabei unterstützen, sich in unserer Gesellschaft besser zurechtzufinden“, erläutert die Aidshilfe- Präventionsbeauftragte den Ansatz. „In unseren Workshops erleben wir häufig, dass sich tatsächliche oder vermeintliche kulturelle Schranken auflösen können, wenn die Teilnehmenden sich mit ihren Erfahrungen und Fragen ernstgenommen fühlen und Neues über ihre gesundheitlichen und sexuellen Rechte in Deutschland erfahren."

Der Umgang mit Sexualität in Deutschland, erzählten die Flüchtlinge mit arabischem und kurdischen Hintergrund, unterscheidet sich erheblich von dem, was sie aus ihren Herkunftsländern kennen. Außerhalb des Familienkreises sei das kein Thema, sagen die Teilnehmer. Als Gesprächspartner kämen für die jungen Männer bestenfalls der Vater, der größere Bruder oder auch mal der Onkel in Frage.

Einen offeneren Umgang mit dem Thema Sexualität hat es nur bei einem der Teilnehmer gegeben: Ein junger Syrer berichtet, früher habe es durchaus Informationen auch an Schulen gegeben. Wie es damit heute aussieht, weiß der Flüchtling nicht: Syrien, ehemals der praktisch einzige säkulare Staat in der Region, ist in Auflösung begriffen.

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