Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttinger Allianz im Kampf gegen Multiresistente Keime
Die Region Göttingen Göttinger Allianz im Kampf gegen Multiresistente Keime
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:41 06.11.2018
Gründung einer neuen Allianz gegen Multiresistente Erreger (MRE) für Südniedersachsen im Göttinger Hotel Freigeist. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

„Wir sind nicht die ersten, aber sicher nicht die letzten“, sagte Eckart Mayr, Leiter des Gesundheitsamts Göttingen, während der Gründungsveranstaltung des MRE-Netzwerks im Göttinger Hotel Freigeist. Die Zahlen von europaweit 670 000 Erkrankten und 33 Toten durch multiresistente Keime sprächen eine deutliche Sprache, so Mayr. „Früher sind Menschen mit der Angst vor Schmerzen ins Krankenhaus gegangen, heute haben sie Angst vor der Infektion mit resistenten Keimen.“

Das jetzt gegründete Netzwerk soll über möglichst viele medizinischen Einrichtungen der Landkreise Göttingen und Northeim hinweg gespannt werden. Zu Beginn aber waren vor allem die Krankenhäuser in Südniedersachsen aufgefordert, sich als Netzwerkpartner zu beteiligen. Zwanzig Häuser mit ihren etwa 4000 Betten hatten ihre leitenden Mediziner zur Gründungsveranstaltung entsandt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Altenheime, Ambulante Dienste, Rettungsdienste und auch niedergelassene Ärzte den Kreis deutlich erweitern. Das wäre allerdings in der Gründungsphase zu groß gewesen, so Mayr.

Strukturen der Gesundheitsregion nutzen

Beim Aufbau kann das MRE-Netzwerk auf die Strukturen der Gesundheitsregion Südniedersachsen zurückgreifen, in der ohnehin ein Großteil der Akteure bereits organisiert ist. In einem ersten Schritt soll bereits im Januar eine Arbeitsgruppe Regeln definieren und Themenschwerpunkte festlegen. Denn – und das zeigt die Erfahrung bereits bestehender MRE-Netzwerke in Niedersachsen – alle Themenfelder lassen sich nicht beackern. Es sei wichtig, realistische Ziele zu definieren, so Matthias Pulz, Präsident des Landesgesundheitsamts.

Es sei in seinen Augen sinnvoll, zu schauen, was sich in anderen Regionen bewährt habe, riet Pulz den Südniedersachsen. Dazu gehöre auch, dass der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) als verantwortliche Stelle fungieren und ein fester Ansprechpartner benannt werden müsse. Vielerorts habe sich zudem die Einführung eines Hygienesiegels als Anreiz bewährt. Außerdem gelte es regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Für Göttingen sei das sicherlich die enge Anbindung an die Wissenschaft, so Pulz.

Wissenschaftliche Unterstützung

Einen Vorgeschmack auf die Effektivität einer solchen Kooperation gab Oberarzt Martin Kaase, vom Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). So hilft die wissenschaftliche Betrachtung des Themas, um ihm die Emotionalität zu nehmen. Es gebe eine große Vielfalt an multiresistenten Keimen. Das Gros sei allerdings nicht aggressiver als sensible Bakterien. Ein Verlauf ohne Symptome komme daher auch bei MRE häufiger vor als eine Infektion, erklärte Kaase. Allen gemein sei aber die eingeschränkte Therapiemöglichkeit.

Und so wünscht sich Mayr als Ergebnisse der Netzwerkarbeit eine breite Streuung von Fachwissen, eine Verbesserung der Kommunikation und die Vermeidung von Überreaktionen. Bei all dem komme es auf die Mitarbeit der Partner an, denn Hilfe oder finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand werde es kaum geben. „MRE-Netzwerke sind gewünscht, aber eben nicht gefordert.“

Von Markus Scharf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Göttinger Verwaltungsgericht hat in seinem Urteil seine in der Verhandlung am Montag geäußerte Skepsis gegenüber der Absicht der Stadt, das Abwasserkanalnetz zu 100 Prozent abzudichten, bestätigt. Die Entsorgungsbetriebe seien nicht berechtigt, private Grundstückseigentümer zu entsprechenden Maßnahmen zu zwingen.

06.11.2018

Im November schließt die Stadthalle für zwei Jahre. Mitte kommenden Jahres beginnt die Sanierung des Otfried-Müller-Hauses, in dem das Junge Theater untergebracht ist. Und auch im Deutschen Theater besteht Handlungsbedarf.

09.11.2018

Die Sammlung von Silbergegenständen der jüdischen Familie Hahn aus Göttingen galt lange als verschollen. Jetzt ist eines der seltensten Stücke, der sogenannte Jakobsbecher, wieder aufgetaucht. Er wird am Mittwoch, 7. November, den Hahn-Nachfahren zurückgegeben.

09.11.2018