Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Film-Projekt führt Generationen zusammen
Die Region Göttingen Film-Projekt führt Generationen zusammen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:47 12.11.2018
Sören Weißenborn, Heinrich Gerstenberg und Marius Orth besprechen, wie sie eine Szene drehen wollen. Quelle: Peter Heller
Göttingen

 Im September startete das Projekt, das älteren Menschen das professionelle Filmen mit dem eigenen Smartphone näherbringen soll. „Ich beschäftige mich schon lange mit Filmen“, sagt Kulturwissenschaftler Cornelius Hantscher, der den Kurs leitet. Für das Leuchtturmprojekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) habe er deshalb den Antrag für diesen Filmkurs gestellt. Ein wenig sei er selbst überrascht gewesen, als das Projekt tatsächlich bewilligt wurde. Den Kurs, der ein Jahr für die Altenpflegeschüler dauert, fördert auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit 5000 Euro.

Arbeiten am Storyboard

Zunächst habe er die Grundlagen des Filmemachens mit rund 30 Schülern durchgenommen. Sieben von ihnen sind für das Projekt übriggeblieben, so Hantscher. Seit Oktober kommen sie nun jeweils freitags mit den Senioren zusammen. „Mir macht es Freude mit älteren Menschen zusammenzuarbeiten, die sich mit modernen Themen beschäftigen“, sagt Claudia Heitkamp, Altenpflegeschülerin im zweiten Jahr, über ihre Motivation.

Die Schüler zu begeistern, sei kein Problem gewesen, so Hantscher. Die Herausforderung sei es gewesen, ältere Teilnehmer zu finden. Er habe da ganz schön die Werbetrommel rühren müssen. Offensichtlich war für einige die Hürde für den Kurs zu hoch. „Es ist ja keine Smartphone-Schulung“, so Hantscher. Vier Senioren sind jetzt dabei. In kleinen Teams wurden schon Probeaufnahmen gemacht, unter anderem auf dem Wall. Jetzt arbeiten alle an den sogenannten Storyboards.

Mit jüngeren Menschen im Kontakt

Der 88-jährige Gerhard Jäschke plant zusammen mit den angehenden Altenpflegekräften Hammed Chehade und Margarita Pankov einen kurzen Film, in dem der Großvater ein Gespräch mit seinem noch ungeborenen Urenkelkind führt. Schöne Szenen, beispielsweise auf einem Spielplatz, haben sie sich schon ausgedacht. Nur keine Angst vorm Altern, ist eine der Botschaften, die sie mit ihrem Film rüberbringen wollen. Sehr viel sei das am Anfang gewesen, mit all den technischen und theoretischen Information. „Aber sehr gut erklärt“, so Jäschke, der sich freut, mit jüngeren Menschen in Kontakt zu sein – und darüber, dass er hier einen Film erstellen kann, der auch ein Dokument für seine Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder wird.

„Ich fotografiere gern“, erzählt Ralph Becker, 80 Jahre. Da habe es nahe gelegen, auch das Filmen einmal auszuprobieren. Und es gefalle ihm sehr, hier mit jungen Erwachsenen zu arbeiten. Sonst sei er ja doch fast nur mit alten Leuten zusammen. Auch er will in dem Kurzfilm Szenen aus seinem Leben zusammenstellen. Heitkamp bereitet mit ihren Senioren einen Film über das Sportabzeichen vor.

Zwölf Szenen, zwölf Gags

Bei den ersten Aufnahmen angelangt ist schon die Gruppe von Sören Weißenborn und Marius Orth. Zusammen mit Heinrich Gerstenberg, 74, wollen sie ein kleines Video über Übungen für Senioren drehen. „Ich nehm mal die Kleine“, witzelt Orth als er eine Übungspuppe erstmal aus dem Bild räumen muss. Die drei haben viel Spaß mit ihrem Projekt und das soll auch im Film rüberkommen. Zwölf Szenen werden es, immer mit einem kleinen Gag.

Sören Weißenborn, Marius Orth und Heinrich Gerstenberg (v.l.) beim Dreh mit dem Smartphone. Quelle: Peter Heller

Gerstenberg hat vor dem Kurs schon manchmal gefilmt. Was er lernt, begeistert ihn. „Jetzt sehe ich Sachen, an die ich vorher nicht mal gedacht habe.“ Orth und Weißenborn prüfen noch die Halterung für das Smartphone und die Ausrichtung des Mikrofons. Und dann laufen die ersten zwei Versuche. „Wie aufwendig das ist. Drei Stunden filmen und nachher kommen nur ein paar Minuten heraus“, sagen Orth und Gerstenberg seufzend.

Der Kurs bei Arbeit und Leben läuft noch bis August 2019. Mit Schnitttechnikschulung und der abschließenden Produktion geht es im neuen Jahr weiter. Und zum Abschluss werden alle Filme natürlich auch präsentiert.

Von Christiane Böhm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Förderverein für Palliativzentrum - Steigende Zahl an Palliativpatienten

Der Förderverein des Palliativzentrums an der UMG hat am Mittwoch sein Palliativessen veranstaltet. Besprochen wurde hierbei unter anderem die Erweiterung der Palliativ-Medizinischen-Versorgung.

11.11.2018
Göttingen Göttinger Bündnis für Gerechtigkeit - Wie ist die Situation in Palästina und Israel?

Mit einer Veranstaltungsreihe will das „Göttinger Bündnis für Gerechtigkeit in Israel und Palästina“ auf die Situation in Palästina und Israel aufmerksam machen.

09.11.2018
Göttingen Telefonseelsorge Göttingen - Verstärkung gesucht

Das Team der Telefonseelsorge soll erweitert werden. Gesucht werden ehrenamtliche Mitarbeiter zur Begleitung Ratsuchender am Telefon.

08.11.2018