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00:18 22.12.2012
Tatort 2006 in Kassel: Plakat zu den NSU-Morden. Quelle: dpa
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Göttingen

Alle drei bestätigen auf Tageblatt-Anfrage, von Staatsschutzbeamten schon Ende 2011 zwar aufgesucht und nach verdächtigen Beobachtungen befragt worden zu sein. Der Zusammenhang mit der NSU und deren ominöser Liste wurde ihnen aber jetzt erst im Zusammenhang mit Recherchen von Journalisten bekannt.

Was machen schwarze Göttinger Politiker im Visier rechtsextremistischer Terroristen? Fast 10 000 Namen und Institutionen wurden auf Listen und Landkarten gefunden, nachdem am 4. November 2011 in Zwickau die Wohnung der drei rechtsextremistischen Terroristen des nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in die Luft geflogen war. Darunter 584 Adressen aus Niedersachsen, 19 aus dem Bereich Göttingen.

Mit dabei Namen und Anschriften der drei CDU-Politiker Hartwig Fischer (Bundestag, Foto: rechts), Ilse Hansen (Mitte) und Harald Noack (damals im Landtag, Foto: links). Warum diese drei Politiker ins Visier des Terror-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gerieten, darüber kann nur spekuliert werden. „Vielleicht, weil ich mich nie mit meiner Meinung über Rechtsextremismus zurückgehalten habe“, sagt Noack.  Und Fischer: „Ich war Feindbild von Linksterroristen. Meine Abscheu gegen Rechtsterrorismus war genauso bekannt.“

Tageblatt-Recherche offenbart den Grund

Die Betroffenen, so betonte das Landeskriminalamt (LKA) in dieser Woche, seien von Beamten des Staatsschutzes informiert worden, dass sie auf der Liste potenzieller Anschlagziele standen. Tatsächlich erfuhren sie teils aber erst durch Tageblatt-Recherche den Grund, warum sie bereits vor einem Jahr von Polizeibeamten aufgesucht und nach möglichen Beobachtungen ausgefragt wurden. Von der NSU, so Noack und Hansen, sei nie die Rede gewesen. Fischer war vom BKA über Gefahr von Rechts informiert worden, kann sich den Zusammenhang mit der NSU aber erst jetzt erklären.

Es ging auch anders: Das Göttinger DKP-Büro, ebenfalls auf der Liste genannt, wurde über seinen Landes- und Bezirksverband in einem zweiseitigen Brief des LKA schon im November 2011 darüber aufgeklärt – also binnen Wochen nach dem Auffliegen der NSU. Der Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur hingegen, mit dem DKP-Ortsverband damals wie heute in einer Bürogemeinschaft, wurde bis heute nicht formal informiert, dass er auf der Liste steht.

Im Nachhinein besorgniserregend ist das Datum des Ausdrucks mit Namen und Adressen von neun Göttinger Zielen: 3. April 2006. Drei Tage später starb in einem Kasseler Internetcafé eines der zehn NSU-Opfer. „Das hätte auch hier sein können“, sagt ein Göttinger.

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