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Göttingen Göttinger Frauenhaus hofft auf Netzwerk
Die Region Göttingen Göttinger Frauenhaus hofft auf Netzwerk
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12:40 11.03.2018
Häusliche Gewalt zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Quelle: Oliver Thiele
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Göttingen/Osterode

Sechs Mitarbeiterinnen in Teilzeitstellen sind bei dem Verein Frauenhaus angestellt, erklärt Könecke. Im Jahr 2017 haben sie 89 Frauen und 82 Kinder betreut, mehrere hundert telefonisch oder im persönlichen Gespräch beraten. Im Schnitt seien die Unterkunftsplätze zu etwa 60 Prozent belegt – ein etwas irreführender Wert, sagt Könecke, denn häufig sei das Frauenhaus auch zu 100 Prozent belegt.

Mehr Platz hält Könecke dennoch nicht unbedingt für notwendig. Sie hält es für besser, wenn es mehr Häuser gebe. Denn wenn das Leben der Frauen bedroht sei, wenn sie nicht alleine einkaufen gehen könnte oder zur Verwaltung, sei es oft besser, sie aus der Region in andere Frauenhäuser zu vermitteln. Das Göttinger Frauenhaus kooperiere häufig mit vergleichbaren Einrichtungen in Nordhessen. 16 Häuser anzurufen, um bedrohte Frauen unterzubringen, sei keine Seltenheit. Doch gerade dieses Verlassen der gewohnten Umgebung empfinden viele Frauen als ungerecht, erklärt Könecke. Sie seien das Opfer von Gewalt und müssten wegziehen, die Täter aber dürften bleiben.

Schwierigkeiten bei geringer Belegung

Finanziert wird das Frauenhaus Göttingen von der Stadt Göttingen, den Landkreisen Göttingen und Northeim sowie dem Land Niedersachsen. Den größten Betrag mache dabei die Einzelfallfinanzierung aus.

Wichtig sei, dass Frauen, die im Frauenhaus unterkommen, Arbeitslosengeld II beantragen müssten, erklärt Könecke. Denn darüber würde auch der Aufenthalt bezahlt. Zwei Problem tauchten dabei auf: Einige Frauen seien nicht antragsberechtigt, weil sie beispielsweise über Vermögen verfügen. Und wenn Frauen nur ein oder zwei Wochen im Frauenhaus blieben, reiche die Zeit oft nicht, die Unterlagen für die Beantragung zu besorgen. Dann werde ihr Aufenthalt oft gar nicht bezahlt.

Nachdenken über Reduzierung der Stunden

Schwierigkeiten entstünden dem Frauenhaus auch bei einer geringen Belegung, sagt Könecke. Wegen der Einzelfall-Finanzierung, die dann ausbleibe, müssten sie schon mal über die Reduzierung der Arbeitsstunden nachdenken. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Richtlinie des Landes zur Finanzierung der Frauenhäuser werde alle fünf Jahre neu verhandelt.

Extra-Geld gebe es hingegen, wenn im Vorjahr der Anteil an Frauen mit Migrationshintergrund besonders hoch war. Im Jahr 2017 lag er in dem Göttinger Haus bei 72 Prozent. Doch Könecke wendet sich gegen Vorurteile. Solche Frauen seien nicht häufiger betroffen, es fehle ihnen lediglich an Familie oder Freundesnetzwerken, die sie im Falle von häuslicher Gewalt auffangen könnten. Allerdings sagt Könecke auch, dass es Jahre mit auffällig hohem Anteil betroffener Frauen aus Ländern wie Thailand mit deutschen Ehemännern gegeben habe. Sie erhielten erst nach drei Jahren Ehe eine eigene Aufenthaltsberechtigung. Vorher seien sie abhängig von ihrem deutschen Ehemann.

Leistungsvertrag im April gekündigt

In Osterode gab es bis Frühjahr 2017 ein Frauenhaus mit vier Plätzen. Doch der Leistungsvertrag zwischen dem Landkreis Göttingen und dem Trägerverein Frauen für Frauen sei Ende April gekündigt worden, erklärt Dagmar Widrat, vom Frauenhaus-Verein. Doch die Verhandlungen seien gerade wieder aufgenommen worden, sagt sie.

Das bestätigt auch Landkreissprecher Ulrich Lottmann. „Wir haben das Ziel, einen Vertrag abzuschließen.“ Allerdings müssten die Bedingungen die gleichen sein, zu denen ähnliche Vereinbarungen getroffen würden. Der Ausschuss für Personal, Organisationsentwicklung und Gleichstellung habe in seiner jüngsten Sitzung empfohlen, 20000 Euro für das Osteroder Frauenhaus zu bewilligen. Der Kreistag wird demnächst über die Finanzierung entscheiden.

Landtags-Grüne starten Kleine Anfrage

Nach einem NDR-Bericht über die Situation der Frauenhäuser im Land haben die Grünen im niedersächsischen Landtag eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die Abgeordneten fordern eine Stellungnahme zu dem Bericht, dem zufolge im vergangenen Jahr 2608 schutzsuchende Frauen von den Frauenhäusern aus Platzmangel abgewiesen werden mussten. Außerdem fragen die Grünen nach Maßnahmen, mit denen das Bundesland die Situation verbessern will.

In der Anfrage verweisen die Grünen auf eine Empfehlung des Europa-Parlaments, nach der Niedersachsen 795 Plätze in Frauenhäusern vorhalten müsse. Das seien 400 Plätze mehr als derzeit vorhanden. Deutschland habe die sogenannte „Istanbuler Konvention“ im vergangenen Jahr ratifiziert und sich zum Schutz der Frauen verpflichtet, hieß es.

Das niedersächsische Sozialministerium unterstrich auf epd-Anfrage, es sei wichtig, „dass jede Frau, die Schutz in einem Frauenhaus sucht, auch einen Platz bekommt“. Zwar könne es vorkommen, dass es in einem speziellen Frauenhaus keinen Platz mehr gebe. Doch dann müssten die betroffenen Frauen in ein anderes Haus vermittelt werden. Zudem sei es für die von häuslicher Gewalt bedrohten Frauen sicherer, nicht das Frauenhaus im selben Ort aufzusuchen.

Von Peter Krüger-Lenz/epd

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