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Göttingen Friedhof als Heimat für Wildbienen
Die Region Göttingen Friedhof als Heimat für Wildbienen
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00:28 15.04.2018
Jakob Grabow-Klucken, Wildbienenexperte des BUND, führt Interessierte über den Friedhof Junkerberg. Quelle: Scharf
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Göttingen

Auf den ersten Blick ist das Gelände für Insekten nur mäßig attraktiv. Kurzgeschorene Grasflächen, gepflegte Gräber, vereinzelt wildwachsende Pflanzen, einige säuberlich aufgeschichtete Erdhaufen. Bei genauerer Betrachtung aber erkennt der Experte auch die Vielfalt der Pflanzenwelt. Mehr als 500 Arten von Pflanzen bieten einen vielfältigen Lebensraum, erläutert BUND-Projektleiter Jakob Grabow-Klucken beim Rundgang über das 21 Hektar große Areal des Friedhofs Junkerberg.

Neue Lebensräume

Und tatsächlich entdecken die Besucher auch die ersten Wildbienen, die von den ersten warmen Tagen aus der Winterruhe erwacht sind. Der BUND hat es sich zum Ziel gesetzt, eben diesen gefährdeten Insekten neue Lebensräume zu erschließen. Im konkreten Fall entstehen am Junkerberg vier Modellgräber und eine 800 Quadratmeter große Wildblumenwiese. Damit ließen sich sicher nicht an anderer Stelle verlorene Lebensräume kompensieren. Aber es sei ein Anstoß, der eventuell Nachahmer finde, so Grabow-Klucken.

Dabei prallen das kulturell gewachsene ästhetische Empfinden der Friedhofsbesucher mit dem Interesse der Naturschützer aufeinander. Eine naturbelassene Wiese mit Wildblumen biete zunächst einmal ein ungewohntes Bild. „Es wirkt nicht mehr ordentlich“, sagt der Biologe Grabow-Klucken. Es ist deshalb Bestandteil des insgesamt auf drei Jahre angelegten Projekts, Überzeugungs- und Bildungsarbeit zu leisten. Nach dem Auftakt, bei dem die von der Friedhofsverwaltung vorbereiteten Flächen bepflanzt werden, bietet der BUND Seminare, Schulungen und Führungen an.

Die naturnahe Umgestaltung von Friedhöfen könne nach Einschätzung des BUND-Mitarbeiterin Sina Schröder auch einen ökonomischen Nutzen haben. Sie könnte auch öffentliches Geld sparen, weil sich für die Kommunen die Kosten der Instandhaltung verringerten. Gleichzeitig könnten Friedhöfe für Besucher attraktiver werden. Neben Göttingen beteiligen sich vorerst drei große Friedhöfe in Braunschweig, Hannover und Lüneburg an dem Projekt. Sie haben zusammen eine Fläche von rund 110 Hektar.

Bedeutende Rolle für das Stadtklima

Der BUND habe in der Stadtverwaltung mit dem Projekt offene Türen eingerannt, erklärt Stadtbaurat Thomas Dienberg. Artenschutz spiele in Göttingen eine große Rolle. Und der 1976 angelegte Friedhof am Junkerberg war von Beginn an nicht nur als Begräbnisstätte sondern auch als öffentliche Grünfläche konzipiert und eigne sich daher perfekt für das Projekt. Als solche spielte der Friedhof auch eine bedeutende Rolle für das Stadtklima.

Und so hat das Team von Fachdienstleiter Wolfgang Gieße bereits im Vorfeld die Vorbereitungen getroffen, die 800 Quadratmeter Fläche aufbereitet und für die vier Gräber die Pflanzen bereitgestellt. Abschließend greifen die Teilnehmer des Rundgangs selber zu Hacke und Schaufel und bepflanzen die Flächen mit heimischen Arten – ganz wildbienengerecht.

Der bienenfreundliche Garten

Wer auch im heimischen Garten oder auf dem Balkon den bedrohten Insekten einen Lebensraum bieten möchte, muss zwei Grundprinzipien beachten. Ein Blütenangebot ist attraktiv, wenn es über die gesamte Vegetationsperiode von Frühjahr bis Herbst besteht. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen keine gefüllten Blüten haben, die Insekten wenig oder gar keine Pollen und Nektar bieten. Wer dann noch auf die regelmäßige Rasenmäher-Fahrt und die Verwendung von Stickstoffdünger verzichtet, hat gute Chancen, bald Bienen und andere Sechsbeiner zu beherbergen.

Von Markus Scharf

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