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Göttingen Fußgängerzone zeitweise für Radfahrer öffnen?
Die Region Göttingen Fußgängerzone zeitweise für Radfahrer öffnen?
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00:32 26.04.2018
In Teilen der Fußgängerzone, wie der Jüdenstraße, ist schon jetzt das Radfahren erlaubt. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Im Radverkehrsentwicklungsplan (RVEP) der Stadt Göttingen geht es darum, wie der Stadtverkehr für Radfahrer verbessert und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz getan werden kann. Am Dienstag ist der Plan Thema in der Sitzung des Umweltausschusses: Die Ratsfraktionen von FDP und CDU fordern, dass die Fußgängerzone zeitweise für Radfahrer geöffnet wird. Ein Änderungsantrag von SPD und Grünen geht auf die Reihenfolge, in der die im RVEP festgehaltenen Maßnahmen an Radwegen vorgenommen werden, ein.

Der RVEP der Stadt Göttingen datiert vom August 2017 und erfährt derzeit einige Modifizierungen. Die größten Hindernisse für einen problemlosen Radverkehr im Stadtgebiet: die Verkehrsverhältnisse entlang der Bürgerstraße, die schwierige östliche Umfahrung der Innenstadt und der Radverkehr entlang der Groner Landstraße/Posthof/Kasseler Landstraße. In der Frage der Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer verweist der RVEP auf die Städte Trier, Kleve und Köln, die ihre Fußgängerzonen oder Teile davon außerhalb der Öffnungszeiten der Geschäfte für Radler geöffnet haben.

In zwei verschiedenen Anträgen fordern auch die Fraktionen von FDP und CDU, die Fußgängerzone zeitweise für den Radverkehr zu öffnen. In der Zeit von 19 bis 9 Uhr möchte die FDP laut Antrag Radfahrern hier freie Fahrt gewähren, die CDU spricht sich in ihrem Änderungsantrag für den Zeitraum von 22 bis 8 Uhr aus. „Die temporäre Freigabe der Fußgängerzone behebt den Mangel an Verbindungen von Radwegen in der Innenstadt“, heißt es in dem FDP-Antrag. Die Maßnahme gefährde nicht den „Charakter als Fußgängerzone“, weil sie „nur außerhalb der Geschäftszeiten“ gelte. Die CDU schlägt vor, die Freigabe für ein Jahr zu begrenzen und dann auszuwerten. Die Verwaltung lehnt die Anträge in ihrem Beschlussvorschlag ab.

Unterschiedliche Reaktionen auf Antrag zur Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer

Bei anderen Fraktionen und Initiativen lösen die Anträge unterschiedliche Reaktionen aus. Während Felicitas Oldenburg, Fraktionsvorsitzende der FDP, die zeitweise Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer als „längst überfällig“ bezeichnet, findet Udo Trost von der Göttinger Linken: „Fahrradverkehr in der Fußgängerzone, das passt nicht.“ Auch die SPD-Fraktion ist gegen die Öffnung: „Wir verstehen die Intension der Anträge, sind uns aber sicher, dass die Öffnung der Fußgängerzone für Fahrräder nicht der richtige Weg für Göttingen ist“, teilt die Fraktion mit. Durch die bauliche Enge und das Fußgängeraufkommen in der Fußgängerzone ergebe sich ein erhöhtes Konfliktpotenzial zwischen Fuß- und Radverkehr, sollte es zu einer Öffnung kommen.

Auch Frederike Breyer, Geschäftsführerin von Pro City, spricht sich gegen eine zeitweise Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer aus: „Die Innenstadt schließt ja nicht um 19 oder 22 Uhr“, sagt sie. Gerade jetzt bei besserem Wetter sei die Fußgängerzone auch am späten Abend und nachts oft noch belebt, unter anderem durch Außengastronomie. „Die Fußgänger sollen sich dort sicher bewegen können“, findet sie.

Ulrich Holefleisch von der Fraktion der Grünen sieht das differenzierter: „Wir werden einen Änderungsantrag zu dem Thema einbringen“, sagt er. Und zwar wollten sie als Fraktion ausschließlich die Ost-West-Verbindung von der Theaterstraße über den Nabel zur Prinzenstraße von 22 bis 11 Uhr für Radfahrer freigeben. „Da gibt es keine einfache, attraktive Verbindung“, argumentiert er. Für die Nord-Süd-Verbindung durch die Weender Straße hingegen gebe es zwei Alternativen durch die Jüdenstraße und die Gotmarstraße. Die Ratsgruppe aus Piraten und „Partei“ hingegen befürwortet die zeitweise Öffnung: Bereits jetzt werde in den Abend- und Nachtstunden in der Fußgängerzone Fahrrad gefahren. Göttingen sei mit dem Verbot rückständig: „In vielen deutschen Städten werden die Fußgängerzonen schon seit Jahren nachts für den Radverkehr freigegeben, mit guten Erfahrungen“, teilt Francisco Welter-Schultes von der Fraktion mit.

SPD und Grüne wollen Radweg-Maßnahmen anders priorisieren

Auch zum Änderungsantrag von SPD und Grünen zum RVEP sind die Meinungen unterschiedlich: „Die Prioritäten der Verwaltung sind gut überlegt und folgen Sicherheitsaspekten“, meint Oldenburg (FDP) und spricht sich daher gegen den Änderungsantrag von SPD und Grünen aus, die die Maßnahmen an Radwegen in eine andere Reihenfolge bringen wollen.

Katharina Schüle-Rennschuh aus der CDU-Fraktion ist grundsätzlich sowohl mit dem bisherigen Maßnahmenplan als auch mit den Änderungen von SPD und Grünen einverstanden, kritisiert am Änderungsantrag aber zwei Punkte: Die Sanierung des Randweges an der Kasseler Landstraße sei im Änderungsantrag von SPD/Grünen vom Groner Tor bis Gotteslager aufgeführt. „Der Radweg muss bis oberhalb der Shell Tankstelle ausgebaut werden“, findet die Politikerin. Zweiter Punkt sei die Alte Bahntrasse von der B3 in Ellershausen, welche im Antrag im Block erster Priorität steht. „Der Weg ist jetzt schon bis zur B3 asphaltiert“, sagt Schüle-Rennschuh. Der CDU-Fraktion sei es zwar auch wichtig, dass für einen Anschluss bis zur Mittelbergschule gesorgt werde, das sei aber nicht so dringend wie andere Radwege.

Die städtischen Planer wiederum schlagen für eine schnelle und sichere östlichen Umfahrung der Innenstadt die Verknüpfung einiger gut funktionierender Teilstrecken vor, für die eine Reihe von Problemstellen entschärft und andere Teilstrecken umgebaut werden müssen. Dann würde die Umfahrung nicht mehr über den Friedländer Weg führen, sondern über den Schildweg (wird zur Fahrradstraße), den Cheltenham-Park (erhält einen eigenen Radweg), den Albaniplatz (wird zur Fahrradstraße), die Bühlstraße (wird teils zur Fahrradstraße, teils zur Tempo-30-Zone) bis zum Anschluss an den Zweirichtungs-Radweg der Humboldtallee.

Von Hannah Scheiwe und Matthias Heinzel

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