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Göttingen Göttinger Gruppe: Anklage gegen zwei Vorstände
Die Region Göttingen Göttinger Gruppe: Anklage gegen zwei Vorstände
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19:52 29.09.2011
Ruine mit Symbolcharakter: Traurige Reste der nie fertiggestellten Konzernzentrale der Göttinger Gruppe auf der Siekhöhe. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Eine weitere Anklage gegen beide wegen gemeinschaftlicher und gewerbsmäßiger Untreue und des Kapitalanlagenbetrugs in mehreren Fällen ist bereits bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig anhängig.

Gestern teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Einzelheiten des zum Landgericht Göttingen angeklagten Verfahrens mit. Der 58-jährige Rinnewitz soll sich wegen fünf, die 51-jährige Götz wegen drei Untreuehandlungen sowie beide gemeinsam wegen Bankrotts in drei Fällen verantworten. Die in Braunschweig erhobene, aber noch nicht zugelassene Anklage betrifft eine von beiden verantwortete Tochtergesellschaft der Göttinger Gruppe mit Sitz in Braunschweig. Schließlich läuft dort gegen Rinnewitz noch ein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt.

Die Göttinger Gruppe und ihre Tochtergesellschften, darunter die Securenta AG, hatte im Juli 2008 Insolvenz angemeldet. In Wahrheit, so ermittelten die Staatsanwälte in mühevoller Arbeit, waren beide Kerngesellschaften schon Ende Dezember 2005 zahlungsunfähig. Spätestens Anfang 2006 sollen die Angeschuldigten das gewusst haben. Dennoch sollen sie ein Grundstück der Securenta veräußert und vom Kaufpreis 200 000 Euro für eine schwarze Kasse abgezweigt haben, aus der sie sich und andere privat bedienten.

In einem weiteren Punkt geht es um ein damals innovatives Handy, dessen Patent der Vorstand entgegen kaufmännischer Sorgfalt gekauft haben soll, ohne die Finanzausstattung (zwölf Millionen Euro) dafür zu haben, das Patent verwerten zu können. Das Geld ist verloren – ein Fall von Untreue.

Weitere Punkte der 171-seitigen Anklageschrift beziehen sich auf die Insolvenzanmeldung: Entgegen ihren Pflichten sollen sie die Beteiligung an einer schweizer Firma im Wert von 5,5 Millionen Euro sowie Zinsforderungen von 77 600 Euro vor Insolvenzverwalter und Gericht verheimlicht haben. Ebenso sei eine stille Beteiligung einer der GG-Töchter an einem weiteren Unternehmen in Höhe von 495 000 Euro verschwiegen worden.

Dass die Angeklagten in den letzten Jahren private Kosten aus der Firmenkasse beglichen, dokumentiert sich in den Anklagepunkten sechs und sieben: So soll Rinnewitz ab 2004 Arzthonorare über 162 400 Euro durch eine der Firmen bezahlt haben. Beiden wird überdies zur Last gelegt, in einer Vielzahl von Fällen mit Kreditkarten der Firma Geld abgehoben und private Schulden beglichen zu haben. Er soll dadurch 62 000 Euro, sie 8000 Euro erschwindelt haben.

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