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Göttingen Göttinger Schüler messen in der Höhe
Die Region Göttingen Göttinger Schüler messen in der Höhe
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15:36 20.06.2017
Quelle: PH
Göttingen

„Die dünne Ozonschicht, die Sonnenbrille der Erde, hält vor allem das krebserregende UV-Licht des Unterbereichs C von der Erdoberfläche fern“, erläutert Jonathan Bollig vom fünfköpfigen Schülerteam. Die Elftklässler ermittelten die Werte an UV-A, -B und -C. Mit ihrem Projekt nehmen sie am Sattec-Wettbewerb teilnehmen, den die Physikdidaktik der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität ausrichtet. Thema: Erforschung der Atmosphäre.

„Wir wollen herausfinden, wie sich die Werte mit steigender Höhe verändern und ob es Unterschiede zu älteren Messdaten des Deutschen Wetterdienstes gibt“, erklärt Bollig die Fragestellung. Während der Ballon mit fünf Metern pro Sekunde in die Höhe schoss, erhoben die Schüler sekündlich Daten. In 30 Kilometern Höhe war dann bei einer Außentemperatur von minus 60 Grad Celsius Schluss. Der Ballon, der auf der Erde einen Durchmesser von anderthalb Metern hatte, dehnte sich mit sinkendem Druck immer weiter aus. Am Ende platzte er.

„Die Box mit der Messtechnik stürzte herab, daraufhin öffnete sich ein Fallschirm“, beschreibt Lukas Teuteberg, was dann passierte. Während des halbstündigen Sinkflugs trieb der Fallschirm Richtung Thüringen ab. Die Box landete im Raum Bleicherode. Die Schüler fuhren mit dem Auto hin. Ein GPS-Tracker in der Messbox ermöglichte die Ortung.

„Einige 1000 Euro ist die Technik wert“, sagt Teuteberg. Am meisten Geld hat das Spektrometer für die UV-Messungen gekostet. Die Firma Ocean Optics stellte sie den Schülern zur Verfügung. Eigentlich wollten die jungen Forscher auch die Ozon-Werte ermitteln. Doch sie fanden niemanden, der ihnen ein entsprechendes Geräte sponserte. „Das Projekt war ihnen wohl zu klein“, vermutet Schüler David Köhn. Mit an Bord war aber noch eine Kamera, um Videoaufnahmen zu machen. „Die Aussicht in der Stratosphäre ist spektakulär“, meint FKG-Physiklehrer Martin-Ernst Kraus, der die Gruppe betreut.

Zwei Tage haben die Gymnasiasten nun für die Auswertung der Daten Zeit. Darum kümmern sich vor allem Bollig und Silas Kömen. Sie haben damit bereits Erfahrung. Beide nahmen bereits am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Zum Beginn der Sommerferien will die Schülergruppe ihr Projekt abgeschlossen haben.

Sechs Monate lang haben die Gymnasiasten den Messflug vorbereitet. Im Physik-Unterricht von Kraus hatten sie von dem Wettbewerb erfahren. Gemeinsam mit Emanuel von Cramon (OHG) bewarben sie sich um die Teilnahme. Mit neun anderen Teams aus Deutschland wurden sie zugelassen.

„Wir bekamen den Ballon, eine Box mit Technik und einen Fallschirm von Sattec gestellt“, berichtet Schüler Teuteberg. Zu verschiedenen Firmen nahmen sie Kontakt auf, um Unterstützung zu bekommen. „So etwas hatte ich bisher nur einmal gemacht“, sagt Teuteberg. Für eine Facharbeit habe er einmal mit einer Waage von Sartorius experimentiert. Technische und finanzielle Hilfe gewährte die Göttinger Firma Abacus Laser. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik stellte das Helium zur Verfügung. An den verbleibenden Kosten beteiligte sich der Förderverein des FKG.

Um der Gruppe sachkundig zur Seite stehen zu können, absolvierte Lehrer Kraus eine dreitägige Fortbildung in München. „Die Universität will den Kontakt zu uns Lehrern halten, damit wir zukünftige Schülerteams zum Mitmachen motivieren“, erklärt Kraus.

Ballons, Raketen, Roboter

„Dass Schüler mit Hilfe eines Wetterballons in 30 Kilometern Höhe Messungen durchführen, ist ungewöhnlich“, meint Physiklehrer Martin Kraus vom Felix-Klein-Gymnasium. Mit „attraktiven Projekten“ wie diesen versuchten Universitäten Schüler für ein Physikstudium zu gewinnen, im Fall des Sattec-Wettbewerbs die Münchner Ludwig-Maximilian-Universität.

„An den Schulen stehen die naturwissenschaftlichen Fächer unter Druck“, sagt Kraus. Neue Fächer seien im Stundenplan zu berücksichtigen. Da dieser nur 32 Wochenstunden habe, gehe das zu Lasten bestehender Fächer. So sei in den vergangenen Jahren am FKG die Zahl der Physikstunden auf heute neun Wochenstunden für den Zeitraum von der fünften bis zehnten Klasse gesunken.

„Negativ auf die naturwissenschaftlichen Fächer hat sich auch das Abitur nach acht Sekundarstufenschuljahren ausgewirkt“, erklärt der Lehrer. Aufgrund der Komprimierung des Schulstoffs sei bei Schülern die Bereitschaft gesunken, noch an Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen. „Gerade dort bieten wir Projekte an, die das Interesse der Schüler an Naturwissenschaften vertiefen könnten“, sagt der Lehrer. Er begrüße daher die Rückkehr des G9-Abiturs.

„Ähnlich spektakulär sind die Raketenversuche, die die Schüler-Ingenieur-Akademie anbietet“, berichtet Kraus. Auch dort müssten die jungen Forscher eine Flugerlaubnis einholen. In Göttingen fänden zudem regelmäßig Roboter-Wettbewerbe statt. Zudem gebe es den Solarcup, bei dem Schüler sonnenbetriebene Fahrzeuge konstruierten.

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