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Göttingen Göttinger Schüler lernen bei Violinist Albrecht Menzel
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01:18 01.12.2018
Extra-Musikstunde im MiniMax des Max-Planck-Gymnasiums mit dem Geiger Albrecht Menzel. Quelle: Schäfer Quelle: Schäfer
Göttingen

Gut 50 Schülerinnen und Schüler aus den 5. und 7. Klassen sind in die Aula der MPG-Außenstelle „MiniMax“ am Albanikirchhof gekommen, um den 26-jährigen Musiker zu erleben und ihm Fragen zu stellen. Menzel, Preisträger etlicher Wettbewerbe und in den kommenden Tage Solist in drei Konzerten des Göttinger Symphonie-Orchesters, dreht zu Beginn den Spieß um: Er sei zum ersten Mal in Göttingen, erzählt er, und bittet um Tipps, was er denn in Göttingen ansehen müsse. „Den Weihnachtsmarkt“, ist die erste Schüler-Antwort, gefolgt von Gänseliesel und Cheltenhampark. Er könne auch ein Eis essen oder ins Kino gehen: „Da laufen ein paar coole Filme!“

Auf Menzels Frage, wer von den Schülerinnen und Schüler denn ein Instrument spiele, hebt sich geradezu ein Wald von ausgestreckten Fingern: Klavier ist der Renner, auch Gitarre, Geige, Flöte, Keyboard und Schlagzeug. Ein recht fachkundiges Publikum also für das, was Menzel anschließend musikalisch auf seiner Geige bietet, nämlich Ausschnitte aus dem Violinkonzert von Robert Schumann („traumschön!“). Bevor er damit startet, erläutert er den Aufbau seines Instruments mit Decke, Boden und Zarge, den Saiten, dem Steg und dem Kinnhalter, „wo ich es mir selber gemütlich machen kann“.

Dieses Instrument, Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben, ist eine 1709 gebaute Stradivari, rund zweieinhalb Millionen Euro wert. Darauf spielt Menzel zunächst ein Stück aus dem langsamen Satz des Schumann-Konzerts und erzählt: „Wenn ich Musik spiele, denke ich mir eine kleine Geschichte dazu aus.“ Bevor er mit einem Ausschnitt aus dem Konzert-Finale beginnt, fragt er seine Hörer: „Was wäre denn eure Geschichte dazu? Vielleicht eine schöne Landschaft? Oder ein Tänzer? Ein Motorradfahrer?“ Bereitwillig gehen die Schülerinnen und Schüler auf diese Anregung ein, die Antworten sprudeln anschließend nur so: Von immer größer werdenden Wellen ist da die Rede, von einer Fliege, die am Ende gefangen wird, von einem „Schmetterling, der so rumgeflogen ist“ oder von einem Kind, das in einer Arbeit eine Eins geschrieben hat. Für die kleine Passage aus dem ersten Satz des Konzerts hat Menzel selbst ein Bild entworfen: ein Fest an einem alten Königshof mit festlich gekleideten Gästen und einem Harlekin, der die Menge belustigt.

Schüler befragen den Musiker

Und wieder ist es Menzel, der von seinem Publikum etwas wissen will. „Wie viele von euch waren schon mal in einem klassischen Konzert?“ Gut 15 Finger recken sich in die Höhe. „Und welche Musik hört Ihr am liebsten?“ Da ist die Spannweite der Antworten besonders groß. Aktuelle Hits, Rockmusik, alte türkische Lieder, noch einmal „Rock oder Punk“, dazu die besonders detaillierte Auskunft: „Wenn ich Klavier spiele, am liebsten ,Maria durch den Dornwald ging‘.“

Es bleibt noch Zeit für eine Zugabe von Eugène Ysaÿe („ein superschweres Stück“) und eine ausführliche Fragerunde der Schülerinnen und Schüler. Eine kleine Auswahl: „Wie lange spielen Sie schon?“ „Ich habe mit vier Jahren angefangen.“ – „Haben Sie schon mal komponiert?“ „Ja, ich habe sogar einen kleinen Ordner mit eigenen Kompositionen. Aber ich improvisiere lieber.“ – „Was machen Sie, wenn Sie sich verspielen?“ „Ich mache einfach weiter.“ – „Haben Sie ein bestimmtes Glücksritual, bevor Sie auftreten?“ „Nein, nicht direkt. Ich stimme vorher die Geige, spiele mich ein bisschen ein, um mich aufzuwärmen. Mehr nicht.“ – „Was ist Ihr Lieblingslied?“ „Im Augenblick das Schumann-Violinkonzert.“ – „Wie viele Konzerte haben Sie in Ihrem Leben schon gegeben?“ „Im Jahr etwa 50, bisher zusammen vielleicht 800 bis 1000.“ – „Was ist, wenn Ihre Geige kaputt geht?“ „Das wäre sehr schlimm.“

MPG-Musiklehrer Klaus Martin Fischer und Alice Heiliger vom Projekt „Rhapsody in School“ bedanken sich bei Menzel für diese außergewöhnlich lebendige Extra-Musikstunde, bevor der Violinist zum Schluss Autogramme gibt. Die Schlange der Wartenden reicht einmal quer durch die Aula.

Menzel spielt Konzert mit GSO

Albrecht Menzel ist Solist im Sonderkonzert „Romantisch“ des Göttinger Symphonie-Orchesters, bei dem neben dem Violinkonzert von Schumann Werke von Weber und Mozart auf dem Programm stehen. Anlass des Konzerts ist die 40-jährige Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und Thorn. Gastdirigent ist Mariusz Smolij, künstlerischer Leiter des Thorner Symphonie-Orchesters. Das Konzert ist dreimal zu hören: am Donnerstag, 29. November, um 20 Uhr in der Stadthalle Osterode, am Freitag, 30. November, um 19.45 Uhr in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz in Göttingen (Werkeinführung 19 Uhr) und am Sonntag, 2. Dezember, um 20 Uhr im PS.Speicher in Einbeck. Karten unter anderem beim GT-Ticketservice und online unter www.gso-online.de.

Von Michael Schäfer

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