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Göttingen Göttinger THW-Helfer leitet Trinkwassereinsatz in Mosambik
Die Region Göttingen Göttinger THW-Helfer leitet Trinkwassereinsatz in Mosambik
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12:11 12.04.2019
Der Göttinger THW-Helfer Jens-Olaf Knapp bei der Wasserausgabe in Mosambik. Quelle: THW/Jens-Olaf Knapp
Göttingen

Mit dem ersten Hilfsteam aus Europa ist Jens-Olaf Knapp nach Nhangau in Mosambik gekommen. Zwei Wochen lang war er als Einsatzleiter des Technischen Hilfswerks (THW) im Kastrophengebiet in der Region Beira, um dort eine Trinkwasser- und Sanitärversorgung aufzubauen.

„Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen“

Die spektakulären Bilder aus dem nach Zyklon „Idai“ überschwemmten Mosambik sind um die Welt gegangen, die „schleichende Katastrophe“ durch Mangel an sauberem Trinkwasser, Cholera und Ernteausfälle droht in Vergessenheit zu geraten. Zu denen, die gegen die Folgen des verheerenden Zyklons angehen, gehört Jens-Olaf Knapp. Der 50-Jährige wohnt in Goslar, ist aber im THW-Ortsverband Göttingen aktiv, der über eine Trinkwasser-Fachgruppe verfügt. Die Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) des THW wurde vor 15 Jahren vom Bundesinnenministerium aus der Taufe gehoben. Seitdem haben die Einsatzkräfte nach Erdbeben, Überflutungen oder Wirbelstürmen unter anderem in Nepal, auf den Philippinen, in China, Haiti oder auf dem Balken Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht. Knapp ist vor zwölf Jahren als Logistiker in die auch als „Water People“ bekannte schnelle Einsatztruppe „hineingerutscht“, hatte 2007 seinen ersten SEEWA-Einsatz in Uganda und immer stärkeres Interesse am „Trinkwasser als Lebensmittel Nummer Eins“ entwickelt: „Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen.“

Hilfseinsatz des Technischen Hilfswerks nach Zyklon in Mosambik

Auch manche Eindrücke, die Knapp bei Einsätzen von Haiti über Äthiopien bis zu den Philippinen gesammelt hat, lassen ihn nicht mehr los. „Die erste Wasserausgabe, umringt von Menschen, ist immer wieder ein sehr emotionaler und beeindruckender Moment“, sagt der selbstständige IT-Projektmanager. Das war in Mosambik nicht anders. Knapps Team hatte seine Zelte direkt neben einem Schulgelände aufgeschlagen, war stets von Kindern umgeben. Der THW-Helfer war einer der ersten vor Ort, Beira zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Landweg zu erreichen: „Der Flughafen wurde schnell zu einem Nadelöhr für die eintreffende Hilfe, die Einfuhr von 15 Tonnen Ausrüstung aus Deutschland zu einer Herausforderung.“ Nhangau ist eine Gemeinde mit fünf Ortschaften und etwa 12 000 Einwohnern 20 Kilometer außerhalb der Provinzhauptstadt Beira.

Schneller Einsatz erfordert Organisationstalent

Für sein Engagement muss Knapp Privatleben und Beruf schnell umorganisieren können. Den Mosambik-Einsatzauftrag hat er abends bekommen, am nächsten Morgen war er schon auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, über Lissabon und Mabuto ging es nach Beira, auf dem Rückflug über Addis Abeba. Das Gros der Einsatzkräfte fliege mit Linienmaschinen, berichtet er. Für die schwere Ausrüstung chartere das THW Frachtflugzeuge. Bei den SEEWA-Einsätzen spiele auch die Sicherheitslage eine Rolle, die einigermaßen stabil sein müsse: „Konflikt- und Bürgerkriegsregionen werden berücksichtigt.“

Anders als ein Angestellter wird Knapp für die Einsätze nicht freigestellt, bekommt aber laufende Kosten gedeckt. Geld spiele für ihn dabei allerdings keine Rolle, sagt der THW-Helfer. Die Motivation, Menschen in Notlagen zu helfen, stehe obenan. „Man muss sich auf den Einsatz konzentrieren, darf keine anderen Dinge im Kopf haben.“ Die Situation direkt nach einer Katastrophe sei turbulent, die erste Phase des Hilfseinsatzes sehr kräftezehrend. Darum sei die Einsatzdauer für die Helfer auf zwei Wochen beschränkt, später dann auf maximal vier Wochen.

Kampf gegen die Cholera

„Die Koordinierung der Hilfe ist in der ersten Phase ein wesentlicher Faktor“, sagt der Einsatzleiter: „Mit unseren beiden Anlagen können wir täglich bis zu 200 000 Liter Trinkwasser produzieren.“ In der Region um Beira seien zahlreiche Fälle von Cholera bestätigt worden. Im Anschluss an die Trinkwasseraufbereitung wurden in Nhangau Wasserproben analysiert, Brunnen repariert, gereinigt und desinfiziert sowie Latrinen instandgesetzt, um die Versorgungslage zu stabilisieren und nachhaltig zu verbessern. Es werde lange dauern und weiterer internationaler Hilfe benötigen, bis Mosambik die Folgen der Krise bewältigt habe: „Der Zyklon hat zerstörte Häuser, unterbrochene Strom- und Wasserversorgung, beschädigte Straßen und vernichtete Ernten hinterlassen.“

Von Kuno Mahnkopf

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