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Göttingen Trittin fordert Bund zum Handeln auf
Die Region Göttingen Trittin fordert Bund zum Handeln auf
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13:43 09.01.2019
Mahmoud Abdel Aziz Quelle: r
Göttingen/Kairo

Nach der Festnahme eines 23-jährigen Göttingers in Ägypten fordert der Göttinger Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin den Bund zum Handeln auf. Die Bundesregierung müsse „alles tun, um die Freilassung von Mahmoud Abdel Aziz zu erreichen“.

Die Verhaftung und das dreiwöchige Verschwindenlassen des 23-Jährigen sei „nichts anderes als eine staatlich organisierte Entführung“, erklärt Trittin. „Wenn nun auf Druck des Auswärtigen Amtes die Ägypter endlich zugeben, ihn in Gewahrsam zu haben, ist das ein spätes Geständnis“, das aber die Sorgen nicht mindere: Trittin verweist auf das Schicksal eines italienischen Staatsbürger, der Tage nach seiner Festnahme in Ägypten mit Folterspuren tot am Straßenrand gefunden wurde.

Reisewarnung

Die Instrumente für einen erhöhten Druck auf die ägyptische Regierung „liegen auf der Hand“, betont Trittin. „Union und SPD haben trotz anderslautendem Koalitionsvertrag zum Jemenkrieg millionenschwere Waffenexporte an Ägypten genehmigt. Aber solange Ägypten Deutsche entführt und inhaftiert, dürfen diese auf keinen Fall ausgeliefert werden. Deutschland darf nicht für ein halbe Milliarde eine Fregatte liefern, während ein Göttinger inhaftiert oder gar gefoltert wird.“

Darüber hinaus fordert Trittin eine Reisewarnung zu Ägypten, „dass auch deutsche Staatsbürger vor Inhaftierung und willkürlicher Behandlung durch die Sicherheitsorgane Ägyptens nicht sicher sind“. Schließlich sei der Tourismus „eine der wichtigsten Säulen der ägyptischen Wirtschaft“.

Nur Festnahme bestätigt

In Fällen einer doppelten Staatsbürgerschaft wie hier behandelt Ägypten Personen als eigene Staatsbürger, was die Einflussmöglichkeiten des jeweils anderen Staates begrenzt. Mahmoud Abdel Aziz, Sohn einer deutschen Mutter und eines ägyptischen Vaters, war am 27. Dezember am Internationalen Flughafen von Kairo offenbar ohne Angabe von Gründen festgenommen worden, während sein Bruder die Grenzkontrolle unbehelligt passieren konnte. Bislang bestätigte die ägyptische Regierung nur die Festnahme, über die Gründe wurde nichts bekannt. Auch eine Tageblatt-Anfrage an die Ägyptische Botschaft in Berlin am Montag blieb bislang unbeantwortet.

Der 23-jährige Göttinger und sein ein Jahr älterer Bruder studieren an der Universität von Medina Islamwissenschaften. Von Medina aus waren beide nach Ägypten geflogen, um ihre Großeltern zu besuchen. Mutmaßungen, sein Bruder könne der radikalislamischen Muslimbruderschaft angehören und sei möglicherweise deshalb festgenommen worden, wies der 24-Jährige zurück.

Gegen liberalen Islam

Die Universität von Medina gilt als theologisch erzkonservativ und salafistisch orientiert. Sie steht unter der Aufsicht des saudischen Bildungsministeriums und verfolgt die Ausbreitung der wahhabitschen Lehre des Islam. Die Wahhabiten streben eine strikt am Islam orientierte Gesellschaft an und lehnen jegliche liberale Auffassungen ihrer Religion ab.

Von Matthias Heinzel

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