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Göttingen Göttinger rettet „Schöne Else“ vorm Aussterben
Die Region Göttingen Göttinger rettet „Schöne Else“ vorm Aussterben
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19:33 28.10.2010
Zeigt ein besonders prächtiges Exemplar in Bovenden: der Göttinger Elsbeeren-Experte Wedig Kausch-Blecken von Schmeling. Quelle: dpa

Die zum Baum des Jahres 2011 gekürte, auch Schöne Else genannte Elsbeere war 1975 in Deutschland so gut wie ausgestorben. „Da half nur unglaubliche Penetranz, den raren Waldfruchtbaum wieder in die Wälder und das Bewusstsein der Forstbehörden zu bringen. Vor allem mussten wir das Rätsel um seine Vermehrung lösen“, berichtet der Pionier der Elsbeer-Nachzucht und frühere Dekan an der Fachhochschule Hildesheim-Holzminden-Göttingen, Prof. Wedig Kausch-Blecken von Schmeling.

Die Ehrung für die Elsbeere sieht er als Lohn für seine jahrzehntelangen Forschungsarbeiten. „Am Anfang gabs nur Pannen“, erinnerte sich der Wissenschaftler. „Von hundert Samen, die wir hatten, ging einer auf. Wir experimentierten und forschten und fanden schließlich mit Hilfe der niedersächsischen und hessischen forstlichen Versuchsanstalten heraus, dass die Saat des wärmeliebenden zu den Rosengewächsen gehörenden Baumes mehrere Monate bei bestimmten tiefen Temperaturen nasskalt liegen musste.“ Erst dann war sie keimfähig. „Vorher hatten wir 99 Prozent Verlust.“

Erst als die Anzuchttechnik erprobt war, konnte es losgehen. Zusammen mit dem Forstdirektor Otto Beck aus Reinhausen sei er vor 35 Jahren durch halb Europa gereist, um von den prächtigsten Elsbeeren Früchte zu bekommen. Jetzt ziehen wenige spezialisierte Baumschulen aus 100 Samen 40 Bäume. Die Initiative aus Göttingen habe europaweit zur millionenfachen Vermehrung des Baumes geführt. Heute stünden allein in deutschen Wäldern wieder eine halbe Million junge Elsbeeren. Einzelne ragten schon rund 15 Meter in die Höhe. Die größte Elsbeere der Welt sei 35 Meter hoch und stehe in Groß Lengden an der Nordflanke des Hengstberges. „Das ist allerdings einer der wenigen Altbäume aus der Zeit vor unserer Vermehrungskampagne“, sagte Kausch, der früher auch Forstamtsleiter in Bovenden war. Sie sei eine der stärksten Exemplare. Manche glaubten, sie sei nur deswegen stehen geblieben, weil sie so schraubig gedreht und beulig sei, dass man sie nicht verkaufen konnte.

Das Holz des weiß blühenden Baumes ist sehr hart, rötlich bis rot und schwerer als Eiche. Es ist das teuerste, das zu haben ist. Bis zu 15 000 Euro wurden schon für einen Kubikmeter bezahlt. Als Klangholz wird die Elsbeere von Musikinstrumentenbauern sehr geschätzt. Harfen, Flöten und der Dudelsack sind häufig aus dem Holz gefertigt. Elsbeer-Furniere – meist Importe aus Frankreich – zieren heute Sitzungsräume des Bundestages in Berlin, Abfertigungshallen der Flughäfen Hannover und Hamburg oder den großen Konferenztisch der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Kausch glaubt, dass der Baum nach dem Kälteeinbruch um 1600 von der Kühle liebenden Buche zurückgedrängt wurde. Die intensive Forstwirtschaft mit ihrem geschlossenen lichtarmen Wald biete der Elsbeere schlechte Existenzmöglichkeiten. Ohne ständige Förderung könne sie sich alleine kaum in Mischwäldern halten. Frei stehende Baumgruppen oder Waldränder seien geeignete Standorte. Der Forscher hofft jetzt, nachdem der Baum auf mehr Interesse gestoßen ist, auf die Kommunen: „Die Elsbeere ist einer der schönsten Bäume, wird 200 Jahre alt, ziert jeden Kindergarten, jede Schule und jeden Park, und wenn sie genug Licht bekommt, passt sie auch in jedes Industriegebiet.“

Martin Luther kannte den Baum noch, denn er bat 1526 von Wittenberg aus seinen Freund Agricola in Eisleben, er solle ihm Elsbeerfrüchte schicken. Seine Frau brauche sie „wider den weichen Leib und Magen“. „Heute ernten nur die Österreicher die Früchte. Sie machen daraus keine Medizin, sondern bringen sie in die Edelbranddestillen.“ Die Preise des Schnapses liegen laut Internet zwischen 400 und 900 Euro pro Liter.

dpa

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