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Göttingen Chorgesang in Gebärdensprache
Die Region Göttingen Chorgesang in Gebärdensprache
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13:18 08.09.2017
Quelle: Daniel Schmidt
Göttingen

„Viele Hörgeschädigte tragen heute ein Cochlear-Implantat, mit dem selbst taub geborene Menschen das Hören erlernen können“, berichtet der Hamburger Priester und Gebärdendolmetscher Wolfgang Paetsch. Er betreut seit 1987 Betroffene und ist seit 2011 Vorsteher der Hörgeschädigten-Gemeinde. Aufgrund der besseren medizinischen Versorgung, so Paetsch, nehme die Zahl der Menschen, die die speziellen Angebote seiner Kirche nutzten, ab. Seine Glaubensgemeinschaft veranstalte daher nur noch alle zwei Jahre ein Treffen für Hörgeschädigte des deutschsprachigen Raums. Die gebe es seit 1999.

Hoher Altersdurchschnitt

„Damit die Betroffenen trotzdem zusammenkommen können, bieten wir in diesem Jahr erstmals ein Treffen nur für den nordostdeutschen Raum an“, berichtet der Priester. Fast alle Teilnehmer seien älter als 55 Jahre. Die ältesten Hörgeschädigten könnten nicht mehr reisen. „Sie erhalten monatlich Besuch von Seelsorgern unserer Kirche, die mit ihnen in Gebärdensprache Abendmahl feiern“, berichtet die Göttingerin Anja Klimmek-Ziligen. In der Region Göttingen übernähmen zwei Ehrenamtliche diese Aufgabe.

„In einigen neuapostolischen Gemeinden, etwa in Uetze und Burgdorf, wird jeder Gottesdienst in Gebärdensprache übersetzt“, berichtet Klimmek-Ziligen. Ansonsten böten sie in einer größeren Region jeweils einen Gottesdienst im Monat mit Unterstützung eines Gebärdendolmetschers an. „Dabei müssen Betroffene oft weite Wege zurückzulegen“, weiß Paetsch.

Komplizierte Sachverhalte lassen sich in Gebärdensprache nicht ausdrücken. „Die Sprache muss so einfach und klar wie in einem Kindergottesdienst sein“, betont Paetsch. Komplizierte, verschachtelte Sätze seien tabu.

„Eindrucksvolles Erlebnis“

Eine besondere Herausforderung stellt der Chorgesang dar, der in neuapostolischen Gottesdiensten eine wichtige Rolle spielt. „In Göttingen wird ein Gebärdenchor auftreten, dessen Mitglieder Gebärden zum Text machen“, kündigt Klimmek-Ziligen an. Wenn dann noch der Rest der Gemeinde singe und der Organist die Orgel spiele, verspreche das ein „eindrucksvolles Erlebnis“.

Die neuapostolische Kirche ist eine christliche Religionsgemeinschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland entstanden ist. Die Gemeinde in Göttingen existiert seit 1906.

Von Michael Caspar

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