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Göttingen Wenn die Infuenza zuschlägt
Die Region Göttingen Wenn die Infuenza zuschlägt
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07:26 13.03.2018
Wenn die Infl uenza erst einmal da ist, dann hilft nur Bettruhe. Quelle: r
Göttingen

In den meisten Fällen verschwinden die Symptome innerhalb weniger Tage von selbst. Zum Teil auch unterstützt von traditionellen Maßnahmen wie viel trinken, Inhalieren oder „Hühnersuppe“. Klinische Studien haben damit keine Erfolge erzielt, aber auch keine negativen Aspekte berichtet. Klar, wenn es Linderung vermittelt, kann man das sicher machen.

Eine Therapie mit Antibiotika macht keinen Sinn und schadet. Ursache der „Erkältung“ sind zahlreiche Viren (wie RS-Viren, Adenoviren, Metapneumoviren) für die es keine virustatischen Mittel gibt, das bedeutet, es gibt keinen Stoff, der die Vermehrung der Viren hemmt.

Das Landesgesundheitsamt (NLGA) in Hannover ermittelt ganzjährig in etwa 50 niedergelassenen Praxen in Niedersachsen eine umfangreiche

virologische Diagnostik von Patienten mit „Erkältung“ und Lungenerkrankungen, um den Verlauf von Virusepidemien zu analysieren und Maßnahmen zu ergreifen.

Die Alarmglocke läutet vor allem dann, wenn Influenzaviren gefunden werden, wie jetzt seit Jahresbeginn. Die Influenza kann zu einer bedrohlichen Erkrankung führen, anders als bei anderen Viren.

In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird die epidemiologische Situation in Deutschland und international genau beobachtet. Im Labor der Medizinischen Mikrobiologie können durch aufwendige molekulargenetische Untersuchungen Influenzaviren erkannt und weiter typisiert werden. Falls die klinische Situation auffällig ist, werden die Virusmaterialien an das NLGA versenden, das die molekulare Struktur noch weiter analysiert, um beispielsweise neue Varianten schnell zu identifizieren

Influenza

Es liegt eine akute Erkrankung der oberen und unteren Atemwege vor. Etwa ein bis drei Tage nach der Infektion kommt es zu einem plötzlichen einsetzenden Erkrankungsbild mit schwerem Krankheitsbild, mit akutem Fieber, Muskel-Kopf-und Gliederschmerzen. Nicht immer gibt es dazu Atemwegssymptome wie Husten, meistens ohne Schleim oder Schnupfen. Das Krankheitsbild klingt normalerweise innerhalb von zwei bis fünf Tagen wieder ab. Die Infektiosität dauert etwa eine Woche.

Allerdings bei Patienten, die unter Herz-und Kreislaufproblemen leiden, immunsuprimiert sind, einen Diabetes mellitus oder einer schwere Fettleibigkeit haben oder älter als 60 Jahre sind, kann es zu einem sehr schweren klinischen Verlauf führen – bis hin zu Todesfällen. Auch eine bakterielle „Superinfektion“ beispielsweise durch Pneumokokken, Stapylococccus aureus oder Haemophilus influenzae, kann für das kritische Krankheitsbild verantwortlich sein.

Therapie

Bei leicht verlaufenden, unkomplizierten Symptomen wird symptomatisch behandelt, meist mit fiebersenkenden Medikamenten, bestimmten Schmerzmitteln gegen Kopf- und Gliederschmerzen, Antihistaminika zur Abschwellung der Schleimhäute und Inhalationen zum Verflüssigen von zähem Schleim, außer mit dem Bettruhe und einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.

Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder wenn mehrere der genannten Vorerkrankungen vorliegen, sollte eine antivirale Therapie erwogen werden. Die Medikamente verhindern damit die Freisetzung neugebildeter Viren. Die Wirksamkeit ist allerdings eingeschränkt.

Sie sollten innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome angewendet werden. Das ist oft nicht realisierbar, da hier die Influenza noch nicht wirklich vermutet und nicht diagnostiziert werden konnte. Gegebenenfalls kann man bei einer Influenza-Welle und den genannten Risikofaktoren bei einem Patienten schon bei Beginn der Symptomatik die Mittel geben. Es gibt allerdings Resistenzen dagegen und es kann zu Nebenwirkungen führen. Die antivirale Therapie ist also nicht immer zuverlässig.

Prophylaxe

Unter diesen Aspekten ist es günstig, dass es überhaupt nicht zu einer Infektion mit Influenzaviren kommt.

Allgemeine Maßnahmen, zum Vermeiden einer Übertragung von respiratorischen Viren:

  • Händehygiene, d.h. Waschen der Hände mit warmen Wasser und Seife für 15 bis 20 Sekunden
  • Augen, Nase und Mund nicht mit Händen berühren
  • Vermeiden von Kontakt zu infizierten Personen

Die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen die Influenza stellt die Impfung dar.

Allerdings gibt es bei den Impfungen von Influenzaviren eine besondere Situation. Anders als bei anderen Viren, gegen die man auch Impfen kann, können sich die meisten Influenzaviren rasch verändern. Das ist eine Besonderheit. Es gibt die Typen A, B und C. A- und B-Influenzaviren sind für die Menschen klinisch relevant. Gerade die Oberflächenmoleküle, gegen die die Impfantwort erfolgt, können variieren, sie sind genetisch instabil. Die neuen Viren können die aufgebaute menschliche Immunität unterwandern und führen unter Umständen sogar zu Epidemien. Bei der so genannten „saisonalen“ Influenza gibt es nur wenige molekularen Unterschiede (Antigendrift), man erwartet eine moderate Grippewelle. Wenn es allerdings zu einem Antigensprung (Antigenshift) bei den Änderungen der Oberflächenantigene kommt, könnte es zu einer Pandemie, also einer länderübergreifenden Ausbreitung, kommen. Da bei Influenza A auch verschiedene Säugetiere und Vögel infiziert werden können, können auch dort neue Varianten entstehen, die gelegentlich auch Menschen infizieren können. Epidemiologen sind bisher nicht in der Lage, diese jährliche Entwicklung vorhersehen zu können.

Da die Influenzaviren zum Teil von Jahr zu Jahr variieren, muss der Impfschutz regelmäßig erneuert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt zweimal jährlich eine Empfehlung zur Zusammensetzung der aktuellen Impfkomponenten heraus. Impfstoffhersteller werden das berücksichtigen. Für 2017/2018 sind zwei Impfstoffe im Handel. Der trivalente Impfstoff A (H3N2), A (H1N1) und B (Yamagata) und der tetravalente Impfstoff mit einer noch zusätzlichen Virus B (Victoria) Komponente.

Die Impfungen sollten jährlich wiederholt werden, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, auch wenn der Impfstoff im Vergleich zum letzten Jahr nur gering verändert ist.

Seit 2004 ist in Niedersachsen die Influenzaimpfung ab dem sechsten Lebensmonat für alle öffentlich empfohlen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt generell die Impfungen bei folgenden Personengruppen:

Personen über 60 Jahre; Schwangere, andere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung: chronische Erkrankung der Atmungsorgane (beispielsweise Asthma und COPD), chronische Herzkreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes, Multiple Sklerose, angeborene oder erworbene Immundefekte, HIV-Infektionen.

Zusätzlich Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Personal mit erhöhter Gefährdung wie medizinisches Personal.

Das schützt nicht nur sie, sondern auch die ungeimpften betreuten Personen.

Aktuelle Situation:

Die Grippeaktivität in Deutschland ist Anfang des Jahres deutlich angestiegen. Die Influenzaviren (H3N2), die im letzten Jahr zu schweren Erkrankungen führten, sind bis jetzt kaum aufgetreten. Kritisch ist allerdings, dass in 70 Prozent der Fälle das Influenzavirus B identifiziert wurde, das in dem trivalenten Impfstoff nicht berücksichtigt worden ist. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt jetzt allerdings keine generelle Nachimpfung. In begründeten Ausnahmen könne bei Hochrisikopatienten mit dem tetravalenten Impfstoff nachgeimpft werden.

In der UMG wurde seit Jahresbeginn 2018 einige Influenza Patienten diagnostiziert und therapiert. Wenige werden intensivmedizinisch versorgt. Die Universitätsmediziner hoffen natürlich, dass es keine Epidemie mit einem kurzfristigen Anstieg von schweren Erkrankungsfällen gibt. Das erfordert dann umfangreiche Maßnahmen auch in den Kliniken, beispielsweise Isoliermaßnahmen mit deutlich höherem Personaleinsatz.

Deswegen noch einmal der Aufruf sich zu impfen, wenn Sie Risikofaktoren haben. Der Schutz wird etwa zwei Wochen danach wirksam sein.

Von Prof. Dr. Dr. med Helmut Eiffert (Universitätsmedizin Göttingen)

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