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Göttingen Grüne: Stadtverwaltung gefährdet Fledermäuse
Die Region Göttingen Grüne: Stadtverwaltung gefährdet Fledermäuse
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00:20 04.08.2018
Erfreut sich in Kreisen der Göttinger Politik großer Beliebtheit: Die artengeschützte Fledermaus. Quelle: Foto: Nabu
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Göttingen

Seit Mittwoch sind Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs auf dem Göttinger Stadtwall mit der Pflege des Baumbestands beschäftigt. Nach Ansicht der Grünen Ratsfraktion gefährdet diese Maßnahme die Fledermauspopulation und ist rechtswidrig. Mit dieser Einschätzung sind sie nicht allein.

Auf öffentlichen Flächen überprüft die Stadt Göttingen in regelmäßigen Abständen den Zustand der Bäume und kommt damit ihrer Verkehrssicherungspflicht nach. Aktuell passiert das auf dem Wall. Die etwa vier Wochen andauernde Maßnahme diene sowohl der Sicherheit als auch der Pflege. Und natürlich werde dabei auf den Schutz der Fauna besonders Rücksicht genommen, hieß es in der Ankündigung der Stadt.

„Ein starkes Stück“

Das sehen die Grünen völlig anders: „Es ist schon ein starkes Stück, dass die Verwaltung mitten in der Sommerpause mal eben lapidar mitteilt, dass sie größere Eingriffe in die Baumbestände am Wall vornehmen wird“, sagt Harald Wiedemann. Diese falle genau in die Zeit der Geburt und Aufzucht der Fledermausjungen in den Wochenstuben der Weibchen bis mindestens Mitte August. Die anschließend Balz und Paarungszeit dauere bis Anfang Oktober. Erst danach sollten Pflegearbeiten durchgeführt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt der Grünen ist, dass offenbar nicht geplant sei, eine Fledermausfachkraft hinzuzuziehen. Zudem gebe es kein Standortgutachten zur Fledermauspopulation für das Gebiet auf und am Göttinger Stadtwall. Wiedemann schließt: „Diese Arbeiten zur jetzigen Zeit verstoßen in ihrem Umfang gegen geltendes Recht.“

Totholz besser erkennbar?

Eine direkte Konsequenz aus diesem Vorwurf war am Mittwoch nicht zu erkennen. Laut Verwaltungssprecher Dominik Kimyon wurden die Arbeiten wie geplant im Bereich zwischen Goetheallee und Untere Maschstraße begonnen und in Richtung Groner Tor fortgesetzt. In zwei Punkten widerspricht er den Vorwürfen: Der Fachdienstes Grünflächen arbeite sehr wohl mit einem Biologen zusammen, der bei Zweifelsfällen hinzugezogen werde. Außerdem liege für die Innenstadt eine Kartierung der Fledermaus-Höhlen vor.

Der Zeitpunkt sei gewählt worden, weil jetzt das Totholz besser erkennbar sei, so Kimyon weiter. „Das Argument ist nicht stichhaltig“, kontert CDU-Fraktionschef Hans-Georg Scherer. Fachleute könnten Totholz zu jeder Jahreszeit erkennen. Nur wenn Gefahr im Verzug sei, ließe sich ein Baumschnitt zu dieser Jahreszeit rechtfertigen. Ansonsten habe der Schutz der Fledermaus Vorrang.

Unterstützung von SPD und FDP

Wie seine Fraktion unterstützen auch SPD und FDP die Forderung der Grünen. Der Erhalt von allen potenziellen Fledermausquartieren sei dringend erforderlich, damit die Tiere eine Überlebenschance haben. Dazu zählt auch der Erhalt der alten Bäume in allen Bereichen des Stadtgebietes, so Volker Grothey (SPD). Und Felicitas Oldenburg (FDP) ergänzt mit Blick auf die Naturschutz-Auflagen: „Was für Privatleute gilt, muss für die Stadt auch gelten.“ Ihre Forderung: Das gehört sofort gestoppt.

Hans-Joachim Haberstock beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Fledermäusen. Der Regionalbeauftragte des NLWMN ist für viele in der Region der erste Ansprechpartner zum Thema. Er hält die aktuelle Maßnahme für fachlich nicht vertretbar und bedauert, dass er nicht eingebunden wurde. „Kommunen haben ein Riesenpotenzial, etwas für den Artenschutz zu tun. Leider wird es wenig genutzt.“

Von Markus Scharf

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