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Göttingen Göttingen im fairen Handel vor Hannover
Die Region Göttingen Göttingen im fairen Handel vor Hannover
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00:20 23.09.2018
Podiumsdiskussion unter dem Motto „Global denken - lokal fair handeln“ in Göttingen Quelle: Rüdiger Franke
Göttingen

„Global denken – lokal fair handeln“ – die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Göttingen hat am Mittwoch in der Fairen Woche im Ratssaal ein Podiumsgespräch anlässlich fünf Jahren Fairtrade Region Göttingen ausgerichtet. Rund 50 Zuhörer hörten die Beiträge und diskutierten mit den Referenten.

Göttingen ist jetzt seit fünf Jahren Fairtrade Region“, sagte die Erste Kreisrätin Christel Wemheuer. Das sei ein guter Anfang, aber es gebe noch viel Luft nach oben. Stadt und Landkreis zusammen könnten in den eigenen Verwaltungen im Beschaffungswesen darauf achten, faire Produkte einzukaufen. „Wir haben dafür gesorgt, dass es in Göttingen die Fairtrade-Town-Initiative gibt“, erklärte Joachim Berchtold, Koordinator kommunale Entwicklungspolitik für Stadt und Landkreis Göttingen, „und Divestment, also dass wir mit den Finanzanlagen keine fossilen Brennstoffe und Waffen unterstützen.“

„Wir müssen auf vielen Ebenen aktiv werden“, forderte Regina Begander vom Entwicklungspolitischen Informationszentrum (Epiz) Göttingen. Die Politik müsse dafür große weltpolitische Handelsbedingungen setzen. Doch auch die Konsumenten müssten nach fair gehandelten Produkten greifen und so die Nachfrage steigern. Unternehmen hingegen müssten in Produktion und Handel mehr Öko- und Sozialstandards einführen und beachten.

„Unser Oberziel ist, dass wir für die Verbesserung der Einkommens- und Lebensbedingungen von benachteiligten Kleinproduzenten in Übersee arbeiten“, erklärte Ingo Herbst, Gründer und Geschäftsführer von Contigo. Dazu sei konkrete Arbeit erforderlich, sagte er, also „weniger reden, mehr machen“. Zwei Läden seien besser als einer, 20 besser als zwei und 200 besser als 20.

„Wir haben 40 Jahre lang gelernt, dass Fairtrade existiert“, sagte Leo Pröstler, Vorstand der Stiftung Futuro Verde, der BaumInvest AG, der Puro Verde eG und des Waschbär Umweltversandes. Aber die Welt habe sich komplett gewandelt. Boden müsse in vielen Regionen Rendite bringen, deshalb würden Monokulturen aufgebaut. Diese zerstörten dann den Boden. Es sei also wichtig, dafür zu sorgen, dass die Bauern in den Ländern mit ihren Produkten vernünftige Preise erzielen. „Für mich ist der Boden das Wichtigste.“ Könne der Bauer seinen Boden behalten oder werde er an den Rand gedrängt, weil er nicht mehr mithalten könne.

Silvia Hesse, Referentin für Fairtrade Deutschland, stellte verschiedene Aktivitäten und Initiativen in anderen Städten vor. Es gebe weltweit mehr als 2000 Fairtrade Towns, in Niedersachsen seien es 32. Sie sei beeindruckt von Göttingen, denn die Region Hannover habe es bislang noch nicht geschafft.

„Wir haben bereits vor 25 Jahren den Weg zur Fairtrade-Schule angefangen“, berichtete Bettina Vogtmeier von der BBS Ritterplan. Mit der Umstellung auf fair gehandelten Kaffee, Tee und auch Schokolade habe die Schule Erfahrungen mit Licht und Schatten gemacht. Der Kaffee werde gut verkauft. Doch ob jeder den Hintergrund kenne, wisse sie nicht. Zu sehen sei das bei den Schokoriegeln. Einer koste soviel, dass man dafür im Supermarkt zwei Tafelnkaufen könne. Es gebe nur wenige Schüler, die bewusst danach fragen. Im Unterricht könne jedoch eine erste Sensibilisierung erfolgen. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, den Gedanken weiterzutragen. Deswegen bewerben wir uns als faire Schule.“

Die Entwicklung brauche Zeit. Frederike Breyer von Pro City erinnerte daran, dass es mittlerweile keine Diskussion mehr darum gebe, dass die Plastiktüten abgeschafft werden oder dafür bezahlt werden müsse. Das habe 2015 noch anders ausgesehen. Der informative Abend endete, wie Berchtold anmerkte, „mit vielen offenen Fragen im Kopf“.

Von Rüdiger Franke

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