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Göttingen Ruhig mal nerven
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19:06 05.09.2017
Diskutieren mit Politikern: Grundschulkinder. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Unter dem Motto „Wahlen?! ... Dieses Mal redet ihr mit!“ stand ein Treffen zwischen 150 Göttinger Grundschülern und Politikern der im Göttinger Stadtrat vertretenen Parteien am Dienstagnachmittag. Die Kinder bekamen einen Einblick in die Politik im Stadtrat und durften in kleinen Gruppen die Politiker befragen.

Schüler entern den Ratssaal

„Und wo sollen wir jetzt sitzen?“, „Wo soll mein Rucksack hin?“, „Ich hab keinen Zettel bekommen“. 150 Schüler entern den Ratssaal des Göttinger Rathauses an diesem Nachmittag, einige erwischen noch diese wunderbaren Drehstühle, auf denen man sich wie ein Profi fühlen kann und die ein passabler Karussell-Ersatz sind. Ein fröhliches Stimmengewirr herrscht, das erstaunlicherweise sofort verebbt, als Ekkehard Jung von Fachbereich Jugend ins Mikro spricht. Mitreden aber sollen die Schüler der 2. bis 4. Klassen heute, die anwesenden Politiker nerven, mit ihren Fragen löchern.

Organisiert haben dieses Treffen der Fachbereich Jugend sowie das Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen, um ein politisches Angebot für die Kinder zu schaffen, ihr Interesse für Politik zu fördern und für die Erfahrung zu sorgen, dass Politik auch für Kinder nahbar sein kann. Anna Wucherpfennig (SPD), Dominic Steneberg (CDU), Susanne Stobbe (Bündnis 90 / Die Grünen), Konrad Kelm (Göttinger Linke), Dana Rotter (Piraten), Mareike Röckendorf (FDP) sowie Bürgermeister Thomas Häntsch und Stadtrat Siegfried Lieske haben sich für die Schüler Zeit genommen. Die Moderation übernimmt Birgit Redlich, die beim Institut für Demokratieforschung für den Bereich Kinder und Demokratie zuständig ist.

Wie funktionieren Bundestagswahlen?

Zunächst erklärt Redlich den Kindern kurz wie das funktioniert mit den Bundestagswahlen und wer aus Göttingen im Bundestag sitzt. Dann dürfen die Politiker aus dem Stadtrat ran. Mit einem Satz (!) sollen sie sagen, was ihnen in ihrer politischen Arbeit besonders wichtig ist. Und mit einem weiteren, was ihre Parteien für Kinder und Jugendliche tun. Da ist viel die Rede von Schulen, in denen die Kinder sich wohlfühlen sollen, dass Jugendliche schon mit 16 Jahren wählen können sollen, die Idee eines Kinder- oder Jugendparlaments wird abgewogen, es geht um Ganztagsbetreuung in den Schulen, die Qualität dieser Betreuung, Mitbestimmung in der Schule und im Sportverein.

Die Kinder aber, die nach fast 40 Minuten endlich die Möglichkeit haben in kleinen Gruppen etwas zu fragen, scheinen andere Sorgen zu plagen. Ganz vorn sind Fragen zum Umweltschutz. „Sind sie auch gegen Atomkraftwerke“ wird die Grüne Susanne Stobbe gefragt, ob sie Fahrrad fährt, warum es keine bessere Idee gibt, Autos zu bewegen, Fahrverbote wegen CO2 werden gefordert. Und auch Steneberg (CDU) muss sich fragen lassen, ob er die Kraftwerke in Göttingen ordentlich kontrolliere. Die Kinder wollen aber auch wissen, wie Steneberg in den Stadtrat gekommen ist und ob er Einfluss auf das Programm des Theaters habe.

Politiker loben clevere Fragen

Moderatorin Redlich will nach den Fragerunden wissen, was die Kinder Wichtiges besprochen haben. Da steht das Thema Umwelt und CO2 -Belastung wieder ganz oben. Und was hat die Kinder überrascht?: „Dass die Stadt wenig Geld hat“; „Dass neue Wohnungen gebaut werden“; „Dass man Politiker nerven darf“; „Wie lange die schon für die Stadt arbeiten!“ Rotter freut sich über Hinweise der Kinder auf Ampelschaltungen, die für Fußgänger schlecht sind, allgemein loben die Politiker die cleveren Fragen und sehen sich darin bestärkt, Kinder und Jugendliche ruhig früher mitbestimmen und -gestalten zu lassen.

Nach der Vorstellungsrunde hatten die Kinder übrigens einen Vertreter gewählt, jetzt gibt es das Ergebnis: 111 Stimmen wurden abgegeben. Steneberg (CDU) liegt mit 39 Stimmen vorne, jeweils 19 Stimmen haben Wucherpfennig (SPD) und Rotter (Piraten) erhalten, 18 Röckendorf (FDP), 10 Stobbe (Grüne) und 6 Kelm (Linke).

Von Christiane Böhm

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