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Göttingen Hann. Münden muss für Kirchturmsanierung aufkommen
Die Region Göttingen Hann. Münden muss für Kirchturmsanierung aufkommen
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23:51 20.05.2015
Die Sanierung des Kirchturms von St. Blasius würde Hann. Münden Millionen Euro kosten. Quelle: Hinzmann
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Hann. Münden

Aber wieso muss die Stadt überhaupt Geld für ein Gotteshaus zahlen? „Die Stadt Hann. Münden hat das sogenannte Patronat für die Kirche im Jahr 1541, während der Reformationszeit, übernommen“, berichtet die ehrenamtliche Stadtarchäologin Angela Sohnrey (41). Sie gehört auch dem Kirchenvorstand der Gemeinde an.

 
Damals war das katholische Kloster Marienstein in Nörten-Hardenberg für die Baulast der Kirche verantwortlich. Die Mönche konnten aber mangels Mittel nicht tätig werden als eine Sanierung des Pfarrhauses anstand. Sie wollten aber auch kein Geld ausgeben. Die Kirche stand mittlerweile unter evangelischem Einfluss. Und für „martinische Ketzer“, so der Abt, hatten die Mönche nichts übrig.

 
So sprang die Stadt ein und beanspruchte im Gegenzug Mitsprache bei der Besetzung der Pfarrstelle. „Die Stadtkirche hatte damals noch einen zweiten Patron, den jeweiligen Welfenherzog“, weiß Sohnrey. Herzog Albrecht der Große hatte die Kirche 1280 auf eigenem Grund erbauen lassen. Damit war er nach fränkischem Recht für den Unterhalt des Gebäudes und des Priesters verantwortlich. Letzteren durfte er selbst bestimmen. Um die Finanzierung sicherzustellen, stattete er die Kirche mit Vermögen aus. Christen, die um ihr Seelenheil fürchteten, spendeten Grund und Boden. Der Herzog durfte von Gemeindemitgliedern den Zehnten erheben. Einnahmen erzielte die Kirche zudem durch Dienstleistungen. Die Einnahmen aus dem Altardienst und damit einen Teil der Finanzierungspflichten trat Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen 1366 an das Kloster ab. Die Bürgerschaft identifizierte sich damals bereits so mit ihrer Kirche, dass sie sich an den Kosten für deren Erweiterung 1487 beteiligte. Herzog Wilhelm II. hatte Hann. Münden zur Residenzstadt gemacht und baute das Gotteshaus repräsentativ aus.

 
„Die Stadt rang um das Patronat der Kirche, das ihr Herzog Heinrich Julius dann 1592 zugestand“, sagt die Stadtarchäologin. Damit waren Privilegien verbunden. Die Vertreter der Stadt bekamen die besten Plätze im Gotteshaus. Der Pastor musste für sie beten. Der Bürgermeister wurde im Gotteshaus bestattet. Die Rechte und Pflichten bekam die Stadt 1640, während des Dreißigjährigen Kriegs, noch einmal ausdrücklich anerkannt. Heute trägt die Landeskirche die Kosten für den Pastor. Bei der Besetzung der Stelle bestimmt der Bürgermeister jedoch immer noch mit – zuletzt 2014.

Von Michael Caspar

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