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Göttingen Werben für neues Matriarchat
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16:56 05.10.2018
Quelle: mic
Göttingen

Die Hälfte des Weltvermögens solle der Finanzierung von Frauenprojekten dienen, hat Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth am Donnerstag in Göttingen gefordert. Vom Weltvermögen besäßen Frauen lediglich ein Prozent.

„Frauen leisten zwei Drittel der Arbeitsstunden weltweit, erhalten aber lediglich ein Zehntel des Welteinkommens“, zitierte die promovierte Philosophin und Wissenschaftstheoretikerin Zahlen der Vereinten Nationen. An diesem „Skandal“ habe sich in den vergangenen 40 Jahren nichts geändert. Deshalb seien ein „revolutionäres Konzept“ und der „bewusste Verstoß gegen Regeln“ notwendig.

Göttner-Abendroth warb auf Einladung von Annette Rath-Beckmann, die in Reckershausen eine Schule für matriarchalen Schamanismus betreibt, bei einem Vortrag im Holbornschen Haus vor 40 Zuhörern für eine „Bewegung von unten“, die mit „einflussreichen Poltikerinnen und Wirtschaftsführerinnen“ zusammenarbeite. Viele Frauen engagierten sich „für die Umwelt, für Waldorfschulen oder Schwarzafrikaner“. Nur für sich selbst würden sie „nicht kämpfen“. Die Frauen holten sich nicht, was ihnen die patriarchale, kapitalistische Gesellschaftsordnung „stehlen“ würde.

„Keine Frauenherrschaft

Das Ziel sei „keine Frauenherrschaft“, betonte Göttner-Abendroth. In einem Matriarchat gebe es keine Hierarchien. Es werde immer solange diskutiert, bis eine für alle tragbare Lösung gefunden sei. „Mütterliche Werte“, wie die Fürsorge für andere oder die friedliche Beilegung von Konflikten, prägten eine solche Gesellschaft.

Matriachale Kulturen seien in der Jungsteinzeit entstanden. Der Ackerbau habe die Sesshaftigkeit und die Bildung größerer Gemeinschaften ermöglicht. Spätestens in der Bronzezeit hätten patriarchale, durch Hierarchie, Konkurrenz, Gewalt und Ausbeutung geprägte Gesellschaften die matriarchalen Kulturen verdrängt. Nur vereinzelt hätten sie sich in Afrika, Amerika und Asien bis in die Gegenwart erhalten.

Matriarchale Werte in der modernen Gesellschaft

Solche matriarchalen Gemeinschaften erforsche sie seit den 70er-Jahren als eine der ersten Wissenschaftlerinnen, sagte Göttner-Abendroth. Da das an den von Männer dominierten Universitäten „unerwünscht“ sei, habe sie 1986 in der Nähe von Passau Hagia, eine private Bildungsstätte für Matriarchatsforschung und matriarchale Spiritualität, gegründet. Seit einigen Jahren versuche sie, die alten matriachalen Werte in der modernen Gesellschaft fruchtbar zu machen. Bündnispartner seien unter anderem die Öko- und die Gemeinschaftsbewegung.

Aufruf zur Bildung „matriarchaler Clans“

Göttner-Abendroth forderte junge, alleinerziehende Mütter auf, sich zu „matriarchalen Clans“ zusammenzuschließen. Sie sollten ältere Frauen als Unterstützerinnen und Ratgeberinnen einbinden sowie Männer, die mütterliche Werte teilten. Auch gemeinsame Wirtschaftsprojekte wie ein Verlag oder ein Gesundheitszentrum könnten Anstoß zur Bildung von „Matri-Clans“ geben. Zur Finanzierung solcher Frauengemeinschaften sei die Umverteilung des Weltvermögens notwendig.

Von Michael Caspar

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