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Göttingen Herbst-Blues, Vol. II: „Die Zeit verwundet alle Heiler“
Die Region Göttingen Herbst-Blues, Vol. II: „Die Zeit verwundet alle Heiler“
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20:06 05.10.2018
Christoph Oppermann über Realität und Satire Quelle: Hinzmann
Göttingen

Man kann es nicht oft genug beklagen: Die Realität schlägt derzeit jede Satire.

Lars Wätzold schlägt vor, auf dem missglückten Denkmal am Göttinger Bahnhof ein bedeutend zu groß geratenes Hühnerei zu platzieren in Anspielung auf einen aus dem Österreichischen stammenden selbst ernannten „Führer“. Schade, dass Kollege Wätzold eines nicht bedacht hat: Von selbst steht solch ein ungeborenes Huhn im Rohzustand nicht. Dafür müsste man es einmal kräftig aufschlagen, so dass das Ovulum auf der dann beschädigten Unterseite selbstständig und lotrecht weilt. Dann hingegen wäre es allerdings weniger ein satirisches Denkmal für Herrn Schicklgruber, der als Postkartenpinsler bemerkenswert erfolglos war, dafür unter seinem Nom de Guerre „Hitler“ für einiges Aufsehen sorgte. Vielmehr gemahnte die von Mr. Comedy Company angeregte Denkmalserweiterung an die wohl schillerndste Figur aus der braunen Verlierer-Clique, den Reichsjägermeister und Teil-Wallach Göring. Eine Petitesse nur.

Keine Petitesse indes ist das Gedankenspiel der selbst ernannten „Alternative“ in Niedersachsen, einen digitalen Pranger für Lehrer ins Netz zu stellen. Dort könne man Verstöße von Lehrern gegen das Neutralitätsgebot melden, die bei „begründetem Anfangsverdacht“ an die Schulbehörde weitergegeben werden sollen. Soso. „Begründeter Anfangsverdacht“… – den stellen fest und ermitteln in diesem Rechtsstaat immer noch Beamte und Juristen im Staatsdienst, aber ganz sicher kein Pädagogen-Blockwart. So ist’s recht. Erst zündeln, und dann Feuerwehr spielen wollen. Steile These: Wenn im Zusammenhang mit dem Schüren von Ängsten, mit Populismus und Rassismus immer wieder der Name einer Partei genannt wird, muss das nicht an Lehrern liegen, sondern könnte mit der politischen Gruppierung zu tun haben.

Den wohl verständlichsten Wunsch in dieser Woche äußerte der gegen den Untergang wahlkämpfende Markus Söder: Der möchte keine „Berliner Verhältnisse“ im bayerischen Landtag. Verständlich, denn diese Umstände bedeuteten nämlich:

Horst Seehofer auf der Regierungsbank

Andrea Nahles beim Pippi-Langstrumpf-Karaoke am Mikrofon und

Olaf Scholz als Kassenwart.

Ein Albtraum für Söder. Und davon muss er derzeit einige haben. Ein anderer: kompletter Bedeutungsverlust der CSU. Erstmals ungefähr seit Moses vom Sinai stieg, gibt es die Chance auf eine Regenbogenkoalition ohne Christsoziale in München. Was für ein Szenario: Am 14. Oktober schießen die Wähler in Bayern Markus „BayernOne“ Söder zum Mond, am 15. macht der CSU-Vorsitzende Seehofer den Abflug, und am Dienstag, 16. Oktober, entziehen die FJS-Erben der CSU das Recht, die Parteizentrale weiterhin nach Franz-Josef Strauß zu benennen. Kann man sich nicht ausdenken. Oder wie es der MASH-Arzt „Hawkeye“ Pierce ausdrückte: „Die Zeit verwundet alle Heiler.“

Schönes Wochenende

Christoph Oppermann

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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