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Göttingen Fünf Prozent der Eier kommen aus der Region
Die Region Göttingen Fünf Prozent der Eier kommen aus der Region
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11:24 11.01.2019
Sabine Wollenweber produziert mit eigenen Hühnern Eier. Es gibt auch ein Hühnermobil auf der Wiese, so dass die Hühner bei jedem Wetter Auslauf haben. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Äpfel direkt von der südniedersächsischen Wiese, Wurst aus dem Eichsfeld, Hühner aus Friedland und Kartoffeln aus dem Gartetal: Viele Nahrungsmittel werden in der Region produziert die Nachfrage steigt – wenn auch langsam. „Das Geschäft damit ist zäh und schwierig”, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen. Nicht in jeder Region Deutschlands werden die Grundnahrungsmittel im gleichen Umfang produziert. „Der Landkreis Göttingen ist süß und mehlig”, fasst Hübner zusammen. Denn: Weizen und Zuckerrüben produzieren die Landwirte in der Region weit über den Bedarf der regionalen Bevölkerung hinaus. Den Bedarf an Eiern, Geflügel, Schweinefleisch, Gemüse, Milch und Kartoffeln decken die Bauern vor Ort bei Weitem nicht ab. Eier beispielsweise stehen am unteren Ende der Selbstversorgungsliste, nur fünf Prozent der im Landkreis verspeisten Eier werden von Landwirten vor Ort gedeckt. Bei der Milch sind es 40 Prozent, bei den Kartoffeln 22. Das lokale Schweinefleisch reicht für 24 Prozent des Göttinger Bedarfs, das regionale Geflügelfleisch deckt gerade einmal zwölf Prozent.

275.000 Plätze statt 34.000 für Hühner

Das Landvolk hat ausgerechnet, dass es etwa 1,8 Millionen Stück Geflügel mehr geben müsste, um die Nachfrage im Landkreis zu decken – derzeit leben etwa 250.000 Hühner und Puten in der Region. Statt der 34.000 Stellplätze wären dafür 275.000 nötig.

„Natürlich ist es nicht sinnvoll, dass die Bauern in jedem Landkreis alles für ihre Bürger produzieren”, sagt Hübner. In der Region Leinetal gedeihen Rüben und Weizen besonders gut, die großen Tiermäster im Nordwesten liefern mehr Fleisch.

Hübner: „Regionalität braucht Produktion“

Dennoch: „Regionalität braucht Produktion”. Das ist auch das Motto des diesjährigen Aktionstages der Göttinger Landwirte am 19. Januar. „Wer also Milch aus der Region trinken möchte, muss auch einen Stall akzeptieren”, so Hübner. Die Tierhaltung in der Region geht weiter zurück, nicht selten gibt es Proteste der Bürger, wenn ein neuer Stall gebaut werden soll. Nach Auffassung des Landvolks sind auch die gesetzlichen Grundlagen dafür verantwortlich. „Immer höhere Auflagen und der deutsche Sicherheitswahn führen dazu, dass die regionale Produktion immer schwieriger wird”, sagt Hübner. Beispiel: Nur wenige Geflügelhalter schlachten wegen der hohen Auflagen selbst, sondern verkaufen ihre Tiere an überregionale oder internationale Anbieter.

Wollenwebers Eier-Proudktion in Lichtenhagen. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Eine Direktvermarktung ist bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Raps und Mais kaum möglich. Wo das Öl aus dem im Landkreis Göttingen angebauten Raps letztlich verarbeitet wird, sei kaum nachvollziehbar. Ganz anders sieht es beispielsweise bei Gemüse und Kartoffeln aus. „Die bei uns angebauten Knollen werden nahezu ausschließlich direkt vermarktet”, sagt Hübner; entweder über den eigenen Hofladen, den Verkaufswagen oder auf dem Wochenmarkt, denn das sind die drei verbreiteten Vertriebswege der Bauern. Einige Supermärkte haben bereits regionale Gemüse oder Eier im Sortiment. Beispielsweise die Eier der Familie Wollenweber in Lichtenhagen sind in Göttingen im Supermarkt ebenso zu finden wie Manegolds Gemüse aus Seulingen oder Produkte des Labels „kostbares Südniedersachsen”.

Mehl aus der Region für Backwaren der Region

Zucker und Weizen, die beiden Produkte, die weit über Bedarf angebaut werden, gehen zum größten Teil an zentrale Zuckerfabriken und Mühlen, ebenso wie die Milch, die an Groß-Molkereien verkauft wird. An einigen sogenannten Milchtankstellen – beispielsweise in Güntersen – gibt es Milch direkt vom Bauern. Im Landkreis Göttingen wird noch in einer einzigen Mühle, nämlich in der Leinemühle Niedergandern Weizen aus der Region vermahlen. „Die meisten Göttinger Bäcker beziehen aber auch unser Mehl”, sagt Inhaber Jörg Bunte. Auch in Herborts Hofladen in Reiffenhausen ist zu haben.

Das sagt Kerstin Herbort in Ihrem Hofladen:

Mit Käse in die Direktvermarktung

Einer, der vor wenigen Wochen den Sprung in die Direktvermarktung gewagt hat, ist Arne Traupe. Seine Familie bewirtschaftet einen Hof in Niedeck. Bislang, so sagt er, wurde die Milch wie bei fast allen anderen Milchbauern an eine Molkerei verkauft. Der junge studierte Landwirt, der mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb übernommen hat, suchte nach neuen Ideen und fand sie in einer mobilen Käserei. Gemeinsam mit fünf anderen Bauern teilt er sich die Geräte und produziert jetzt Käse in Niedeck. Verkauft werden seine Produkte an der Milchtankstelle des Hofes in einem Automaten. „Der Käse läuft sehr gut“, sagt Traupe. Der regionale Renner in Niedeck: „Karotten-Kürbis-Käse“.

Bauern-Aktionstag am 19. Januar

Glyphosat, Ferkelkastration, Insektensterben, Massentierhaltung: Für viele Themen werden Landwirte angefeindet. „Wir Bauern haben wenig Verständnis die fortlaufenden Diffamierungen und Anklagen – wir möchten zeigen, dass wir einen guten Job machen und uns um Tier und Umwelt viele Gedanken machen”, sagt Achim Hübner vom Landvolk Göttingen. Deshalb stellen sich die Landwirte der Region am Sonnabend, 19. Januar, während eines Aktionstage den Fragen der Bürger in der Göttinger Innenstadt.

130 Landwirte antworten

Rund 100 Landwirte aus der Region Südniedersachsen sind dann rund um den Marktplatz unterwegs, um Fragen der Verbraucher zu beantworten und ihre Arbeit im Stall und auf dem Acker zu erklären. „Wir wollen und können auch erklären, warum was wir etwas tun und warum wir manchen nicht tun“, so Hübner. Auch die Landwirte brauchen Biodiversität. „Oft werden wir für alle möglichen Probleme verantwortlich gemacht und das ist falsch“, sagt Hübner.

Das sagt Landwirt Albrecht Trieselmann:

Die Landwirte produzieren laut Hübner im Rahmen der Gesetze –von einigen schwarzen Schafen einmal abgesehen. Für die Rahmenbedingungen seinen sie nur selten verantwortlich.

Viele Verbraucher wünschen sich, dass Lebensmittel aus der Region kommen, keine weiten Wege zurück legen und von Bauern auf Höfen produziert werden, die man kennt. Am Sonnabend, 19. Januar, besteht von 11 bis 13 Uhr die Gelegenheit, sich aus ersten Hand bei den Bauern zu informieren – auch über ihre lokalen Lebensmittel.

Einige Direktvermarkter im Landkreis:

Die Direktvermarktung regionaler Produkte betreiben die Landwirte überwiegend über ihre Hofläden, über Stände auf Wochenmärkten und Verkaufswagen oder Automaten. Einige Beispiele mit eigener Homepage aus dem Landkreis Göttingen: Hier können Verbraucher in der Region direkt beim Erzeuger einkaufen:

Apfelsaft: MostGosch, Bernd Gosch, Hohler Weg 5, 37127 Dransfeld Bördel

Bio-Rindfleisch: 
Angusrind
  aus dem Harz, Familie Grammel, Hördener Breite 51, 37520 Osterode

Fleisch, Milch, Forellen: Ferienhof Bleckert, Marianne Bleckert, Thiershausen 3, 37434 Renshausen.

Eichfelder Wurst: Hofladen Kracht, Arnold und Christhilde Kracht, Eichsfeldstr. 2, 37136 Seeburg

Milch: Gerrit Heisecke, Klingenhagener Weg 3, 37520 Osterode

Eier: Familie Wollenweber, Mahlmannstraße 13, 37133 Friedland-Lichtenhagen

Fleisch vom Harzer Rotvieh: Biohof Düna, Daniel Wehmeyer, Düna Nummer 16, 37520 Osterode

Fleisch und Wurst: Bauernhof Schubert, Matthias Schubert, Wiedigshof 5, 37445 Walkenried

Wurst: Hof Reinhardt, Helga Reinhardt, Steinweg 11, 37534 Eisdorf

Eichsfelder Wurst: Giesbert Bömecke, Nathestraße 4, 37115 Nesselröden

Gemüse und Lieferservice: Lotta Karotta Bio-Lieferservice unter anderem für die Bioland- Gärtnerei Rote Rübe- Schwarzer Rettich Katrin Schlick & Andreas Backfisch, Gartestraße 50a, 37130 Gleichen – Rittmarshausen

Hier finden Sie viele weitere Adressen, auch von Kartoffelanbietern, Produzenten aus dem Landkreis Northeim und von Geschäften ohne eigne Homepage.

Auch unter dem Label „Kostbares Südniedersachsen“ finden sich zahlreiche regionale Anbieter.

Von Britta Bielefeld

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