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Göttingen Nur noch alle zwei Stunden nach Berlin?
Die Region Göttingen Nur noch alle zwei Stunden nach Berlin?
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00:19 04.09.2017
ICE-Halt Göttingen: Der „Zielfahrplan 2030“ des Bundesverkehrsministeriums sieht Einschnitte vor. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Das Papier des von Minister Alexander Dobrindt (CSU) geführten Ministeriums weist die ICE-Linie Berlin-Wolfsburg-Braunschweig-Hildesheim-Göttingen-Frankfurt und dann weiter Richtung Süddeutschland, nur noch im Zwei-Stunden-Takt aus, statt wie bisher mit einer stündlichen Verbindung. Für Göttingens Spitzenpolitiker und Verwaltungsspitzen ist die Sache klar: Die stündliche ICE-Verbindung in die Hauptstadt muss erhalten bleiben.

Auch wenn die Planungen des BMVI bis ins Jahr 2030 reichen: „Wehret den Anfängen“, mahnte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Die niedersächsischen Städte hätten beschlossen, „gemeinsam zu intervenieren“, sagte Köhler.

Große Städte in Niedersachsen sind verärgert

Bereits vor zwei Wochen hatten sich die Oberbürgermeister der großen Städte in Niedersachsen verärgert über die Pläne aus dem BMVI gezeigt: „Es kann nicht Aufgabe eines Bundesministeriums sein, den Fernverkehrszugang von rund 1,5 Millionen Einwohnern allein in Niedersachsen zu beschneiden“, sagte Klaus Mohrs (SPD), Vorsitzender der Oberbürgermeisterkonferenz und Oberbürgermeister Wolfsburgs, im Nachgang zur Oberbürgermeisterkonferenz. Die seit Jahren guten Verbindungen mit ICE- und IC-Zügen in Göttingen, Hildesheim, Braunschweig und Wolfsburg seien wichtige infrastrukturelle Argumente und Grundlage für langfristige Entscheidungen von Wirtschaftsunternehmen und Bürgern.

Für das Bundesverkehrsministerium ist er eine Arbeitsgrundlage für die Bundesverkehrswegeplanung. Bei Göttingens Bundestagsabgeordneten und Verwaltungsspitzen lässt er die Alarmglocken schrillen: der „Zielfahrplan 2030“. Er sieht weniger ICE-Züge nach Berlin vor.

Für Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) ist der Ein-Stunden-Takt an der ICE-Linie ein „wesentlicher Faktor, die zentrale und verkehrsgünstige Lage Göttingens nutzbar zu machen – für die Stadt selbst aber auch für jeden, der das Potenzial der Region nutzen möchte, um hier zu arbeiten oder zu leben“. Daher setze er sich gegenüber dem BMVI und der Deutschen Bahn „mit Nachdruck“ für seinen Bestand ein. Der ICE-Haltepunkt Göttingen sei „von großer Bedeutung für Göttingen als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort und als Oberzentrum einer Region mit großem Potenzial“. Zeit sei eine knappe Ressource, das gelte für Unternehmen und Institutionen ebenso wie für Menschen in einer mobilen Gesellschaft.

Schwächen Göttingens wäre „fatal“

In dieser Woche hatte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) Alarm geschlagen: Ein „weiteres Schwächen des Wissenschaftsstandortes Göttingen“ hält er für fatal. „Eine einstündige Taktung muss erhalten, wenn nicht sogar ausgebaut werden“, forderte Trittin.

Auch für den Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler ist klar: „Eine Schwächung des ICE-Haltes Göttingen darf es nicht geben.“ Er habe sich stets für den ICE-Halt Göttingen stark gemacht und Gespräche im BMVI und mit der Deutschen Bahn geführt. Nach seinen Informationen bleibe das aktuelle Angebot in Göttingen „grundsätzlich“ erhalten. Es werde sogar eine neue zweistündliche ICE-Linie von Berlin nach Frankfurt Süd und Frankfurt Flughafen geben, die die alte Linie nach Stuttgart und München ersetze, die künftig über Leipzig verkehre. Dadurch erhielten Hildesheim und Braunschweig eine Direktverbindung an den Frankfurter Flughafen.

„Planung aus dem Hause Dobrindt muss vom Tisch.“

Thomas Oppermann (SPD) wird noch deutlicher: „Diese langfristige Planung aus dem Hause Dobrindt muss vom Tisch.“ Die vier betroffenen niedersächsischen Städte und Kassel würden mit vereinten Kräften dagegen angehen. Und dass der Bundestag dafür stimme, glaube er nicht, so Oppermann. Für Göttingen sei eine stündliche Anbindung nach Berlin und Frankfurt „existenziell“.

Über die neuen Pläne ist die Bahn nach Auskunft von Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst im Gespräch mit dem Ministerium. Es handele sich um eine Studie des BMVI, die ohne Mitwirkung der DB Fernverkehr AG erstellt wurde, betont sie. Der Zielfahrplan 2030 stimme mit der Verkehrsprognose und dem Zielnetz 2030 des neuen Bundesverkehrswegeplans überein. Brunkhorst gibt vorerst Entwarnung für den ICE-Halt Göttingen: „Seitens der DB Fernverkehr ist die heutige Angebotsfrequenz der ICE-Züge auf der Achse Göttingen-Hildesheim-Braunschweig in den mittelfristigen Konzepten unverändert vorgesehen.“

Neue Trasse München-Erfurt-Berlin

Für Gerd Aschoff, Sprecher des Pro-Bahn-Regionalverbandes Süd-Niedersachsen, hält die Planungen aus dem Ministerium in keinster Weise abgestimmt. Entscheidender ist für ihn, dass mit der Inbetriebnahme der neuen Trasse München-Erfurt-Berlin, die im Dezember mit der fahrplanumstellung ans Netz geht, sich für Südniedersachsen die Anschlüsse vom ICE auf Regionalzüge erheblich verschlechtere. Ankunftszeiten von ICE verzögerten sich in Göttingen, so könnten etwa Metronom-Züge nicht mehr erreicht werden, sagte Aschoff. Das habe die Politik bislang ignoriert.

Die zehn Milliarden teuere, neue Trasse München-Erfurt-Berlin soll die Fahrzeit zwischen München und Berlin von sechs auf vier Stunden verkürzen. Sie ist Konkurrenz zur ICE-Strecke über Braunschweig und Wolfsburg. Ob diese weiterhin profitabel sein wird, will die Bahn nun prüfen. Das Ministerium kommt derzeit zu dem Schluss, dass dem nicht so ist.

Von Michael Brakemeier

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