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Göttingen IWF-Gelände: Bürgerinitiative kritisiert Göttinger Städtebaubeirat
Die Region Göttingen IWF-Gelände: Bürgerinitiative kritisiert Göttinger Städtebaubeirat
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19:41 24.09.2013
„Fremdkörper“ im Viertel: das ehemalige Institut für den wissenschaftlichen Film am Nonnenstieg. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Auf „massive Verschattungsprobleme der extrem dichten Bebauung“ etwa hätten erst Laien hinweisen müssen. Inzwischen sind die ursprünglichen Planungen eines österreichischen Architektenbüros aber verworfen worden.

Im Juni 2012 hatte eine elfköpfige Jury über die Wettbewerbsbeiträge entschieden und den Siegerentwurf vorgestellt. Mit Stadtbaurat Thomas Dienberg, dem Leiter des Universitätsmanagements, Rainer Bolli, und der Hannoveraner Architektin Gesche Grabenhorst als Fachpreisrichter gehörten der Wettbewerbsjury drei Mitglieder des Städtebaubeirates an.

Neben Dienberg waren mit Fachpreisrichter Werner Lepper und Sachpreisrichter Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) zwei weitere Mitglieder der Göttinger Stadtverwaltung an der Wettbewerbsentscheidung beteiligt.

Burkhard Uhlig, oberster Göttinger Stadtplaner und Geschäftsführer des Städtebaubeirates, war beim Wettbewerb stellvertretender Fachpreisrichter und ist beratendes Mitglied des Städtebaubeirates.

Qualität prüfen

Für die Bürgerinitiative bedeutet diese Verquickung von Jurytätigkeit, Mitgliedschaft im Städtebaubeirat und in der Verwaltung, „dass die Stadt sich hier quasi selbst berät“. Sprecherin Elisabeth Gregorius: „Das macht alles keinen sehr überzeugenden Eindruck.“

Und weiter: „Es wäre notwendig, wenn ein unabhängiges Gremium der Stadt wirklich kritisch über die Schulter schauen würde, um schon in der Planungsphase auf die Gefahr von Bausünden hinweisen zu können. Diesem Anspruch wird der Städtebaubeirat nicht gerecht.“ Nach der Geschäftsordnung des Städtebaubeirates soll das Gremium die Stadt beraten.

Vorgelegte Vorhaben sollen auf städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualität geprüft und beurteilt werden. Die an dem Vorhaben beteiligten Bauherrn und Architekten werden im Rahmen der Begutachtung gehört und beraten. Empfehlungen zur weiteren Bearbeitung des Vorhabens können formuliert werden.

Nach einem Protokoll der Beiratssitzung im November, in der die Entwürfe für das IWF-Gelände Thema waren, hat der Vorsitzende des Bauausschusses, Christian Henze (SPD), als beratendes Beiratsmitglied die Bedenken der Anwohner formuliert, die an die Politik herangetragen wurden: Die angestrebte Dichte und Geschossigkeit sei zu hoch, Verkehrsprobleme würden befürchtet.

Planung ein Fremdkörper

Die Planung sei ein Fremdkörper, der sich nicht in die Umgebung einfüge, heißt es im Protokoll. Daraufhin habe das Beiratsmitglied Michael Triebswetter aus Kassel erwidert, dass auch das IWF ein Fremdkörper gewesen sei. Und Martin Thumm habe zudem unterstrichen, dass ein „sehr urbanes Quartier mit hoher Qualität“ geplant worden sei.

Die Stadt und Politik müssten nun entscheiden, ob dies der richtige Ort dafür ist und diese Dichte in der Umgebung gewünscht wird. Das Gremium sei sich einig, dass die gewünschte Qualität nur erreicht werden könne, wenn die hier dargestellten Gebäude auch so gebaut werden, wie mit dem Entwurf versprochen, heißt es abschließend zu dem Thema.

Eine schriftliche Stellungnahme des Beirates gibt es nicht, hatte die Verwaltung auf eine entsprechende Anfrage der Grünen-Ratsfraktion geantwortet. Der Städtebaubeirat sei durch den Vorsitzenden beratendes Mitglied im Bauausschuss und ständig dort vertreten.

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