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Göttingen Im 30 Jahre alten Volvo bis nach Marrakesch
Die Region Göttingen Im 30 Jahre alten Volvo bis nach Marrakesch
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16:02 11.10.2018
Christopher Herzmann, Hans Töllner und Carlos Rivas Werner waren bei der Rallye von München nach Marrakesch mit einem 30 Jahren alten Volvo dabei. Quelle: r
Göttingen

Die Idee, an der Rallye „Off the beaten tracks“ teilzunehmen, geisterte schon länger in den Köpfen von Christopher Herzmann, Hans Töllner und Carlos Rivas Werner herum. Einmal von München nach Barcelona abseits der Hauptverkehrsrouten in einem Auto, das nicht mehr als 1000 Euro kosten darf, aber eine grüne Plakette hat. Wer ankommt, hat gewonnen. So lauten die Regeln der Veranstalter. Anfang 2018 meldete sich das Trio unter dem Teamnamen „Göttinger 3“ schließlich an.

Marrakesch statt Barcelona

Allerdings hatte der Veranstalter die Route im zehnten Jahr der Rallye leicht verändert. Statt nach Katalonien sollte es für die insgesamt 100 Teilnehmer in elf Etappen bis nach Marrakesch gehen – 5800 Kilometer durch die Schweiz, Österreich, Italien und Spanien. Berge, Wüste und viele enge Straßen. Die Frage des passenden Gefährts war schnell beantwortet. Es sollte ein Volvo sein, möglichst ein Baujahr vor 2000. „Da waren sie noch robust, simpel und zuverlässig“, sagt Hans. Der 24-jährige Koch und Hobbyschrauber ist Fan der Marke, besitzt selbst drei Fahrzeuge des schwedischen Herstellers und organisiert einmal im Jahr zusammen mit Matthias Broderius ein Old- und Youngtimer-Treffen in Landolfshausen.

Mit dem Volvo bis Marrakesch

Für 500 Euro fanden sie einen 30 Jahren alten 740er mit gut 300 000 Kilometern auf dem Tacho. Vermutlich sind es mehr – die Anzeige bewegt sich seit einiger Zeit nicht mehr. Vor Beginn der Tour wurde der Kombi „einmal durchrepariert“ – Bremsen, Federung und Scheinwerfer mussten ersetzt werden. Sponsoren, wie ein Hamburger Teilelieferant oder die Landolfshäuser Volvo-Schrauber, halfen den drei Nachwuchs-Rallyefahrern bei der Vorbereitung. Andere gaben Geld für die Tankfüllungen und durften sich mit schwarzem Filzstift auf der Motorhaube verewigen.

„Nur zu wenig Zeit, es zu genießen“

Ende September ging es dann für die Göttinger beladen mit Ersatzteilen, Werkzeug, Campingausrüstung und Verpflegung zur Akkreditierung nach Bayern. Der Anfang einer Tour, die sich im Rückblick anfühlt, wie eine Weltreise im Zeitraffer, sagt Carlos. Seine einzige Kritik: „Wir haben so viele schöne Orte gesehen und hatten definitiv zu wenig Zeit, um sie zu genießen.“ Dabei war den Teams freigestellt, wie sie den nächsten Check-Point erreichen. Lediglich zum morgendlichen Briefing mussten alle Teilnehmer am verabredeten Ort sein.

Ein Luxus, den sich die „Göttinger 3“ dabei gegönnt haben, war die landestypische Verpflegung. Sie waren in einer baskischen Tapasbar, aßen Krustenbraten in München, Wurstsalat in der Schweiz und wurden mit Spaghetti Bolognese in ihrer ersten Nacht in Italien verwöhnt. Auch Carlos ist gelernter Koch und schwärmt von der kulinarischen Seite der Tour, die darin gipfelte, dass sie gemeinsam mit einem schwäbischen Team kurz vor dem Ziel mitten in der marokkanischen Wüste mit einfachsten Mitteln Spätzle zubereiteten.

Jeder Schlammspritzer eine Geschichte

Bei ihrem Rückblick dient ihnen der stark verschmutzte Volvo als Gedächtnisstütze. Jeder Schlammspritzer erzählt eine Geschichte. Da ist die stürmische Nacht, die sie dank hilfsbereiter Italiener nicht im Zelt verbringen mussten, oder der Zwischenstopp in den Alpen, als die Bremsen nach einer zweistündigen Talfahrt anfingen zu qualmen. Sie erinnern sich auch an die gute Stimmung im Fahrer-Feld. „Grundsätzlich war man auf sich gestellt, aber jeder konnte sich immer auf die Solidarität der Mitfahrer verlassen“, erzählt Hans. Und nicht wenige hätten sich mit zu viel Risiko auf der Strecke die Autos beschädigt.

Wenige Tage nach der Rückkehr aus Marrakesch steht das Team wieder vor der Werkstatt in Landolfshausen und ist stolz, dass die „Göttinger 3“ und ihr schwedischen Gefährt heile bis ans Ziel in Marokko und in einem 40-Stunden-Marathon auch wieder zurück nach Südniedersachsen gekommen sind. Und was bleibt ihnen von der Rallye? „Viele Inspirationen, wo man später mal Urlaub machen sollte“, sagt Carlos. Die Gewissheit, dass man das vermutlich nicht zum letzten Mal gemacht hat, sagt Hans.

Volvo darf seinen Dreck behalten

Und was wird aus dem Volvo? Dazu gibt es verschiedene Ideen. Entweder wird er für einen guten Zweck versteigert oder weiter als Rallye-Wagen genutzt. „Oder wir stellen ihn als Aushängeschild in die Einfahrt zur Volvo-Werkstatt“, scherzt Carlos. Fest steht, dass sie die Dreckspritzer nicht entfernen – als Erinnerung.

Von Markus Scharf

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