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Göttingen Rekordzahlen prägen Arbeitsmarkt im Raum Göttingen
Die Region Göttingen Rekordzahlen prägen Arbeitsmarkt im Raum Göttingen
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00:05 09.01.2019
Freut sich über die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Agentur-Chef Klaus-Dieter Gläser. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Für Arbeitsmarktexperten war 2018 in der Region Göttingen ein Rekordjahr: wieder weniger Arbeitslose – noch mehr Stellenangebote – 30 Millionen Euro, um Arbeitslose in einen Beruf zu führen. Aber ein Rekordjahr mit Makeln.

Im Video: Der Agenturchef zum Jahresrückblick

 

Denn nicht alle Arbeitslosen haben von der guten Konjunktur im vergangenen Jahr profitiert, sagte am Dienstag Klaus-Dieter Gläser, Chef der Agentur für Arbeit in Göttingen. Während ältere Arbeitslose ab 50 Jahren von der Entwicklung profitierten, gab es im Jahresvergleich mehr Arbeitslose Schwerbehinderte, Langzeitarbeitslose, über 55-Jährige und Ausländer – wenn auch mit geringen Steigerungsraten. Am stärksten betroffen sind Arbeitslose ohne Berufsausbildung. Ihre Zahl stieg von 6668 (2017) um 6,5 Prozent auf 7105 (2018) Registrierte.

Immer mehr Beschäftigte mit bezahlter Arbeit

Besser sieht es statistisch bei den Gesamtzahlen aus: Ende 2017 waren in den Landkreisen Northeim und Göttingen noch 14 044 Menschen arbeitslos gemeldet, im vergangenen Jahr 13 540 – das sind 3,6 Prozent weniger. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Agentur auch für die andere Seite positive Zahlen meldet. Im vergangenen Jahr haben die Arbeitgeber der Agentur 4570 offene Stellen gemeldet, 13,5 Prozent mehr als 2017 und 32,3 Prozent mehr als 2016.

Folge: Seit 2016 ist die Zahl der insgesamt sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region stetig gestiegen (Plus 1,1 Prozent). 2018 waren 174 564 in Lohn und Brot. Die weitaus meisten arbeiten im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (Zusammen 42,5 Prozent). Außerordentlich erfreulich entwickelt habe sich die Situation von Ausländern aus nichteuropäischen Asylherkunftsstaaten, betonte Gläser. Die Zahl der Beschäftigten aus dieser Gruppe ist von 339 im Jahr 2016 auf 974 im vergangenen Jahr gestiegenin Plus von 187 Prozent. Sie arbeiten vor allem im Einzelhandel, in Zustelldienst, in der Gastronomie, im Gesundheitswesen und in der Pflege.

Ausbildung

Der Ausbildungsmarkt war auch 2018 durch einen klaren Trend gekennzeichnet: Es gibt immer mehr offene Ausbildungsplätze, aber immer weniger Suchende. Folge: 173 Stellen konnten 2018 nicht besetzt werden. Trotzdem haben 126 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz gefunden. Nach wie vor passten oft Berufswunsch und Angebot nicht überein, sagte Gläser. Vor allem die Suchenden müssten dann auch Abstriche machen.

Zugleich appellierte der Agenturleiter an die Unternehmen, in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze anzubieten als üblich, wenn sie mittelfristig ausreichend Beschäftigte sichern wollen. Denn mit der Rückführung der Schulzeit bis zum Abi in Niedersachsen von 12 (G8) auf 13 Jahre (G9) gibt es 2020 keine Abiturienten aus den Gymnasien.

Neue Gesetze zur Arbeitsförderung

Damit Arbeitslose einen Arbeitsplatz finden oder bedrohte Beschäftigte ihren Arbeitsplatz behalten, hat die Agentur im vergangenen Jahr etwa 30 Millionen Euro ausgegeben: 16,3 Millionen für Eingliederungsprojekte und 14 Millionen Euro für Rehamaßnahmen für Schwerbehinderte. Davon wurden 3,5 Millionen Euro für Berufsorientierungsprojekte investiert.

Für fast alle Bereiche prognostizieren die Experten auch für dieses Jahr positive Zahlen. Unabhängig davon hofft die Göttinger Agentur auf neue Gesetze und viel Geld vom Bund, um Beschäftigte für die Zukunft zu wappnen. Über das neue Qualifizierungschancen-Gesetz könnten Arbeitnehmer durch Zuschüssen für eine Weiterbildung profitieren, Arbeitgeber durch einen Ausgleich für Arbeitsausfälle, so der Bereichsleiter für Arbeitsvermittlung, Tobias Broda.

Tobias Broda Quelle: Christina Hinzmann

Hinzu komme das neue Teilhabechancengesetz, um Langzeitarbeitslose noch besser zu fördern.

Arbeitslose im Quotenvergleich

Beim Blick auf die Arbeitslosenquote stand der Landkreis Northeim 2018 etwas besser da als der Kreis Göttingen. In Northeim betrug die Quote 5,4 Prozent (Vorjahr 5,8), im Kreis Northeim 5,7 Prozent (5,9 Prozent). Die Werte lagen in beiden Bereichen leicht über dem Landesdurchschnitt in Niedersachsen (5,3 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt (5,2 Prozent).

Agentur oder Jobcenter?

Am stärksten gesunken ist laut Statistik der Anteil der Arbeitslosen, die über die Arbeitslosenversicherung (SGB III) bei der Arbeitsagentur registriert sind (minus 8,3 Prozent). Bei den Arbeitssuchenden in den Jobcentern, die über Grundsicherung nach SGB II gemeldet sind, sankt die Zahl nur um 1,3 Prozent – obwohl es insgesamt mehr als doppelt so viele sind.

 

Von Ulrich Schubert

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