Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Die eigenen Grenzen verteidigen lernen
Die Region Göttingen Die eigenen Grenzen verteidigen lernen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 21.04.2017
Quelle: Pförtner
Anzeige
Göttingen

Mit ernstem Gesichtsausdruck, breitbeinig und die Knie leicht gebeugt stehen die Mädchen in einer Reihe. Ihre Blicke sind fest auf den Angreifer - in diesem Fall Kursleiterin Riggers - gerichtet, die nach vorne gestreckten Arme symbolisieren: Bis hierhin und nicht weiter. Mit starker Stimme rufen sie: „Halt Stopp! Lass uns in Ruhe!“ „Wir haben gelernt, wie man sich gegen blöde Sprüche wehrt und dass man niemals mit Fremden mitgeht“, sagt die neunjährige Marlene. Viele der Mädchen erzählen, dass sie schon einmal beleidigt, geschubst oder geärgert worden sind. Besonders gegen Jungs und ältere Menschen sind die Schülerinnen oft im Nachteil.

Das möchte ich nicht!

„Der Schwerpunkt liegt auf den Alltagssituationen. Wenn man sich in diesen gut behaupten kann, dann kann man sich überall behaupten“, meint Riggers. Die Sozialpädagogin bietet seit mehr als 15 Jahren „Selbstbestimmungskurse“ an, durch die sich junge Mädchen stärker und selbstbewusster fühlen sollen. Zudem sollen die Kinder ihre Grenzen erkunden und lernen, diese zu verteidigen. Im Zweifelsfall mit Tritten und Schlägen. Eines sei dabei besonders wichtig: „Für sich selber einzutreten und zu sagen: Das möchte ich und das möchte ich nicht“, erklärt Riggers.

Um ihre eigenen Kräfte zu erfahren, sollten die Mädchen ein Holzbrett zertreten. „Das war echt ganz cool. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ein dickes Brett durchkriege“, staunt die achtjährige Merle. Auch Teilnehmerin Lina dachte anfangs: „Ich kriege das nicht hin.“ Am Ende schaffen es alle der Acht- bis Zehnjährigen, das Brett zu entzweien. Die verschiedenen Übungen hätten sie selbstbewusster gemacht, erzählt Drittklässlerin Theresa, „weil ich jetzt weiß, wie ich mich verteidigen und erst mal mit Worten wehren kann“.

© Swen Pförtner

Viel mit Worten agiert auch Riggers. Sie verdeutlicht den Mädchen, dass es einen „Unterschied zwischen Hilfe holen und petzen“ gibt. Besonders bei unangenehmen Berührungen gelte es, Stopp zu sagen und Hilfe zu holfen - auch bei Menschen, die man eigentlich gerne mag. „Das braucht manchmal viel mehr Mut als bei Leuten, die man nicht mag“, sagt Riggers in Richtung der Grundschülerinnen. Aber: Der Kurs solle keine Angst machen, sondern vielmehr ermutigen, und das könne nur mithilfe der Eltern gelingen. Denn am Ende müssten diese ihre Kinder weiter darin unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Von Yannick Höppner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige