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Göttingen Alltagsrassismus und Pöbeleien beklagt
Die Region Göttingen Alltagsrassismus und Pöbeleien beklagt
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18:00 28.11.2018
Göttingen gilt als tolerante und bunte Stadt, auch hier gibt es aber rassistische Übergriffe. Quelle: Jonathan Michaeli
Göttingen

Rassistische Pöbeleien oder gar tätliche Angriffe sind in der Universitätsstadt Göttingen eher Ausnahmen, kommen aber auch hier vor. Mit dem Thema hat sich der Göttinger Integrationsrat in seiner jüngsten Sitzung befasst.

Vor allem ein Mitglied habe eine deutliche Zunahme von verbalen Anfeindungen bis zu handfester Gewalt beklagt, teilt Birgit Sacher als Geschäftsführerin des Integrationsrates mit. Der aus Sierra Leone stammende Mann habe viele Kontakte zu sogenannten People of Color in Göttingen. Vor wenigen Monaten sei er vor einer Ampel an einer Straßenkreuzung von einem Passanten als Affe beleidigt worden. In diesem Zeitraum sei er zudem von einem weiteren Mann, den er nicht kommen gesehen habe, kräftig geschubst, mit einer Schlagkette bedroht und „zum Kampf aufgefordert“ worden. Im Oktober sei das Mitglied des Integrationsrates dann zu einem Menschenauflauf vor dem Nudelhaus in der Jüdenstraße nach einem tätlichen Angriff auf einen jungen Afrikaner hinzugestoßen. Die Wange des Jugendlichen sei sichtbar geschwollen gewesen. Mitarbeiter des Nudelhauses hätten bestätigt, dass das Opfer kurz zuvor von einem Mann ins Gesicht geschlagen und geschubst worden sei. Dabei sei eine Fensterscheibe des Nudelhauses zerbrochen, der Täter nach dem Vorfall mit einem Stadtbus davongefahren.

„Je dunkler, desto größer die Gefahr“

Die Übergriffe würden einem üblichen Muster folgen, sagt Sacher: „Je dunkler die Hautfarbe, desto größer ist die Gefahr, von Rassismus betroffen zu sein.“ Der Integrationsrat werde die Entwicklung weiter aufmerksam beobachten und in seinen Netzwerken Vorfälle abfragen. Das Gremium werde einen Ansprechpartner benennen. Auf alle Fälle sollten sich Betroffene melden, das sei auch anonym möglich.

Auch andere Mitglieder des Integrationsrates hätten eine Zunahme direkter, vor allem aber indirekter Pöbeleien festgestellt, sagt Sacher. Ansonsten hat sie eher den Eindruck, dass das Klima trotz des Trends zum Rechtspopulismus toleranter geworden sei. In der Geschäftsstelle verzeichne sie keine Zunahme der Beschwerden über rassistische Übergriffe: „Hier besteht eher der Eindruck, dass sich das gesellschaftliche Klima im Vergleich zu früheren Jahren, zum Beispiel in den 1990er-Jahren, deutlich verbessert hat – trotz des gegenteiligen Mainstreams.“ In abnehmender Zahl, aber immer noch würden sich Bürger melden, die Kontakt zu Migranten und Flüchtlingen suchen und ihre Hilfe anbieten würden.

Als verfestigtes Problem sieht Sacher den sogenannten Alltagsrassismus. Dazu gehöre die Benachteiligung bei der Wohnungssuche („Bei deutschen Namen ist die Wohnung frei, bei ausländischen Namen schon vergeben“), Eintrittsverbote in Diskotheken und die Tendenz zur Bevormundung. Diese Art von Alltagsrassismus führe selten zu Beschwerden, werde aber immer wieder in Gesprächen von Betroffenen berichtet.

Kopftuch als rotes Tuch

Mit steigender Tendenz würden die Mitglieder des Integrationsrates seit zwei bis drei Jahren eine Diskriminierung von Frauen verzeichnen, die ein Kopftuch tragen. Sie hätten nicht nur Probleme bei der Jobsuche, sondern würden auch immer wieder in der Öffentlichkeit plötzlich in Gespräche und Diskussionen über den Islam und die Scharia verwickelt. Das geschehe zum Beispiel in Bussen, an Haltestellen oder in Cafés. Häufig sei das verbunden mit einer deutliche ablehnenden, manchmal auch mitleidigen Haltung gegenüber den Frauen. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ sei dabei die Haupttendenz. Als harmlosere Variante gebe es Aussagen wie „Die armen Frauen, die müssen sich aber auch nicht alles gefallen lassen“.

Von Kuno Mahnkopf

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