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Göttingen Interview mit Professor Ulrich Weihs, Sachverständiger für Baumpflege
Die Region Göttingen Interview mit Professor Ulrich Weihs, Sachverständiger für Baumpflege
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00:18 26.04.2013
Baumfrevel: alte Linde in Gladebeck. Quelle: CR
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Göttingen

Was klassifiziert einen Baum als Naturdenkmal?

Ulrich Weihs

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Naturdenkmale rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur, die aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit besonders geschützt sind. Häufig handelt es sich bei Naturdenkmalen um Einzelbäume oder auch Baumgruppen, die ein ungewöhnlich hohes Alter aufweisen und durch ihren besonderen Wuchs und ihr Aussehen eine herausgehobene gestalterische Funktion auf ihr Baumumfeld ausüben.

Wer entscheidet darüber?

Nach dem Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz werden in Niedersachsen Naturdenkmale durch die unteren Naturschutzbehörden (UNB) festgesetzt und unterliegen einer weitgehenden Veränderungssperre.

Gibt es Richtlinien für den Umgang damit?

Nach dem Gesetz sind die Beseitigung des Naturdenkmals sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals führen können, verboten. Ausnahmen von diesem Verbot sind nur bei nicht mehr vorliegender und auch nicht wiederherstellbarer Verkehrssicherheit möglich. Neben diesen gesetzlichen Vorgaben versteht es sich von selbst, dass zum Erhalt einzigartiger Naturdenkmale die anerkannten Regeln einer fachgerechten Baumpflege eingehalten werden, wie sie beispielsweise in den Richtlinien für Baumpflege (ZTV-Baumpflege) der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau festgelegt sind.

Was sind die Kriterien dafür, dass ein Baum noch erhalten werden kann und sollte?

Bäume abseits von öffentlichen Straßen oder anderen Bereichen ohne öffentlichen Verkehr können über den Zeitpunkt ihres Absterbens hinaus bis zu ihrem Zerfall erhalten bleiben. Im städtischen Bereich sieht das anders aus. Hier müssen Bäume entlang von öffentlichen Straßen, Plätzen oder Parkanlagen stand- und bruchsicher sein. Der Entscheidung, ob ein stärker geschädigter Baum noch erhaltenswert ist oder nicht, liegt ein komplexer Abwägungsprozess zugrunde, in dem folgende grundlegende Fragen abzuklären sind:

  •  Ist die Verkehrssicherheit des geschädigten Baumes wiederherstellbar?
  •  Um was für einen Baum handelt es sich und welche Funktionen erfüllt er an seinem Standort?
  • Lässt die Lebenstüchtigkeit des Baumes erwarten, dass er nach Durchführung der Pflegemaßnahmen noch über eine längere Standzeit verfügt?
  • Sind die für den Erhalt des Baumes notwendigen finanziellen Aufwendungen vertretbar und ist der Baumeigentümer bereit, diese zu tragen?

Wie pflegt man einen alten Baum richtig?

Die fachlich korrekte Pflege von alten Bäumen setzt fundierte baumbiologische, baumphysiologische sowie baumphysikalische Kenntnisse voraus. Kurz gesagt, man muss wissen, wie ein Baum funktioniert. Für die korrekte Pflege ehemals gekappter Bäume ist es vollkommen ausreichend, in Abständen von drei bis fünf Jahren die neu gebildeten Triebe zur Erhaltung der Verkehrssicherheit zu vereinzeln und einzukürzen. Die Schnittmaßnahmen sind so durchzuführen, dass allmählich eine Sekundärkrone entsteht, die der Baum zum Überleben benötigt.

Im Vergleich dazu lässt sich das erneute, komplette Herunterschneiden der Sekundärkrone nur bei schwer geschädigten, nicht mehr verkehrssicheren Bäumen als ultima Ratio bei Gefahr im Verzug rechtfertigen. Bei vitalen, erhaltenswerten Altbäumen, insbesondere wenn es sich um besonders geschützte Naturdenkmale handelt, muss diese Maßnahme als Baumfrevel bezeichnet werden. Der sichtbare Vergleich der im April 2011 fachlich korrekt geschnittenen Göttinger Gerichtslinde mit der im März dieses Jahres verunstalteten alten Dorflinde in Gladebeck legt hierüber ein eindeutiges Zeugnis ab.

Interview: Ute Lawrenz

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