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Göttingen Ackerland als Anlageobjekt
Die Region Göttingen Ackerland als Anlageobjekt
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15:18 09.11.2018
Hubert Kellner am Maisfeld bei Seulingen: Er gehört dem Grundstückverkehrausschuss an. Quelle: Foto: Thiele
Göttingen

Null Prozent Anlagezinsen, überteuerte Immobilien: Viele überregionale Investoren stecken ihr Geld wohl auch deshalb in landwirtschaftliche Flächen. Die Preise für Acker- und Grünland steigen seit Jahren – auch im Landkreis Göttingen.

Ausschuss prüft jeden Verkauf

Acker als Anlageobjekt: Vor allem in Ostdeutschland ist das verbreitet. Im Landkreis Göttingen, so Kreislandwirt Hubert Kellner, sei das aber bislang kaum ein Thema. Kellner ist Mitglied des sogenannten Grundstückverkehrausschusses. Dort landen alle Verkaufsanfragen von landwirtschaftlichen Flächen ab einer Größe von einem Hektar Fläche im Kreisgebiet. Wir arbeiten nach dem Motto „Ackerland gehört in Bauernhand”, sagt Kellner, der selbst Landwirt ist. Der Ausschuss trifft sich etwa alle sechs Wochen, fünf Mitglieder arbeiten dort. Verkäufe von landwirtschaftlichem Boden im Landkreis Göttingen sind häufig. „Wir haben pro Sitzung meist um die 40 Flächen zu prüfen”, sagt Kellner. Viele davon seien Flächen, die von Landwirt zu Landwirt weiter verkauft werden. „Das ist meist unproblematisch”, sagt Kellner. Und solche Transfers machen etwa 90 bis 95 Prozent der Verkäufe im Kreisgebiet aus. Die anderen werden genauer geprüft. Beispielsweise dahingehend, ob ein Ausgleich nötig wird oder ob eine Flächenteilung droht. „Flächenteilung kann auch ein Trick sein”, sagt Kellner. Wenn doch einmal ein Nicht-Landwirt Flächen als Invest kaufen will, könne er versuchen, zweimal einen halben Hektar zu erwerben und damit unter die Prüfungsgrenze zu gelangen. Durch Nachfragen komme das aber meist schnell heraus. Teilungen sind laut Kellner nicht erwünscht, damit die Flächen nicht zu klein zum Beackern werden.

Auch Verfahren, bei denen ein lokaler Unternehmer beispielsweise eine Fläche kaufen möchte, um sein Unternehmen zu erweitern, landen im Ausschuss zur Beratung. „Anfragen von internationalen Großinvestoren hatten wir noch nicht”, sagt Kellner.

 Eine GmbH verkaufen – ohne Prüfung

Andreas Tietz vom Von-Thünen-Institut in Braunschweig hat die Entwicklung der Bodenpreise untersucht. Demnach haben sich im Osten die Preise verdreifacht, im Westen verdoppelt. Das Aufkaufen der Flächen im Osten habe aber häufig einen anderen Hintergrund. „Im Osten sind es oft sogenannte juristische Personen, also beispielsweise eine GmbH, die die landwirtschaftlichen Betriebe besitzen”, sagt Tietz. Das begründe sich in der Geschichte, denn als die LPG der DDR aufgelöst wurden, hätten sich häufig Gesellschaften oder Genossenschaften gegründet, die die Betriebe übernommen haben. Zumal auch die Größe der zugehörigen Flächen attraktiv für Investoren sei. Eine GmbH mit Flächeneigentum kann ein Investor kaufen – ohne eine Zustimmung vom Ausschuss oder eine spezielle Genehmigung zu benötigen. „Der Vorgang unterliegt dann dem Handelsrecht”, sagt Tietz, und nicht dem Grundstückverkehrgesetz. In Westdeutschland aber gebe es bislang diese Art juristischer Person als Landwirt nur „ganz, ganz selten”. Seit 2007 sind laut Tietz zahlreiche Betriebe durch externe Investoren übernommen worden. „Die Behörde bekommt nicht mal eine Nachricht, dass dieses Unternehmen verkauft wird. Der Investor kann es völlig ohne eine Genehmigungspflicht kaufen und ist damit indirekt Eigentümer von viel Fläche geworden."

Bei Bedenken wird der Flächenkauf versagt

Keller sagt: „Wir passen im Landkreis Göttingen auf”. Dabei werden die Mitglieder des Ausschusses auch von der Landwirtschaftskammer unterstützt. Hat der Ausschuss Bedenken, „dann versagen wir den Kaufvertrag”, sagt Kellner. Gemeinsam mit der Kammer suche man dann einen Landwirt, der als Käufer infrage kommt.

Bodenpreisindex im Kreis Göttingen gestiegen

Dennoch: Die Preise für landwirtschaftliche Flächen sind auch im Landkreis Göttingen seit Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Preise untersucht der Gutachterausschuss für Grundstückswerte des Landesamtes für Geoinformation. Seit 2003 ist demnach der Index der Bodenpreise für Ackerland von gut 90 auf über 160 gestiegen. „Nach ersten Erkenntnissen aus dem Jahr 2018 hält der Trend an”, sagt Gerd Trautmann vom Gutachterausschuss. Im Schnitt kostet ein Quadratmeter Boden im Landkreis Göttingen 2,09 Euro. Der Wert schwankt aber je nach Qualität von etwa 80 Cent bis zu sechs Euro.

Von Britta Bielefeld

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