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Göttingen Einblicke in den Jägeralltag
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00:25 30.05.2018
Ursula Fünfschilling zeigt Tierschädel. Quelle: meg
Esebeck

Thilo Immel hat am Sonnabend rund 20 interessierten Nicht-Jägern einen Einblick in seinen Jägeralltag gewehrt. Bei einem Spaziergang durch das 550 Hektar große Esebecker Land erklärte der Jagdpächter unter anderem den Zweck eines Hochsitzes.

„Ich hatte die Idee, Nicht-Jägern ungezwungen, die Landschaft durch die Augen eines Jägers zu zeigen“, sagt Immel. Bei strahlendem Sonnenschein führte der Spaziergang zunächst über die Fahrrinne eines Rapsfeldes. Im Entenmarsch liefen die Teilnehmer hinter Immel her.

Unterstützt wurde der Jäger von Michael Corsmann von der Jägerschaft Göttingen und Jägerin Ursula Fünfschilling. Diese hatte verschiedene Tierschädel aus ihrer Sammlung am Wegesrand versteckt. Im hohen Gras lagen die knöchernen Überreste von Füchsen, Hasen, Wildschweinen, Rehen und Dachsen. Jene Tierarten, die die Felder und Wälder in Esebeck bevölkern.

„Während wir hier stehen, liegen mindestens zwei Bachen mit ihren Frischlingen versteckt im Feld“, Jäger Thilo Immel

Michael Corsmann, Thilo Immel und Ursula Fünfschilling. Quelle: meg

„Während wir hier stehen, liegen mindestens zwei Bachen mit ihren Frischlingen versteckt im Feld“, sagt Immel und zeigt auf eine Schneise im hohen Gras. Als Bache wird in der Jägersprache ein weibliches Wildschwein bezeichnet. „Alles unter einem Jahr wird als Frischling oder bei den Rehen als Kitz bezeichnet“, erklärt Immel.

„Das hier war noch ein junger Bock, die Hörner sind nur als kleine Knubbel zu erkennen“, sagt Fünfschilling und reicht einen Rehschädel umher. „Ein paar Zähne sind auch noch nicht raus gekommen.“ Gejagt wird nach einem bestimmten Abschussplan. Dieser legt fest, wieviel Wild nach Alter und Geschlecht in jedem Jagdbezirk zu erlegen ist. „Dabei geht man besonders auf die Kitze, um die natürliche Alterspyramide zu erhalten“, so Immel. „Von der wildbiologischen Seite ist dies korrekt, die Natur geht auch immer auf die Kleinen.“

„Bambi ist Schuld“

Nicht zu verwechseln seien Rot- und Rehwild, welche in der Öffentlichkeit immer verwechselt würden, so Corsmann. „Ich denke, Bambi ist schuld: Als Baby wird er als Rehkitz dargestellt und danach als Weißwedelhirsch“, meint der Naturschutzhauptmann. Als Rotwild werden Hirsche, Hirschkühe und ihre Kinder, Kälber, bezeichnet: „Zwei verschiedene Tierarten, die nicht einmal so miteinander verwandt sind, dass man sie kreuzen könnte.“

2017 wurden in Esebeck 18 Rehe und 26 Wildschweine geschossen. „Das sind überdurchschnittlich viele Wildschweine“, sagt Immel. Die Wildschweinjagd folgt keinem Abschussplan, sondern ist im Jagdpachtvertrag geregelt. Das liege vor allem an den sogenannten Wildschäden, die die Tiere verursachen. Zertrampelte Felder und geklaute Zuckerrüben muss Immel den Landwirten, den das Land gehört, erstatten.

Die Zunahme an Wildschweinen schreibt der Jäger unter anderem den verlängerten Fressperioden zu: „In den vergangenen Jahren ist ein bestimmter Bitterstoff im Raps raus gezüchtet worden, deswegen gehen die Tiere auch daran.“

Feste Hochsitze aus Sicherheitsgründen

Am Rand des Waldes ragt ein 3,5 Meter Hochsitz über das Feld: „Wir bemühen uns, die Sitze in Bäume zu bauen“, sagt Immel. Aber sobald ein bisschen Wind komme, wackle alles und gefährde sowohl Tier als auch Mensch. Die festen Hochsitze werden aus Sicherheitsgründen genutzt: „Wir Jäger müssen uns immer absichern. Wir können nicht einfach geradewegs auf ein Tier schießen, da wir nie wissen, wo die Kugel vielleicht abprallt oder wer dahinter steht“, erklärt der Immel. „Wir brauchen immer einen Kugelfang.“ Durch das höher gesetzte Schießen sei dieser gewährleistet.

Matsch gegen Zeckenbefall

„Viele tote Wildschweine sind voller Matsch“, sagt Immel und macht vor eine Wasserkuhle halt. „Die Tiere betreiben im Gegensatz zum Rehwild Körperpflege, sie suhlen sich im Matsch und reiben sich danach an Bäumen.“ Das verhindere beispielsweise den Zeckenbefall: „Wenn ich ein totes Reh berge, wandern mir mindestens drei Zecken den Arm hoch.“

Die Strecke führte über weite Felder bis in einen schattigen Wald hinein. Mehrere Türkenbundlilien, laut Immel eine beliebte Futterquelle des Rehwildes, säumen die Waldhänge. Am Waldeingang demonstrierte Corsmann mit seinem Labrador Bobbel das Apportieren. Auf einen Felldummy tropfte der Jäger Enten-Aromastoffe und versteckte diesen unter einem Baum. Innerhalb von wenigen Minuten fand der Hund das „Wild“ und brachte es unter lobenden Worten seines Besitzers zurück. „Seine Aufgabe ist es, dem Geruch zu folgen und das Wild zu apportieren. Ist das Tier zu groß, muss er mich hinführen“, erklärt Corsmann. Ein Hund ist bei der Jagd gesetzlich vorgeschrieben. „Wenn man ein Tier beispielsweise schlecht getroffen hat und es fliehen kann, ist ein Jäger verpflichtet, das Tier zu finden und es zu erlösen“, ergänzt Immel, das ginge oft nur mit Hund.

Jägersprache

„Die Jägersprache ist einerseits zum Präzisieren, aber auch um sich von nicht wissenden abzugrenzen“, sagt Jäger Thilo Immel. Präzisiert wird beispielsweise bei dem Begriff „Ricke“, welcher ein weibliches Reh bezeichnet. Umgangssprachliche Jägerbegriffe sind:

Ansprechen: Art und Geschlecht eines Tieres erkennen

Schweiß(-Spur): Blut außerhalb eines Wildkörpers beziehungsweise eine Blutspur

Schnallen: Hund zum Apportieren loslassen

Auf- und Abbäumen: Den Hochsitz besteigen oder verlassen. „Man sagt, aber auch beim Verlassen eines Bodensitzes ’Ich bäume jetzt ab‘“, so Immel.

Labrador Bobbel apportiert einen Entendummy. Quelle: meg

Von Madita Eggers

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