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Göttingen Vor zehn Jahren wurde die Synagoge eingeweiht
Die Region Göttingen Vor zehn Jahren wurde die Synagoge eingeweiht
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00:27 30.05.2018
Gemeindevorsitzende Jacqueline Jürgenliemk und Finanzvorstand Achim Doerfer. Quelle: Michael Caspar
Göttingen

„In der Synagoge feiern wir seither mit zehn bis 50 Gläubigen unsere freitäglichen Gottesdienste“, berichtete Jacqueline Jürgenliemk, die Gemeindevorsitzende. Rabbiner Edward van Voolen betreue die Gemeinde zusammen mit Rabbinatsstudenten des Potsdamer Abraham-Geiger-Kollegs. Die Gemeinde nutze das Fachwerkgebäude zudem für Konzerte und Versammlungen.

Deutsch- und Hebräischkurse

„Das jüdische Alltagsleben, etwa Sprachkurse in Deutsch und modernem Hebräisch, finden dagegen im Gemeindehaus statt“, sagte die Vorsitzende. Das nutze die Gemeinde seit 2004. Damals habe sie mit großzügiger Unterstützung ihres Fördervereins das ehemalige Pfarrhaus von der evangelischen Kirche erworben.

Als „ganz besonderen Ort“ beschrieb Jürgenliemk die kleine Synagoge, die einen Grundriss von acht mal acht Metern habe und über eine Empore verfüge. Ein nichtjüdischer Bauer hatte sie 1937 übernommen und jahrlang als Scheune genutzt. So überstand sie die Novemberpogrome von 1938 unversehrt. Die repräsentative Göttinger Synagoge wurde dagegen damals zerstört.

Heimatforscher Detlev Herbst entdeckte das vernachlässigte und in der Öffentlichkeit vergessene Gebäude lange nach dem Krieg gemeinsam mit einem Journalisten in Bodenfelde wieder. Herbst hatte die Idee, die Synagoge nach Göttingen zu versetzen. Dort war die Gemeinde 1994 nicht zuletzt von den vielen nach der Wende zugezogenen jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion wiederbelebt worden.

Ehrenmitglieder des Beth Shalom

Jürgenliemk ernannte Herbst am Sonntag im Namen der Gemeinde zum Ehrenmitglied des Beth Shalom („Haus des Friedens“). Ihm gehörten nichtjüdische Ehepartner, Menschen, die zum Judentum konvertieren wollten und „besondere Menschen“ an, führte die Vorsitzende aus. Herbst bedankte sich mit einem silbernen, im weißrussischen Minsk gefertigten Zeiger, der bei der Lesung der fünf Bücher Mose im jüdischen Gottesdienst Verwendung findet.

Göttingens jüdischer Friedhof ist gesperrt

Auch der emeritierte Judaistik-Professor Berndt Schaller, der viele Jahre lang Führungen über den Friedhof der Jüdischen Gemeinde Göttingen angeboten hat, wurde Ehrenmitglied des Beth Shalom. Die Vorsitzende bedauerte in diesem Zusammenhang die Schließung des Friedhofs. Die Außenmauer sei einsturzgefährdet. Grabsteine drohten umzufallen. Die Sanierungskosten könne die – aufgrund des hohen Durchschnittsalters – schrumpfende Gemeinde nicht aufbringen, ergänzte der für Finanzen zuständige Vorstand Achim Doerfer. 140 Mitglieder habe die Gemeinde noch. Vor einigen Jahren seien es 200 Personen gewesen.

Grußworte bei der Feier sprachen unter anderem Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt, der lutherische Superintendent Friedrich Selter, der reformierte Pastor Michael Ebner sowie der Vorsitzende der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde Mustafa Keskin.

Von Michael Caspar

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