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Göttingen Jugendstil-Laden in Göttingen entdeckt
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00:29 09.04.2018
Eicke, Inhaberin Rahnenführer und Wagner (v.links) im Geschäft an der Rote Straße. Quelle: Jonathan Michaeli
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Göttingen

An der Roten Straße 10 ist eine einzigartige Ladendekoration aus der Jugendstilzeit entdeckt worden. Hausbesitzerin Anja Rahnenführer hat Glasdecke und Wandfliesen freilegen und restaurieren lassen. „So etwas ist in Göttingen einzigartig und in Niedersachsen sehr selten”, sagt Karin Schrader von der Göttinger Denkmalpflege.

Jugendstildecke vermutlich von 1902

Das Haus in der Roten Straße, so hat Schrader herausgefunden, wurde im Jahr 1902 errichtet. Zuvor stand dort vermutlich ein kleineres Haus. Die Decke des Ladengeschäftes stammt wahrscheinlich aus der Bauzeit- sie zeigt typische, verspielte und florale Jugendstil-Ornamente in grün und blau. Die Decke besteht aus Glasscheiben, die nahezu komplett erhalten sind. „Die Decke war mit einer niedrigeren Decke abgehängt, niemand wusste, was für ein Schmuckstück sich darunter verbirgt”, sagt Rahnenführer. Eigentlich wollte die Geschäftsfrau den Laden, in dem zuletzt ein Tattoo-Studie untergebracht war, nur renovieren. „Frische Wände und neues Licht”, so der Plan. Ein neuer Mieter - ein Matratzengeschäft - war bereits gefunden. Mit den Sanierungsarbeiten beauftragte Rahnenführer die Firmen Hausdoktor und Titan-Bau, die bereits zahlreiche historische Geschäftshäuser in der Innenstadt renoviert und umgebaut haben. „Unsere Mitarbeiter haben beim entfernen der alten Tapeten sofort gesehen, dass darunter alte Fliesen liegen”, sagt Hausdoktor-Chef Hendrik Eike. Drei Lagen Tapeten klebten darauf. Die Arbeiter hätten sofort alles stehen und liegen lassen. „Wir sind froh, dass sie so gut reagiert haben”, sagt Jonas Wagner von Titan-Bau.

Vor der Sanierung: Jugendstil-Decke und historische Fliesen im Laden an der Roten Straße 10. Quelle: r

Als nach und nach klar wurde, dass sowohl die gläserne Jugendstil-Decke als auch die Fliesen-Wanddekoration nahezu komplett erhaltenen sind, informierten die Handwerker sofort die Hausbesitzerin - und dann die städtische Denkmalpflege. „Das ist keine Selbstverständlichkeit”, sagt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), den Rahnenführer ebenfalls sofort in Kenntnis setzte. „Es wäre ein Leichtes, die historische Ausstattung verschwinden zu lassen”, sagt Eicke. Rahnenführer aber nahm die Herausforderung an. „Zum Glück half mir die Frischleder Vermögensverwaltung aus Köln kurzfristig finanziell”, so die Geschäftsfrau. Denn: Fliesen und Decke wieder zu verstecken, das wäre deutlich einfacher gewesen - und hätte nur ein Drittel gekostet.

Haus Rote Straße 10 ist seit 1956 in Familienbesitz

Das Haus an der Roten Straße ist seit 1956 im Besitz der Familie Fleischmann, „mein Opa Otto Fleischmann war damals der Besitzer”, sagt Rahnenführer. Erbaut wurde es 1902, die erste „Gebrauchsabnahme”, die Schrader im städtischen Hausaktenarchiv fand, stammt von 1903. „Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Decke”, so Schrader. Was in den ersten Jahren im Geschäft verkauft wurde, ist noch unbekannt. 1921 wurde dort eine Käserei, dann eine Bäckerei betrieben. Die Wandfliesen stammen möglicherweise aus dieser Zeit, sie sind typisch für Lebensmittelgeschäfte. „Das ist aber noch nicht endgültig geklärt”, sagt Schrader. Experten sollen sich die Muster und Ornamente nun anschauen und sie datieren. Später, um 1946, wurde im Laden Gemüse verkauft, „Mathilde Röhrig” hieß damals das Geschäft. Es folgten „Agfa”, „Möbel Schymura”, viele Jahre war dann der „Rote Buchladen” unter dieser Adresse zu finden.

Inhaberin Rahnenführer; Rolf-Georg Köhler Quelle: Jonathan Michaeli

Eicke, Wagner, ihre Mitarbeiter und Fachleute der Firmen Nottbohm (Glas) und Lohrengel machten sich an die Restaurierung des für Göttingen einzigartigen Ladens. „Zum Glück haben die Handwerker, die einst die Decke abgehängt haben, sehr sorgfältig darauf geachtet, die darunter liegende Jugendstildecke nicht zu beschädigen”, erklärt Eicke. So musste sie nur leicht repariert und „mit Seifenlauge” gereinigt werden. Auf den Wandfliesen klebten drei Schichten Tapete, die es zu entfernen galt, Dübellöcher und Schäden wurden ausgebessert. Gebrauchsspuren aber sollten sichtbar bleiben. Nun ist ein für Göttingen einzigartiger Laden zu sehen. Das Matratzengeschäft ist am Sonntag geöffnet, Besucher dürfen sich umschauen. Aber eigentlich wollte der neue Mieter „nur einen rechteckigen Laden pachten”.

Von Britta Bielefeld

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