Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Kampf der Wegwerf(un-)kultur: Erstes Reparaturcafé in Göttingen eröffnet
Die Region Göttingen Kampf der Wegwerf(un-)kultur: Erstes Reparaturcafé in Göttingen eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:35 20.09.2013
Von Matthias Heinzel
Reparaturexperten: Matthias Quentin, Monika Mengert, Klaus Kölmel, Bernd Wallmann, Thomas Heppel und Jörg Meinbrok (v.l.). Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

Gut zwei Jahre Nutzungszeit, und schon ein Stück Elektronikschrott. Immer öfter gehen Haushalts- und Unterhaltungselektronik schon kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputt. Das ist ärgerlich, muss aber nicht sein, meinen die Organisatoren des neu gegründeten Göttinger Reparaturcafés.

Das Ziel: reparieren statt wegwerfen. Meist nämlich, sagt Mitbegründer Klaus Kölmel, sei nur ein kleines Teil defekt, was sich mit ein bisschen Bastler-Geschick problemlos ersetzen lasse. Für Kölmel und seine Kollegen bedeutet Reparieren nicht nur weniger Ärger, sondern vor allem einen Schritt hin zu einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Lebensweise.

Das Konzept des gemeinnützigen Reparaturcafés: Jeden letzten Donnerstag im Monat treffen sich vier geschickte Reparateure im Holzhof Göttingen in der Robert-Bosch-Breite 1a und sehen sich defekte Geräte oder Haushaltsgegenstände an, die jeder Interessierte vorbeibringen kann.

Können gegenseitig ergänzen

Die Regeln: Die Reparatur ist bis auf etwaige Ersatzteile kostenlos, das zu reparierende Gerät muss tragbar sein (Waschmaschinen, Autos, Fahrräder oder Ähnliches, aber auch Textilien sind ausgeschlossen), der Besitzer muss beim Reparaturversuch dabei sein. Eine Garantie auf die erfolgreiche Reparatur gibt es nicht.

Die Idee ist nicht neu. In Holland erfunden, gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten derartige Reparaturtreffpunkte, in denen sich Bastler treffen und ihr Können gegenseitig ergänzen. Sie eint der Ärger darüber, dass Unterhaltungselektronik und Haushaltsgegenstände immer schneller ihren Geist aufgeben – von den Herstellern beabsichtigt, wie sie vermuten (siehe Info).

Der eingangs erwähnte DVD-Spieler übrigens bekam von seinem Besitzer ein zweites Leben eingehaucht. Der Gummi-Treibriemen für die Schublade war in Auflösung begriffen – nach noch nicht einmal zwei Jahren. Der Riemen im Wert von weniger als einem Cent wurde ersetzt – Problem gelöst.

Geplant kaputt

„Geplante Obsoleszenz“ heißt die Absicht der Hersteller von technischen Geräten und Haushaltsgegenständen, die Lebensdauer ihrer Produkte gezielt zu verkürzen, damit der Besitzer gezwungen wird, sich ein neues Gerät zu kaufen.

In Fachkreisen legendär ist der Computerdrucker eines namhaften Markenherstellers, in den ein elektronisches Zählwerk eingebaut wurde, nach dessen Ablaufen der Drucker funktionsunfähig wird. Meist sind es aber billige Kleinteile aus schlechtem Material, die nicht lange halten.

Einen anderen Weg beschreitet unter anderem der Handy-Hersteller Apple, der den Akku in seinen Telefonen fest einbaut, sodass er nicht ausgetauscht werden kann.

Wer glaubt, dies sei eine neue Erfindung, täuscht sich. Im sogenannten Phöbuskartell einigten sich 1924 die damaligen Hersteller von Glühlampen nicht nur auf eine Aufteilung der Märkte, sondern auch darauf, die Lebensdauer ihrer Produkte zugunsten höherer Verkaufszahlen auf etwa 1000 Stunden zu begrenzen.

Dass es auch anders geht, zeigt eine Glühlampe der Feuerwehr in Livermore/Kalifornien. Die Glühbirne brennt fast ununterbrochen seit dem Jahr 1901.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!